Brief an Kanzler Scholz Hilferuf der großen Zulieferer: „Wer geht, kommt nicht zurück“

Von Sven Prawitz 2 min Lesedauer

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Appell an den Bundeskanzler: Die Chefs und Betriebsräte von Bosch, Continental, Mahle, Schaeffler und ZF warnen vor dem Niedergang des Autostandorts Deutschland. Seit 2019 fielen 50.000 Jobs weg.

Das Konzeptfahrzeug von ZF hat einen Plug-in-Hybrid-Antrieb mit 100 km elektrischer Reichweite.(Bild:  ZF/Stefan Anker)
Das Konzeptfahrzeug von ZF hat einen Plug-in-Hybrid-Antrieb mit 100 km elektrischer Reichweite.
(Bild: ZF/Stefan Anker)

Die Geschäftsführer und Betriebsratsvorsitzenden der fünf größten Automobilzulieferer Deutschlands rufen Bundeskanzler Olaf Scholz zur Unterstützung der Autoindustrie auf. „Uns eint gemeinsam mit der IG Metall die tiefe Sorge um den Automobilstandort Deutschland“, schreiben die Chefs und Arbeitnehmervertreter von Bosch, Continental, Mahle, Schaeffler und ZF in einem offenen Brief an den Kanzler, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zunächst hatte das Handelsblatt darüber berichtet. Demnach ist der Brief auf den 19. Dezember 2024 datiert.

Seit dem Jahr 2019 seien in der Zulieferindustrie fast 50.000 Stellen abgebaut worden, heißt es weiter. In den nächsten Monaten sei eine dramatische Beschäftigungslage zu erwarten. Auch die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner hat den Brief unterschrieben.

Unterzeichner fordern Unterstützung bei Hochlauf der E-Mobilität

Die Branche fordert politische Unterstützung, um Deutschland als leistungsstarken Industriestandort zu erhalten. Ein zentraler Punkt des Appells ist die in den Augen der Zulieferer bestehende Notwendigkeit, den Hochlauf der Elektromobilität zu beschleunigen. Die Unternehmen hätten erheblich in diese Technik investiert, doch der schleppende Marktstart gefährde die Rentabilität dieser Investitionen.

Ohne höhere Nachfrage würde es europäischen Herstellern schwerfallen, Kosten und Preise zu senken, was es außereuropäischen Wettbewerbern erleichtere, Marktanteile in Europa zu gewinnen, zitiert das Handelsblatt aus dem Brief. Es steige der Druck, Wertschöpfung und Arbeitsplätze dorthin zu verlagern, wo die Märkte sich besser entwickeln. „Unternehmen, die diesen Schritt vollziehen, werden nur schwer zurückkehren.“ Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, plädieren die Zulieferer für steuerliche Erleichterungen und den Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Plädoyer für Plug-in-Hybride

Die Vertreter der fünf großen Zulieferer werben in ihrem Schreiben zudem für Plug-in-Hybride. „Die Fahrzeuge haben bei hohem elektrischem Fahranteil eine bessere Klimabilanz als reine Verbrennerfahrzeuge, nehmen Menschen die Reichweitenangst und erleben nicht zuletzt deshalb auch auf dem chinesischen Markt derzeit einen Boom. Unseren Unternehmen und unseren Beschäftigten erleichtern sie überdies den Weg in die Zukunft ganz massiv“, gibt das Wirtschaftsblatt die Analyse der Unternehmen wieder.

Vor allem in China werden Plug-in-Hybride immer beliebter – wie auch E-Autos mit Verbrennungsmotor zum Laden des Akkus („Range Extender“). Allerdings punkten die chinesischen Anbieter mit elektrischen Reichweiten im dreistelligen Kilometerbereich. Deutsche Autohersteller haben ihre Hybrid-Modelle weniger stark auf diesen Parameter ausgelegt. Zum Beispiel: der überarbeitete Porsche Panamera schafft 90 Kilometer (laut WLTP-Zyklus).

Fahrzeuge mit Verbrenner- und E-Antriebstechnik an Bord sind besonders lukrativ für Zulieferer. Durch die doppelte Motorisierung werden deutlich mehr Komponenten benötigt als bei reinen Verbrennern oder reinen E-Autos.

Wasserstoff und E-Fuels

Im Nutzfahrzeugsegment soll primär für Langstreckenfahrzeuge Wasserstoff eine größere Rolle spielen. Geht es nach den Zulieferern, soll die Bundesregierung hier wieder stärker fördern. Auch synthetische Kraftstoffe würden erwähnt. Die Verfasser des Briefs sehen in E-Fuels eine sinnvolle Ergänzung des Energiemix in der Mobilität – auch nach dem Jahr 2035.

„Die aktuelle EU-Regulierung zu den CO2-Flottengrenzwerten setzt sehr ehrgeizige Ziele“, schreiben die Autoren. Um diese zu erreichen, müsse die Politik geeignete Rahmenbedingungen schaffen.

Mit Material von dpa

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