ChatGPT ist in China verboten. Vor Ort arbeiten IT-Firmen jedoch an Alternativen, die vor allem der dortigen Autoindustrie einen Schub geben sollen.
Chinesische OEMs wie Nio suchen die Nähe zu Softwarefirmen mit KI-Kompetenz.
(Bild: Nio)
Wie wird Künstliche Intelligenz die chinesische Autoindustrie verändern? Diese Frage fasziniert chinesische Fachmedien schon seit ChatGPT im vergangenen November in den USA auf den Markt gekommen und in China prompt wieder verboten wurde. Nun sorgt der Launch eines neuen ChatGPT-ähnlichen „Large Language Models“ (LLM) aus heimischer Entwicklung für ein neues Aufflackern der Debatte.
Das chinesische Unternehmen iFlytek hat am 6. Mai ein Pendant zur ChatGPT-KI vorgestellt. Gleich von Beginn an machten die Entwickler klar, dass ihr Produkt nicht nur die Spracherkennung im Cockpit verbessern will, sondern auch für industrielle Aufgaben in der Autoindustrie nützlich sei.
Mit anderen Worten: iFlytek will mit seinem „Spark Desk“ nicht nur das Fahrerlebnis verbessern, sondern auch die Forschung und Entwicklung, das Design und die Herstellung von Autos revolutionieren. Auch in der Medizintechnik und in anderen Industrien werde Spark Desk die Arbeitswelt verändern, so Liu Qingfeng, der Vorstandsvorsitzende von iFlytek bei der Vorstellung seines LLM in Hefei in der chinesischen Provinz Anhui.
„Der Einfluß dieser generativen KI-Technologie ist nicht weniger wichtig als die Geburt des PC oder des Internets,“ sagte Liu auf der Veranstaltung. Wer ihm dabei ganz offensichtlich zustimmt, ist die kommunistische Staats- und Parteiführung des Landes, die schon mit der Regulierung der neuen Technologie begonnen hat.
Beschleunigung der F&E-Arbeit erwartet
Wie genau sich die Autoindustrie durch LLM verändern wird, weiß derzeit noch niemand. Viele der Vorhersagen müssen momentan noch mit einer Portion Skepsis aufgenommen werden. Doch in bestimmten Bereichen der Industrie wird es wohl schnell zu spürbaren Umstellungen kommen.
So würde es „im Bereich F&E und bei den Produktionsmodellen in der Automobilindustrie” durch den Einsatz dieser KI-Formen „schon bald zu grundlegenden Veränderungen kommen“, schreibt das chinesische Autoportal Gasgoo.
So werde die Lernfähigkeit von LLM-Tools und ihre Fähigkeit zur Vernetzung mit existierenden Datenbasen das F&E in der Autoindustrie stärken und beschleunigen, unter anderem indem während der Entwicklungsphase mehr Szenarien in kürzerer Zeit als bisher erprobt werden können.
Ingenieure in der Autoindustrie seien schon jetzt gut beraten, die Kooperation mit LLM-Werkzeugen beim Design, der Entwicklung und Produktion von software-definierten Autos zu erproben, heißt es in verschiedenen chinesischen Fachmedien.
„In der Ära des Large Language Models werden einfache, sich ständig wiederholende Tätigkeiten und allgemeine Arbeiten schnell durch Maschinenlernen ersetzt werden”, so Gasgoo. Das gelte etwa beim Trainieren von Algorithmen für das autonome Fahren.
Die Anforderungen an Programmierer in der Autoindustrie steige dadurch, denn sie müssten noch mehr als vorher kreativ und innovativ sein, um die KI-Technologie möglichst produktiv einsetzen zu können.
Intelligenter Beifahrer
Auch auf der Produktebene werde es Veränderungen geben, sagen Analysten in China voraus. So werde LLM die Tiefe der Interaktion zwischen Mensch und Maschine - in diesem Fall dem Auto im Cockpit - noch einmal grundsätzlich verändern.
Offene Szenarien und natürliche Interaktion würden damit alltagsfähig. Anders ausgedrückt wird dank LLM aus dem Sprachassistenten im Cockpit ein intelligenter Beifahrer, der gemeinsam mit dem menschlichen Fahrer und der autonomen Fahrassistenz die Umgebung wahrnimmt und Entscheidungen trifft.
Die Technologie, so sagen manche Experten voraus, werde auch zunehmend wie ein eigenes Betriebssystem operieren, das langfristig viele derzeit im Cockpit integrierte Apps überflüssig machen könne. Manche Touch-Funktionen würden voraussichtlich obsolet, die „HMI delivery“ werde sich verändern. Der Fahrer werde dann immer weniger für Fahrfunktionen gebraucht, könne sich noch stärker den Unterhaltungsfunktionen im „rollenden Wohnzimmer“ der Zukunft widmen.
Da LLM auch einen besseren Zugriff auf und ein schnelleres Prozessieren von „Big Data“ ermöglicht, steigen gleichzeitig die Möglichkeiten der verschiedensten „V2X“-Anwendungen. Das heißt individuelle Fahrzeuge könnten noch besser mit Smart Cities und ihren Verkehrsleitzentralen vernetzt werden, was theoretisch die Sicherheit im Straßenverkehr und dessen effektives Management verbessern kann.
Stand: 08.12.2025
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Software-Industrie beliefert chinesische OEMs
Wie schnell die chinesische Software-Industrie auf ihre neuen Chancen reagiert, die Mobilität der Zukunft mitzugestalten, zeigen auch die Umsatzzahlen des führenden chinesischen KI-Anbieters SenseTime. Dessen erst vor zwei Jahren gegründete Business Unit „SenseAuto“ hat im vergangenen Jahr immerhin schon konkrete Produkte an 80 verschiedene Autohersteller in China verkauft und einen Umsatz von 300 Millionen Yuan (rund 39 Millionen Euro) erwirtschaftet. Das waren 59 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die Autoindustrie sei in vielerlei Hinsicht das „ideale Szenario für die allgemeine KI-Intelligenz, um Closed Loops zu erzielen,“ sagte der wissenschaftliche Leiter von SenseAuto, Wang Xiaogang, kürzlich auf dem Industrieforum EV100. Vor allem in den drei Bereichen Smart Cockpit, autonomes Fahren oder ADAS und der Vernetzung zwischen Fahrzeug und Straße werde LLM schon bald viel in Bewegung setzen, fasste The Paper die Ausführungen des chinesischen KI-Experten zusammen.
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.