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60 Jahre Automobil Industrie Brose: Über 100 Jahre Mechatronik

| Autor / Redakteur: Christian Hößbacher / Christian Otto

In seiner mehr als 100-jährigen Geschichte hat sich Brose vom Händler für Automobilzubehör zum weltweiten Hersteller von innovativen mechatronischen Systemen für Fahrzeugtüren und -sitze sowie Elektromotoren entwickelt.

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Brose hat sich in seiner mehr als 100-jährigen Geschichte vom Händler für Automobilzubehör zum weltweiten Hersteller innovativer, mechatronischer Systeme entwickelt.
Brose hat sich in seiner mehr als 100-jährigen Geschichte vom Händler für Automobilzubehör zum weltweiten Hersteller innovativer, mechatronischer Systeme entwickelt.
(Bild: Brose)

Die Geschichte von Brose begann im Jahr 1908, als Max Brose ein Handelsgeschäft für Automobilausrüstung in Berlin eröffnete. Trotz Pferdekutschen allerorten war der 24-jährige Kaufmann von der Zukunft des Automobils überzeugt und gestaltete sie nach dem Ersten Weltkrieg auch aktiv mit. Zusammen mit seinem Partner Ernst Jühling gründete er 1919 das Metallwerk Max Brose & Co. im fränkischen Coburg. Zu den Erzeugnissen der ersten Stunde gehörten unter anderem Zündkerzen, Scheinwerfer und Tachometer; zunächst vertrieben als Eigenmarken unter dem Namen „Atlas“ und „Mabro“.

Grundstein des Erfolgs

Der Durchbruch gelang Brose und Jühling Mitte der Zwanziger Jahre: 1926 ließen sie sich ihren „Kurbelantrieb für versenkbare Fenster“ patentieren. Durch den Einsatz einer sogenannten Schlingfederbremse, einer Rundfeder in einem Stahlgehäuse, konnte die Fensterscheibe in der gewünschten Position gehalten und dennoch mit einer Kurbel hoch- und heruntergefahren werden: die Geburt des modernen Fensterhebers. Zwei Jahre später begann die Serienfertigung im Metallwerk Coburg. Zu den ersten Kunden zählten Mercedes-Benz, Volkswagen und Borgward. Die Nachfrage war groß: Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich Brose zum Marktführer.

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Den ersten Schritt in die Massenfertigung vollzog das Unternehmen 1936. Der 20-Liter-Einheitskanister wurde in einem seinerzeit hochmodernen automatisierten Fertigungsverfahren hergestellt. Das Endprodukt war so belastbar, dass man es zu Demonstrationszwecken vor Kunden mit Wasser füllte und aus dem zweiten Stock der Werkshalle auf den Innenhof fallen ließ. Die Qualität überzeugte: Der Kanister entwickelte sich zu einem Verkaufsschlager, mehr als zwei Jahrzehnte blieb er im Produktkatalog.

Fensterheber für den VW Käfer

Das Wirtschaftswunder der fünfziger Jahre ließ die Automobilindustrie wachsen. Auch Brose profitierte von dieser Entwicklung: So stattete das Unternehmen unter anderem den VW Käfer mit Fensterhebern aus. Die Unternehmenslenker Brose und Jühling investierten in die Erweiterung der Fertigungskapazitäten in Coburg. Zudem wurden wichtige Weichen für die Entwicklung des Produktportfolios gestellt: So stellte Brose 1956 seinen elektrischen Fensterheber zum Nachrüsten vor. Auch in der Serienfertigung sollte dieser bald zum Einsatz kommen – erstmals 1962 im BMW Coupé 3200 CS.

Nach dem Tod seines Geschäftspartners 1956 führte Max Brose das Unternehmen alleine weiter. Und er beschäftigte sich Anfang der sechziger Jahre mit einem neuen Geschäftsfeld: der Sitzverstelltechnik. Zunächst stellte Brose Sitzbeschläge zur Verstellung der Rückenlehne her. Zu den ersten Kunden zählten ab 1968 die Hersteller Mercedes-Benz und BMW. Das Sitzgeschäft sollte sich bald zum zweiten starken Standbein des fränkischen Unternehmens entwickeln.

Umbruch und Evolution

1968 starb Max Brose. Zu dieser Zeit arbeiteten rund 1.000 Mitarbeiter in seinem Coburger Metallwerk. Die Geschäfte des Familienunternehmens führte zunächst seine Tochter Gisela weiter, bis 1971 ihr Neffe Michael Stoschek, Max Broses Enkel, die Firmenleitung übernahm. Vor dem 23-Jährigen lagen große Herausforderungen: Die Energiekrisen der siebziger und achtziger Jahre stellten die gesamte Automobilindustrie auf die Probe, und die Globalisierung der Wirtschaft nahm ihren Lauf. Das Unternehmen Brose begegnete diesen Herausforderungen mit der kontinuierlichen Verbesserung seines Portfolios und der Entwicklung von innovativen Produkten. Ein Highlight: die elektrischen Sitzverstellungen, die Brose als erster Hersteller in Europa anbot. Ab 1979 fanden sie sich etwa in der Mercedes S-Klasse und bewegten den Sitz in Neigung, Höhe und Längsrichtung. Spätere Generationen stellten auch die Lehne und Kopfstütze per Knopfdruck ein.

Einstieg in die Mechatronik

Der Einstieg in die Mechatronik gelang dem Zulieferer 1986 mit der Entwicklung der weltweit ersten elektronischen Steuerung für elektrische Fensterheber. Diese sorgte nicht nur für mehr Komfort, sondern auch für ein hohes Maß an Sicherheit. Denn neben dem Automatiklauf und dem zentralen Schließen und Öffnen kam hier zum ersten Mal der Einklemmschutz zum Einsatz. Eine Sensorik erkannte Hindernisse, stoppte den Schließvorgang und senkte sich wieder ab. Inzwischen ist diese Innovation von Brose weltweiter Standard.

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