Fröhliche Farben, kultige Cabrios, knuddelige Cityflitzer und neue Sterne am Premiumhimmel: Der Autojahrgang 1993 vermittelte Optimismus in Zeiten der Rezession. Jetzt sind die Neuen von damals Oldtimer.
1993 öffnete VW den Golf 3.
(Bild: Volkswagen AG)
Über 650.000 Oldtimer mit amtlichen H-Kennzeichen fahren bereits auf Deutschlands Straßen, und die Begeisterung für diese mindestens 30 Jahre alten Autos ist ungebrochen, wie der Bestandszuwachs von zuletzt rund zehn Prozent pro Jahr zeigt. Klassische Autos faszinieren viele Menschen, Familien mit kleinem Budget ebenso wie wohlhabende Sammler. Schließlich sind die Neuwagen von einst ein Spiegel vergangener Epochen und für ihre Besitzer eine wunderbare Möglichkeit, sich in vermeintlich bessere Zeiten oder in die eigene Jugend zurückzubeamen.
Daran ändert offenbar auch das drohende Verbrenner-Aus nichts, wie der Besucherandrang bei Oldtimer-Festivals zeigt oder der stets große Applaus für klassische Automobile bei Ausfahrten. So werden sich die Fahrzeuge mit H-Kennzeichen, jenem Signet, das seit 25 Jahren rollendes historisches Kulturgut auszeichnet, wahrscheinlich weiterhin vermehren. Erteilt wird das Oldtimerkennzeichen übrigens nur für Fahrzeuge, die sich im technisch einwandfreien, originalen Zustand befinden.
Fast 100 Autos werden 30
2023 feiern wieder fast 100 Modelle ihren 30. Geburtstag. Autos, die mit Mut zu fröhlichen Farben, organischen Bio-Formen, voluminösen V12 oder vier Cabrio-Plätzen unter der Sonne Zuversicht in eine Zeit der Rezession brachten. Vom Audi S2 bis zum Volvo 850 T-5 Turbo, vom preiswerten Kia Sephia bis zur ersten Mercedes-Benz C- und E-Klasse sowie schnellen Porsche und schrillen Exoten ist alles dabei.
Deutschland im Nach-Wendeblues. Die Wiedervereinigung lag 1993 gerade zwei Jahre zurück, und schon drückten Rezession, Arbeitslosigkeit und neue Abgaben wie der Solidaritätszuschlag („Soli“) für den Aufbau Ost auf die Stimmung. Die Autoindustrie, Wirtschaftsmotor Nummer eins, verordnete sich Kurzarbeit und VW führte die Vier-Tage-Woche ein. Optimismus war gefragt. Bill Clinton, 1993 frisch gewählter US-Präsident, wusste offenbar, wie er die Deutschen erreichen konnte. Als er bei einem Berlin-Besuch im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung zuversichtlich in die Menge rief: „Nichts ist unmöglich.“, schallte es ihm tausendfach entgegen: „Toyoooota“.
Fröhliche Tiere, fröhliche Farben
Tatsächlich waren es fröhliche Tier-Botschafter wie die Toyota-Affen in TV-Spots für Corolla & Co, neugierig-schmunzelnde Kühe in der Aral-Werbung oder schwedische Elche als populäre Sicherheitstester bei Saab, die Zuversicht vermittelten. „Vom Elch geprüft“, ließ sich 1993 sogar der erste unter General-Motors-Motors entwickelte Saab 900 bestens verkaufen. Aber auch fröhliche Farben gehörten damals dazu: Rot, Blau und Gelb galten als Stimmungsaufheller und prägten das Straßenbild. Deshalb kamen aus Göteborg keine der heute so populären dunklen Volvo-Modelle in „Ultimate-Dark-Line“, sondern vorzugsweise rubin- oder indianarot leuchtende 850 mit charakterstarken Kanten und erstmals mit T-5 Turbo-Power.
Leistung ist wichtig, um sich aus Krisen zu befreien. Heute sorgen starke Stromer dafür, 1993 lag es an spektakulären Sportlern, wie den Typen Porsche 968 Turbo oder Toyota Supra (A80): „Rennwagen-Technik mit Komfort-Abstimmung“, nannte Toyota das Fahrzeugkonzept, das Formel-1-Technik langstreckentauglich machen sollte. Damals, als sich Michael Schumacher mit Benetton auf den ersten Formel-1-Titel vorbereitete, der dann auch prompt 1994 folgte. Und Tennis-Königin Steffi Graf auf Platz eins der Weltrangliste zurückkehrte durch Siege bei den Grand-Slam-Turnieren in Paris, Wimbledon und New York.
