Suchen

Oldtimer Bugatti Typ 35: Noch ein Rennen, bitte!

| Autor / Redakteur: SP-X / Thomas Günnel

Nein, ein Oldtimer für den Hausgebrauch ist der seltene Bugatti Typ 35 aus den 1920er Jahren sicher nicht. Aber zum Gebrauchen gemacht, wummert sein Achtzylinder auch heute noch im Takt des Herzschlags seines Fahrers, wenn er sich in die nächste Kurve stürzt.

Firmen zum Thema

Der Bugatti Typ 35 aus den 1920er Jahren ist selten – wenn man einen besitzt, begeistert sein wummernder Achtzylinder aber auch noch heute.
Der Bugatti Typ 35 aus den 1920er Jahren ist selten – wenn man einen besitzt, begeistert sein wummernder Achtzylinder aber auch noch heute.
(Foto: Bugatti)

Fast 90 Jahre alte Häuser stehen unter Denkmalschutz, fast 90 Jahre alte Senioren genießen ihren Lebensabend. Ein fast 90 Jahre alter Rennwagen gehört ins Museum – sollte man meinen. Bei Bugatti sieht man das anders. Die Molsheimer haben eine artgerechte Haltung für den himmelblauen Zweisitzer mit dem hufeisenförmigen Kühlergrill und dem aerodynamisch perfekt spitz zulaufenden Heck gefunden. Dieses Exemplar des Bugatti Typ 35 macht auch heute noch, wofür es 1926 gebaut wurde: Rennen fahren, Zuschauer begeistern, Spaß machen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 11 Bildern

Fahrautos, die Spaß machen

Grand-Prix-Bugattis sind Fahrautos: „Bis auf die absoluten Ausnahme-Fahrzeuge werden fast alle bewegt“, so Julius Kruta, Bugatti-Traditionsexperte. Der Grund: „Weil sie Spaß machen.“ Schon wenn der Mechaniker die Schnallen der dicken Lederriemen öffnet, mit denen die längs geteilte, lange Motorhaube festgezurrt ist, rücken Umstehende näher an die Rennikone heran. Unter dem mit Luftschlitzen perforierten Blech kommt ein Aggregat zum Vorschein, das seine feine Mechanik kunstvoll an acht Zylindern in Reihe demonstriert. Der Künstler selbst, der mit dem T35 einen der erfolgreichsten Rennwagen der Geschichte erschuf, war nicht einmal ausgebildeter Ingenieur. Ettore Bugatti wurde in Mailand geboren, stammte aus einer Künstlerfamilie und erwarb sich sein technisches Wissen und Verständnis „durch Ausprobieren, unzählige Konstruktionszeichnungen und seine Besessenheit, stets nur das Beste zuzulassen“, sagt heute sein Unternehmen über ihn.

Privatpiloten im Rennoverall

Der exzentrische Bugatti, der gerne Tropenhelm trug und nicht an jeden Kaufwilligen auch eines seiner Fahrzeuge veräußerte, schuf Spielzeuge für reiche Automobilisten: Schnelle, leichte Zweisitzer, mit denen man selbst – nur so zum Spaß – von A nach A fahren konnte. Ganz neu für diese Zeit: Im richtigen Leben ließen sich die Adeligen und Industriellen natürlich von A nach B chauffieren. Als Hobby kauerten sich die Privatpiloten aber im Rennoverall zum Schutz gegen Dreck und Öl, mit dicker Brille zum Schutz gegen Steine und Fliegen, hinter das mit Holz beschlagene Steuer des offenen Typ 35. Peilten durch die winzigen Windschutzscheiben die nächste Kurve im Straßenrennen an – Targa Florio, Mille Miglia oder einer der vielen Grands Prix, die in den 1920er Jahren veranstaltet wurden. Mehr als 2.000 mal stand ein T35-Pilot auf dem Siegertreppchen.

(ID:43070481)