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60 Jahre Strandautos: Sonne und Meer

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Chronik Strandautos 1956 bis 1968

1956: Die europäische Strandauto-Bewegung startet in Italien mit dem von Pininfarina gezeichneten Fiat 600 Eden Roc. Basierend auf dem originellen Microvan Fiat 600 Multipla soll der mit niedriger Gürtellinie als vollkommen offenes Cabrio – sogar ohne Türen und Verdeck – konzipierte Eden Roc die Schönen und Reichen an den Strand chauffieren. Das Interieur und die Frontscheibe erinnern an das Design schicker Motorboote. Nachdem der Fiat Eden Roc auf dem Pariser Salon für Furore sorgte, ließ sich der hellauf begeisterte Henry Ford II ein Fahrzeug nach Detroit liefern. Aber nicht nur der moderne Fiat Multipla mutiert durch Ghia zum Beachcar, auch der bereits angejahrte Renault 4 CV wird von den Italienern geöffnet und mit Korbsesseln ausstaffiert.

1957: Die Carrozzeria Ghia entwirft den Jolly auf Fiat-500-Basis. Vorgestellt wird der Fiat 500 Jolly auf dem Turiner Salon – und begeistert die Massen so sehr, dass die fröhlichen Mini-Strandautos in den Folgejahren fast unverzichtbares Accessoire aller reichen Riviera-Besucher werden. Auf dem Genfer Salon debütiert der Fiat Spiagetta („Strand“), gezeichnet von Giovanni Michelotti für Vignale. Der Spiagetta nutzt die Technik und Plattform des Fiat 600 Multipla und ergänzt das Konzept des vorausgehenden Fiat 600 Eden Roc um ein festes, fast freischwebendes Dach, das lediglich durch zwei hintere Stangen und den Frontscheibenrahmen mit dem offenen Kunststoff-Auto verbunden ist. Schicke Weißwandreifen und Chromräder verleihen Prestige.

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1958: Der Fiat 600 Marinella debütiert auf dem Turiner Salon. Entworfen von Fissore, basiert der Marinella mit Kunststoffkarosserie auf dem Multipla. Im offenen Interieur verfügt er über Korbsitze. Ebenfalls in Turin steht der Fiat 500 Spider mit Einstiegsöffnungen, die Türen entbehrlich machen. Entworfen wurde der Fiat 500 Spider von Giovanni Michelotti für den Karosseriebauer Savio. Der englische Micro-Car-Hersteller Meadows präsentiert den offenen Zweisitzer Frisky Sport Convertible mit Kunststoffkarosserie, der sofort in Serie geht. Das nur 350 Kilogramm wiegende Fahrzeug wird bis 1961 gebaut.

1959: Auf dem Genfer Salon zeigt Konstrukteur Hanns Trippel sein Amphibienfahrzeug Eurocar Alligator, das spätere 4,50 Meter lange Amphicar. Der Großindustrielle Harald Quandt unterstützt Trippel und dessen Partner, die amerikanische Amphicar Corporation, bei der Serienlegung, die zunächst in Lübeck-Schlutup startet und später in Berlin erfolgt. Der Jeep Gala basiert auf dem Jeep DJ-3 und wird in zeitgeistigen Pastelllackierungen und in bonbonfarbenem Interieur für Ferienanlagen in Acapulco, Mexiko, und in den USA angeboten.

1960: Auf dem Turiner Salon zeigt Fissore einen facegelifteten Fiat 600 Marinella mit neuer Frontpartie. Volkswagen liefert mit seinem Transporter T1 in den USA ein Kultfahrzeug, der von Pietro Frua gebaute Volkswagen Sun Valley versteht sich als passendes stylisches Strandauto. Surfboard auf dem feststehenden Dach gehört dazu, ansonsten erinnert der auf dem Genfer Salon vorgestellte Frua-Volkswagen optisch an die Beachcars auf Fiat-Basis.

