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Schritt zum System
1987 betrat das Coburger Unternehmen technisch und logistisch Neuland. Die modular aufgebaute Fahrzeugtür markierte einen wichtigen Schritt vom Komponentenhersteller hin zum Systemlieferanten: Die wichtigsten Funktionsbauteile der Fahrzeugtür wurden nun bei Brose zu einem System zusammengefasst. Der Kunde erhielt das Türmodul geprüft und einbaufertig zum gewünschten Zeitpunkt im Produktionsablauf. Erstmals kam das System im Audi 80 Coupé zum Einsatz. Zehn Jahre später erfolgte die Weiterentwicklung des Prinzips: Das Werk von Brose in Meerane/Sachsen war der erste Standort, der just-in-sequence fertigte. Die Türsysteme werden im Takt der Produktion des Automobilherstellers gefertigt und direkt an das Montageband geliefert. Ergebnis: Vom Bestelleingang bis zur zeitgenauen Montage der vom Endkunden gewünschten Ausstattungsvariante vergehen nur wenige Stunden, selbst Lieferzeiten von 90 Minuten konnten bereits realisiert werden.
Vollständige Sitzstrukturen
Dieser Systemansatz wurde bald auch auf den Sitzbereich übertragen. Seit 1997 fertigt Brose nicht mehr nur Verstellkomponenten, sondern gesamte Sitzstrukturen. Diese lassen sich nach den Wünschen der Kunden im Grad der Elektrifizierung und der Anzahl der Verstellebenen anpassen. Die Sitzsystemvarianten können ebenfalls just-in-sequence gefertigt und geliefert werden.
Um die Kompetenz in der Fahrzeugtür zu erweitern, erwarb Brose 2002 das Schließsystemgeschäft von Bosch mit Sitz in Wuppertal. Die dort entwickelten Module fassen Türschloss und Türinnengriff sowie alle zugehörigen mechanischen und elektrischen Verbindungen zu einer Baugruppe zusammen. Eine der wichtigsten Innovationen der vergangenen Jahre war der sogenannte Flex-Pol-Aktuator. Dieser ersetzt bis zu drei Motoren mit den zugehörigen Zahnrädern, da er elektrische Kindersicherung, Zentralverriegelung und Diebstahlschutz in sich vereint. Der Automobilhersteller spart dadurch Bauraum und Gewicht. Zusätzlich wird das Schloss durch den Wegfall von Kleinteilen robuster.
Managementgeführter Erfolg
Nach 34 Jahren übertrug Michael Stoschek Ende 2005 den Vorsitz der Geschäftsführung an Jürgen Otto und übernahm den Vorsitz der Gesellschafterversammlung. Damit stand erstmals kein Familienmitglied an der Firmenspitze. Dennoch dokumentiert dieser Schritt die Kontinuität und langfristige Orientierung der Brose Gruppe: Otto war vorher 15 Jahre in verschiedenen Leitungsfunktionen des Unternehmens tätig, das in seiner nunmehr 107 Jahre währenden Historie von nicht mehr als vier Geschäftsführern gelenkt wurde.
Weitere Zukäufe ergänzten die Palette des Mechatronikspezialisten: 2008 übernahm Brose die Sparte Electric Motor Drives von Siemens VDO und den Produktbereich Kühlerlüfter von Continental – der neue Geschäftsbereich Motoren war geboren. Mittlerweile machen Motoren und Antriebe von Brose das Fahren in vielerlei Hinsicht komfortabler und sicherer: Sie unterstützen den Fahrer beim Lenken, steuern Bremssysteme wie ABS und die elektronische Parkbremse und sorgen als Heiz-/Lüftungsgebläse für ein angenehmes Klima im Innenraum. Zusätzlich kommen die Motoren in den hauseigenen Fensterheber- und Heckklappenantrieben sowie Sitzsystemen zum Einsatz. Hier zeigt sich der Systemanspruch des Zulieferers: Die Entwicklungsarbeit der Ingenieure beginnt beim Motor und reicht vom Antrieb bis hin zum kompletten System.
Kompetenzen für diverse Branchen
Eine der Stärken Broses ist es, vorhandene Kompetenzen auf neue Bereiche zu übertragen. Ein Beispiel: Auf Basis eines millionenfach produzierten Lenkungsmotors für Pkw begannen Ingenieure von Brose im Jahr 2010 die Entwicklung eines Antriebs für Elektrofahrräder, der sich vollständig in den Fahrradrahmen integrieren lässt. Die Fahreigenschaften bleiben unverändert, die Tretunterstützung erfolgt nahezu geräuschlos und vibrationsfrei. Seit 2014 produziert Brose diesen Antrieb in Berlin und ist damit der einzige Hersteller eines Fahrradmotors „Made in Germany“.
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