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Bugatti Typ 35: Noch ein Rennen, bitte!

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Autofahren als Handarbeit

Wie viel Handarbeit das Autofahren damals noch war, wird dem Fahrer im engen Cockpit des kleinen Bugatti auch heute noch bewusst: Kurbeln, um den 2,3-Liter-Benziner in Gang anzuwerfen, muss man heute nicht mehr, der T35 hat den Luxus einer Starterbatterie. Die anschalten, den Benzinhahn öffnen, mittels Handpumpe Druck im Tank aufbauen – der Beifahrer wird später bei voller Fahrt darauf achten müssen, dass der Druck nicht zu groß wird. Die Zündung auf „früh“ stellen und dann nicht erschrecken, wenn sich nach dem Druck auf den Anlasserknopf der Achtzylinder brüllend zum Dienst meldet.

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Begehrte Originalteile

Auch wenn er so aussieht: Ganz original ist der kleine Blaue nach 88 Jahren natürlich nicht mehr. „Es gibt kein perfektes Auto mehr“, sagt Historien-Fachmann Kruta. Bei Bugatti ist der Rahmen identitätsstiftend. „Ein echter Typ 35 muss einen echten Rahmen haben und eine durchgehende Geschichte.“ Rahmen und Achsen sind bei diesem T35 noch original, Karosserie und Motor nicht. Ersatzteile werden angefertigt, zum Beispiel von Gentry Restorations in England. Da kann ein „neuer“ Motor für den T35 rund 150.000 Euro kosten. Noch teurer sind Originalteile: „Manchmal tauchen auch noch echte Teile auf, mal eine Vorderachse, oder ein Getriebe, wenn ein Sammler stirbt. Diese Teile werden dann unter der Hand verkauft, sie werden dem Verkäufer aus den Händen gerissen.“

Für Rennstrecke und Straße

Hinter das Lenkrad gekauert, mit Rennoverall und dicker Brille, stellt man fest, dass die winzige Windschutzscheibe ihrem Wortsinn nur wenig nachkommen kann. Der Fahrtwind braust einem um die Ohren, aber von vorn wärmt der Achtzylinder. Und auch wenn die Versuchung im engen Cockpit groß ist – wer über 1,80 Meter groß ist, dürfte seine Beine nicht mehr unterbringen können – das Anlehnen an den Getriebetunnel unterlässt man schnell wieder, wenn das heiße Blech durch Overall und Jeans die Wade gegart hat. Das hat aber schon in den 1920ern niemanden davon abgehalten, Ettore Bugatti den T35 aus den Händen zu reißen.

Die privaten Rennfahrer mit ihrem Bugatti verhalfen dem Patron zu goldenen Zeiten, mehrten sie doch mit ihren Siegen den Ruhm seines Autos. Nach erfolgreichen Rennwochenenden konnte er seine Rennikonen direkt an wohlhabende Kunden verkaufen. Die mit dem Zweisitzer theoretisch gleich nach Hause fahren konnten, sobald Kotflügel und Beleuchtung wieder montiert waren: Laut Bugatti war der T35 zu seiner Zeit das einzige Fahrzeug, das sowohl auf Rennstrecken fuhr, als auch eine Straßenzulassung besaß.

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