Neben dem schleppenden Geschäft und dem Investitionsdruck belasten auch hohe Schulden von mehr als zehn Milliarden Euro den Zulieferer. Der Ausblick auf 2025 bleibt verhalten.
„Ein möglicher Partner soll unser Herz gewinnen und es nicht herausreißen“, sagte ZF-CEO Holger Klein bezogen auf die Partnersuche für die „Division E“ – das Herzstück des Unternehmens.
(Bild: ZF)
Der Automobilzulieferer ZF hat 2024 tiefrote Zahlen geschrieben. Der Verlust betrug knapp über eine Milliarde Euro. Vor allem hohe Rückstellungen für die Restrukturierung in Höhe von etwa 600 Millionen Euro hätten zu dem Nettoergebnis geführt. Im Jahr 2023 hatte der Konzern unter dem Strich noch einen Gewinn von 126 Millionen Euro gemacht.
„Das Jahr 2024 hat deutlich gemacht, unter welch enormem Druck unsere Branche und damit auch unser Unternehmen steht“, sagte der ZF-Vorstandsvorsitzende Holger Klein bei der heutigen Bilanzvorlage. Man begegne den Herausforderungen mit einem klaren strategischen Maßnahmenplan. Dazu zählen etwa Einsparungen und Stellenabbau. Ziel sei es, ZF zu entschulden und zu einem agileren und profitableren Technologieführer zu entwickeln. „Dieser Weg, den wir bereits vor zwei Jahren eingeschlagen haben, kostet uns viel Kraft. Wir werden ihn dennoch mutig und konsequent fortsetzen, denn wir sehen, dass sich erste Erfolge einstellen“, so Klein.
Die wichtigsten ZF-Kennzahlen im Überblick.
(Bild: ZF)
Schuldenberg wächst
ZF leidet wie viele andere Zulieferer unter der schwachen Konjunktur und der mauen Nachfrage – vor allem nach E-Autos. Nahezu alle Autohersteller meldeten für 2024 satte Gewinnrückgänge. Der ZF-Konzern konnte im vergangenen Jahr 41,4 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften. Das ist ein Rückgang von elf Prozent oder 5,2 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr – allerdings stark durch den Einmaleffekt der Entkonsolidierung der Achsmontagesysteme beeinflusst (Umsatz: 2,6 Milliarden Euro). Organisch betrug der Umsatzrückgang rund drei Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) lag bei 1,5 Milliarden Euro, das sind etwa 900 Millionen Euro weniger als 2023. Die Ebit-Marge betrug 3,6 (2023: 5,1) Prozent.
Neben dem schleppenden Geschäft und einem enormen Investitionsdruck belasten auch hohe Schulden in Höhe von mehr als zehn Milliarden Euro den Konzern. Diese haben ihren Ursprung vor allem im Erwerb des Autozulieferers TRW und des Bremsenspezialisten Wabco. Der Konzern bezahlt aktuell jährlich mehrere Hunderte Millionen Euro an Zinsen. Der um M&A-Aktivitäten bereinigte Free Cashflow betrug vergangenes Jahr 305 (2023: 1.382) Millionen Euro. Vor allem hohe Rückstellungen für Restrukturierungskosten in Höhe von rund 600 Millionen Euro führten zu einem Nettoergebnis von minus 1.020 Millionen Euro. In der Folge wuchs zum Jahresende 2024 der Schuldenberg auf 10.467 (2023: 9.982) Millionen Euro; die Eigenkapitalquote lag bei 19,2 Prozent.
Partner gesucht – für E-Mobilität und ADAS
Entlastungen erhofft sich der Konzern, indem er Investoren an Bord holt bei einzelnen Divisionen. ZF werde seine Strategie „Stärken stärken – Potenziale entfalten“ zur Optimierung des Portfolios weiter fortsetzen, betonte Klein. Das eröffne neue Handlungsspielräume. „Wir investieren weiter gezielt in Kernbereiche wie die Fahrwerk-, Nutzfahrzeug- und Industrietechnik sowie unser Aftermarket-Geschäft, die bereits zu den Top 3 ihrer jeweiligen Segmente zählen. In den Bereichen E-Mobilität sowie Elektronik und Fahrerassistenzsysteme streben wir Partnerschaften an, um diese Bereiche für die Zukunft zu stärken und Wachstumspotenziale freizusetzen“, erklärte Klein.
Notwendige Investitionen in diesen Bereichen könne man alleine nicht leisten. Das Ziel der Partnerschaften sei zudem eine Skalierung der Geschäfte. Aktuell wird die Antriebssparte, das Herz von ZF mit mehr als 30.000 Mitarbeitern, mit einer Abspaltung auf eine mögliche Partnerschaft vorbereitet. Einen Verkauf schließt der Konzern weiterhin aus. „Ein möglicher Partner soll unser Herz gewinnen und es nicht herausreißen“, sagte Klein.
Bis Ende 2028 will ZF 11.000 bis 14.000 Stellen in Deutschland abbauen. Zum 31. Dezember 2024 beschäftigte der Konzern laut Mitteilung weltweit 161.631 Menschen – rund vier Prozent weniger als im Vorjahr. In Deutschland habe sich die Mitarbeiterzahl nominell ebenfalls um gut vier Prozent auf etwas mehr als 52.000 verringert.
Verhaltener Ausblick
Der Ausblick auf das Geschäftsjahr 2025 bleibt verhalten. Besonders für die Eurozone und Deutschland ist abermals mit einem nur schwachen Wirtschaftswachstum zu rechnen; mit Fahrzeugmärkten, die noch unter den Werten des Vorjahres verharren könnten. Zudem bleibt der Transformationsdruck hoch, ebenso die Unsicherheiten durch geopolitische und protektionistische Einflüsse. Die bereits eingeleitete Neustrukturierung wird ZF auch in diesem Jahr intensiv beschäftigen. Bei stabilen Wechselkursen geht der Konzern für das Jahr 2025 von einem Umsatz von über 40 Milliarden Euro aus. Der Konzern müsse sich so tiefgreifend verändern wie nie zuvor, betonte Klein. 2024 und 2025 seien Jahre des Übergangs.
Mit Material von dpa
Stand: 08.12.2025
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