Logistik Autos selbstfahrend im Hafen umschlagen

Von Thomas Günnel 2 min Lesedauer

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Automatisiert fahrende Autos als selbstfahrende Fracht im Hafen: Daran forschen mehrere Unternehmen gemeinsam mit Volkswagen.

Neufahrzeuge vor der Verschiffung: In einem Projekt arbeitet unter anderem Volkswagen daran, die Autos selbstfahrend umzuschlagen.(Bild:  Volkswagen)
Neufahrzeuge vor der Verschiffung: In einem Projekt arbeitet unter anderem Volkswagen daran, die Autos selbstfahrend umzuschlagen.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen verschifft jährlich rund 2,4 Millionen Fahrzeuge. Der größte Hafen im Netzwerk ist der in Emden. Hier forscht der Autohersteller noch bis Ende 2026 im Projekt „AutoLog“ daran, die Autos automatisiert sich selbst abwickeln zu lassen. Beteiligt sind außerdem das Bremer Institut für Produktion und Logistik an der Universität Bremen, die Deutsche Telekom und das Softwareunternehmen Unikie. Das Ziel: herausfinden, wie sich automatisierte Fahrbewegungen auf Autoterminals auf Effizienz, Sicherheit und Klimaschutz auswirken – und wie die technische Infrastruktur aussehen muss.

So funktioniert das Projekt „AutoLog“

Wie funktioniert das Projekt technisch? Auf dem Terminalgelände des Hafens Emden entsteht ein Testfeld. Der Hafen verfügt über neun Pieranlagen, zwei Schiebebühnen und diverse Stranggleise, außerdem vier Lkw-Tiefladerplätze. Viel Abwechslung für das Testsystem – ein- und ausgehende Fahrzeugströme lassen sich über alle Verkehrsträger abbilden. Das Volkswagen-Werk Emden ist direkt an den Hafen angebunden.

Das Testfeld mit Autostellplätzen beinhaltet laut der Projektpartner mehrere Fahrwege und einen stark frequentierten Kreisverkehr. Eine große Herausforderung dabei: zeitgleich automatisiert fahrende Autos, manuell gesteuerte Fahrzeuge und Fußgänger-Bewegungen sicher steuern.

Digitaler Zwilling des Testfeldes

Vorab entsteht vom Testfeld ein echtzeitfähiger digitaler Zwilling, um Konzepte zu testen. Dafür nutzen die Projektpartner Lidar-Sensoren, die im Hafen installiert werden. Die Kommunikation zu den Fahrzeugen erfolgt mittels eines öffentlichen 5G-Netzes. Die notwendigen Sensoren sind per Mobilfunk verbunden.

Der digitale Zwilling ist Bestandteil des „Unikie Marshalling System“ des Softwareherstellers. „Marshalling“ ist der englische Begriff für „aufstellen, ordnen“ und wird auch für das Rangieren von Zügen verwendet. Das System nutzt internationale ISO-Standards. Es ist laut Hersteller vollständig interoperabel. Das heißt: Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller und Typen können auf der gleichen Fläche ohne menschliches Eingreifen automatisiert gefahren werden. Das System eignet sich demnach für Pkw, Lkw und Busse.

Herstellerübergreifende Entwicklung

Studien im Vorfeld des Projektes zeigten laut der Partner bereits effizientere und sicherere Umschlagprozesse mit automatisiertem Fahren. Weiterer Effekt: Es könnten zirka 20 Prozent weniger versiegelte Flächen notwendig sein, weil unter anderem Lagerverdichtung Platz spart. Die Anzahl der auf dem Terminal von Shuttleverkehren gefahrenen Kilometer könnte teils um bis zu rund 25 Prozent sinken. Und: Den Personalmangel kann das automatisierte Fahren laut der Terminalbetreiber ebenfalls abfedern. Die bestehende Begrenzung „ein Fahrer – ein Auto“ werde mit dem System aufgehoben.

Die Forschungen und Entwicklungen im Projekt Autolog sind hersteller- und markenübergreifend und sollen sich auch für andere Terminals eignen. Sogar der Einsatz in der gesamten Distributionskette sei denkbar, also von den Flächen des Automobilherstellers bis zum Hof des Händlers.

Das Projekt „AutoLog“ in Kürze

Das Verbundprojekt Autolog, „Entwicklung automatisierter Fahrprozesse und dynamischer Lager- und Logistikkonzepte auf Automobilterminals“, läuft drei Jahre und hat ein Gesamtvolumen von 5,8 Millionen Euro. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr fördert es im Programm für Innovative Hafentechnologien mit 3,2 Millionen Euro. Die Fördermittel gehen zu zwei Dritteln an die Volkswagen-Konzernlogistik mit einer Förderquote von 46 Prozent und zu einem Drittel an das BIBA mit einer Förderquote von 100 Prozent. Der TÜV Rheinland begleitet das Projekt als Projektträger.

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