1962: Der britische Austin Mini Moke debütiert zunächst als Militärfahrzeug für die britischen und amerikanischen Streitkräfte, findet aber vor allem private Käufer. Bis 1968 werden knapp 15.000 Einheiten gebaut, dann endet die britische Fertigung des auf dem Kleinwagen Mini basierenden Luftikus. 1966 neuer Produktionsstart des Moke („Eselchen“) in Australien bei British Leyland (bis 1982) und schließlich auch in Portugal als Moke California beziehungsweise Cagiva Moke (1980 bis 1993).

1964: Der Glas 1004 Ranch nutzt die innovative Technik des in Dingolfing gebauten Glas 1004 und überträgt ansonsten die Idee des Mini Moke. Gezeichnet und gebaut wurde der Glas Ranch von Pietro Frua, seine Weltpremiere ist auf dem Turiner Salon. Als Erfinder des Dune-Buggys gilt der Kalifornier Bruce Meyers, der Kunststoffkarosserien auf VW-Käfer-Fahrgestelle und Technik montiert.

1965: Shellette Jolly auf Basis des Fiat 850 Spider, realisiert von Michelotti

1966: Seat überrascht mit mehreren vom Karossier Savio entwickelten Sonderversionen des Kleinwagens Seat 600, dabei ein Strandwagen.

1967: Auf dem Pariser Salon feiert Vignales Fiat 500 Gamine im Retrostil der 1930er Jahre Premiere und Marktstart. Bis 1970 werden vom Vignale Gamine rund 800 Einheiten gebaut. Der unter Virginio Vairo entworfene Zweisitzer überträgt die Strandauto-Idee auf das Roadstersegment und findet weltweites Interesse. In Deutschland ist er über den Otto-Versand, Hamburg, erhältlich für 3.980 Mark. Tatsächlich ist der Gamine hierzulande das erste in großer Stückzahl ausschließlich per Versandhandel verfügbare Auto. Schon am Jahresanfang auf dem Amsterdamer Salon debütiert der Daf Kini. Ein von Michelotti entworfenes Strandauto mit offener und türenloser Kunststoffkarosserie, das für die Fondpassagiere ein kleines Sonnenfaltdach an einer Überrollbügelattrappe aufhängt. Die Technik liefert der neue Kleinwagen Daf 44. Der Daf Kini wurde bereits 1966 gezeichnet und wird im Folgejahr dem niederländischen Königshaus zum Geburt des Thronfolgers geschenkt. Der Name des Sohnes von Königin Beatrix und Prinz Claus wurde auf den vorderen Kotflügel graviert. Der heutige König Willem-Alexander ist tatsächlich mit seinen Eltern und Familienhund zum Strandvergnügen gefahren, dokumentiert auf zeitgenössischen Fotos.

1968: Am 16. Mai debütiert in Deauville, Frankreich, der Citroen Méhari, designt von Jean-Louis Barrault. Der 3,53 Meter lange offene Kunststoffwagen erhält in Deutschland keine allgemeine Betrieberlaubnis wegen nicht feuerfester Karosserie aus ABS-Kunststoff, eine Einzelabnahme ermöglichte aber die Zulassung von Importfahrzeugen. Der Méhari wird zunächst „Dyane 6 Méhari“ genannt unter Bezug auf das technische Basisfahrzeug. Der Name Méhari ist in Nordafrika die Bezeichnung für ein Dromedar. Wie dieses genügsame, ausdauernde Tier sollte der Méhari nicht nur Freizeitmobil, sondern auch Nutzfahrzeug sein und etwa Strohballen befördern. Renault enthüllt im selben Jahre den Renault 4 Plein Air. Zwischen 1968 und 1973 werden vom belgischen Karossier Apal rund 5000 Fiberglas-Karosserien für Buggies produziert, darunter der Apal Buggy und der Apal Rancho, die alle auf dem Volkswagen Käfer basieren.

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