Der letzte luftgekühlte Boxer bei Porsche
Der damals von Fans Supra MK IV genannte Vorläufer des heutigen GR Supra kostete als erster Toyota über 100.000 Mark, katapultierte seine Besatzung dafür in 5,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und maß sich global gar mit Porsche 968 Turbo und dem neuen 911 Carrera 2 der legendären Baureihe 993. Mit diesem Elfer feierte Porsche 1993 den 30. Geburtstag seiner Marken-Ikone, vor allem aber das Finale der luftgekühlten Boxermotoren.
Muskeln wuchsen vor 30 Jahren übrigens auch sportlichen Kombis wie dem Audi S2 Avant mit fauchendem Fünfzylinder, furiosen Kraftzwergen à la Renault Clio Williams oder den vielen V8, sei es im giftigen Viper GT Coupé von Dodge, dem Hardtop-Coupé BMW 840Ci oder in der ersten Mercedes E-Klasse. Die Stuttgarter hatte ihre erfolgreichen Sternträger der bereits neun Jahre alten Baureihe 124 frisch aufpoliert und in E-Klasse umbenannt, mit den V8-Toptypen E 420, E 500 und E 60 AMG (280 kW/381 PS aus 6,0 Litern Hubraum).
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Nachdem BMW 7er und Mercedes S-Klasse seit Anfang der 1990er mit majestätischen V12-Motoren beim britischen Hochadel reüssierten, antwortete der königliche Hoflieferant Jaguar-Daimler mit einem neuen V12, für den der Vorderwagen der XJ40 Limousine verlängert wurde und eine Majestic-Ausstattung hinzukam. Queen Mum, treuer Daimler-V12-Fan, soll entzückt gewesen sein. Noblesse verkauft sich gut, sogar in Krisenzeiten.
Die C-Klasse startet
Das zeigt sich nicht erst heute an den hohen Bestelleingängen für Prestigemodelle, schon 1993 zählten Premiumtypen zu den Gewinnern. Allen voran die erste Mercedes-Benz C- Klasse (W 202), die als Nachfolger des Typs 190 vorgestellt wurde und wenige Jahre später auch mit V8-Motoren und als Kombi T-Modell reüssierte. Audi setzte ebenfalls auf die Pracht der Acht: Die seriennahe Studie Space Frame kündigte den A8 an, der später unter Bundeskanzler Gerhard Schröder zur ersten Staatslimousine im Zeichen der vier Ringe avancierte.
Aus Japan, 1993 noch größter Automobilbauer der Welt, kamen ebenfalls neue Luxusliner nach Deutschland. Allerdings blieben Lexus GS und Mazda Xedos 9 Nebendarsteller, trotz technischer Finessen in europäischen Formen. Der 3,52 Meter kurze und kuriose Allrad-Hochdachkombi Subaru Libero entlockte seinen Betrachtern immerhin ein fröhliches Schmunzeln. Neue Konkurrenz drohte Japan 1993 aus einem Tigerstaat: Der koreanische Autobauer Kia kam nach Deutschland, und dies mit frechen Preisbrechern, die damals Mazda-Gene trugen.
Neuer Cabrio-Boom
Die Sonne ging 1993 aber auch im Westen auf, denn aus Europa gab es einen Sonnensturm neuer Cabriolets: Das „Erdbeerkörbchen“ VW Golf III – wieder mit feststehendem Überrollbügel – sowie die eleganten Luftikusse BMW 3er (E36) und Opel Astra, plus Rover 100 und aufgefrischter Ford Escort waren nur die Vorhut. Auch die Neuheiten Fiat Punto und Peugeot 306 sollten bald geöffnet vorfahren.
Organisches Biodesign wurde globaler Trend, der sich in Weltautos wie Ford Mondeo oder Opel Corsa (B) spiegelte. Dieser in Rüsselsheim gezündete Blitz wurde auf fünf Kontinenten unter acht Markennamen gebaut. Möglich machten das Hideo Kodamas Bioformen, mit denen der agile Corsa in einem scherzhaften Werbespot sogar Queen Elizabeth II überzeugte. Made in England, aber erstmals designt in Japan war das europäische „Auto des Jahres 1993“: Diesen Medienpreis sicherte sich der Nissan Micra, über den sein Chefkonstrukteur Tokuichiro Hosaka sagte, dass er organisch geformt sei wie ein fröhlicher, knuddeliger Hundewelpe und positive Assoziationen an die Kindheit wecke. Wer möchte da heute nicht noch einmal Kind sein und sich eine der 30 Jahre alten automobilen Zeitkapseln als Oldtimer gönnen?