Continental-Vorstandschef Elmar Degenhart hat heute bei der Bilanzpressekonferenz einen Milliardenverlust vorgelegt. Für das laufende Jahr erwartet er einen weiteren Rückgang. Derweil sind schon Jobs im niedrigen vierstelligen Bereich abgebaut worden.
Conti-Chef Elmar Degenhart mit einem Hochleistungscomputer.
(Bild: Marcus Prell/Continental)
Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental warnt nach einem Milliardenverlust und einer gekürzten Dividende vor einem weiteren schwachen Jahr. Schon im vergangenen Jahr bekam das Unternehmen den weltweiten Abschwung in der Autoindustrie deutlich zu spüren, und die Aussichten bleiben trübe. Das Unternehmen rechnet mit einem Umsatzrückgang, auch die Profitabilität dürfte erneut stärker in Mitleidenschaft geraten.
Die um Sondereffekte bereinigte Marge des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern dürfte 2020 auf zwischen 5,5 bis 6,5 Prozent fallen, wie das Dax-Unternehmen am Donnerstag in Hannover mitteilte. Im Vorjahr war der Wert um fast 2 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent zurückgegangen. Analysten hatten für das laufende Jahr mit 7,1 Prozent bisher deutlich mehr auf dem Zettel als das Unternehmen.
Conti musste in den vergangenen Jahren mehrfach seinen Ausblick senken, weil das Umfeld vor allem im Geschäft mit Zuliefererteilen schwächer wurde. Nun setzt der Konzern seine Erwartungen auch beim verlässlichen Gewinnlieferanten, dem Reifen- und Kunststoffgeschäft, merklich nach unten. In der Komponentenlieferung geht Conti nur noch von 3 bis 4 Prozent Umsatzrendite aus, bei Reifen und Kunststoffen zwischen 10 und 11 Prozent. Beides ist nochmal weniger als im vergangenen Jahr und als von Analysten geschätzt.
Die Dividende für das vergangene Jahr stutzte Finanzchef Schäfer wie erwartet von 4,75 Euro auf 4 Euro. Unter dem Strich hatte Conti vor allem wegen hoher Abschreibungen einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro eingefahren nach einem Gewinn von 2,9 Milliarden ein Jahr zuvor.
Der Umsatz war in 2019 leicht auf 44,5 Milliarden Euro gestiegen. Bereinigt um Sondereffekte stand ein Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern von 3,2 Milliarden Euro in der Bilanz, im Vorjahr standen noch 4,1 Milliarden Euro an dieser Stelle. Das ist ein Rückgang von gut einem Fünftel.
Conti hat bereits 1.000 Jobs abgebaut
Im Konzernumbau bei Continental mit der Erweiterung neuer Geschäftsbereiche bei gleichzeitigen Kürzungen in alten Sparten sind schon etwa 1.000 Jobs abgebaut worden. Diese Zahl sei in der Summe von 1.768 enthalten, um die die Beschäftigtenzahl bei dem Autokonzern bis Ende 2019 im Vergleich zum Vorjahr zurückging, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart. „Etwa 1.000 Mitarbeiter sind von den Programmen bereits betroffen“, sagte der Manager. Mit dem Projekt „Transformation 2019-2029“ baut sich das Unternehmen grundlegend um. Der Schwerpunkt liegt auf Sensorik, Elektronik und Software, klassische Felder wie Hydraulik werden heruntergefahren.
„Im Extremfall können wir auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen“, bekräftigte Degenhart. „Das gilt auch für die Erweiterungsrunde des Maßnahmenkatalogs.“ Er stellte klar, dies sei jedoch „die letzte drastische Maßnahme, die vorstellbar ist“. Conti sehe sich derzeit jeden einzelnen Standort an und bewerte dessen individuelle Situation und Wettbewerbsfähigkeit. Manche Werke sollen bisherigen Planungen zufolge geschlossen werden, einige werden umgebaut, anderswo entstehen durch Zukunftsbereiche neue Jobs.
Zu den laufenden Verhandlungen mit den örtlichen Betriebsräten wollte Degenhart keine Details nennen. „Wir machen guten Fortschritt und sind in konstruktiven Gesprächen. Und wir versuchen, verträgliche Vereinbarungen zu finden, den Mitarbeitern wo immer möglich Alternativen zu bieten.“ An einem Programm zur Weiterqualifikation nähmen inzwischen mehr als 100 Kollegen teil. „Wir möchten es ausdehnen in Richtung 1.000 Mitarbeiter", sagte der Conti-Chef. "Wir ziehen an allen Fäden, die sich uns bieten.“
Finanzchef Schäfer: Entwicklungsleistungen sind Zukunftsgeschäft
Degenhart schreibt im Gegensatz zu Volkswagen-Chef Herbert Diess auch die Brennstoffzelle nicht vollständig ab. „In den nächsten acht Jahren geht voraussichtlich nichts an der Lithium-Ionen-Technik vorbei, der Hochlauf der Elektromobilität muss auf ihr basieren.“ Man habe keinen Zeitdruck und halte sich die Möglichkeit offen, bei Brennstoffzellenstacks zum Beispiel über eine Kooperation einzusteigen.
Die schwierige Marktlage erfordere laut Finanzchef Wolfgang Schäfer, alle Kostenpositionen im Fokus zu haben. „Doch die Entwicklungsleistungen sind unser Wachstum und das Zukunftsgeschäft“, sagte er bestimmt. Er verweist auf vier Milliarden Euro Auftragsvolumen für ADAS-Systeme. Entscheidend sind hier sogenannte Hochleistungsrechner, die laut Degenhart in neue Fahrzeugplattfomen einziehen. Einen wird Continental auch in die neue E-Plattform von Volkswagen liefern. Man habe eine „Vielzahl von Projekten für Hochleistungsrechner gewonnen. Das sind für uns exzellente Geschäftsaussichten, Continental wird davon profitieren.“
Stand: 08.12.2025
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Denn in so einen Rechner lieferten aktuell etwa 20 verschiedene Partner Software hinein. Künftig könnte sich die Anzahl verdoppeln. Diese Integrationsleistung sei ein hochkomplexer Vorgang, den nicht viele Systemlieferanten bewerkstelligen könnten. Continental habe diese Fähigkeit.
Degenhart betonte dennoch, dass die Aufwendungen für R&D-Ausgaben nun deutlich stärker priorisiert würden. Während Kundenaufträge und Serieneinführungen feststünden, prüfe man eigene Entwicklungen und Forschungsaufwände sehr genau.
Auch das derzeit grassierende Coronavirus macht dem Hannoveraner Automobilzulieferer zu schaffen. Eine „Hundertschaft von Mitarbeitern“ beschäftige sich mit der Situation und arbeite daran, die Lieferkette wieder in „einen Normalzustand zu versetzen“, so Degenhart. Das dauere allerdings einige Wochen. Nach den Neujahrsfeierlichkeiten in China liefen auch die Conti-Werke nur auf einem Niveau zwischen 0 und 30 Prozent, aktuell sei das „Land in Hochlaufbetrieb“. Da ganz China still stand, waren die Produktionsausfälle aufgrund weniger Teile dort gering. Engpässe gebe es in den weniger betroffenen Regionen, wo die Produktion normal weiter lief, wie Nordamerika und Europa. Die Vorgänge seien „hochkomplex“. Nun würden Teile mit dem Flugzeug statt dem Schiff transportiert, um wieder Geschwindigkeit aufzunehmen.