Das in Dresden ansässige Unternehmen Additive Drives hat ein Herstellverfahren entwickelt, das den E-Maschinen zu deutlich besseren Leistungs- und Wirkungsgraden verhilft. Geschäftsführer Jakob Jung erläutert die Hintergründe.
Jakob Jung ist Geschäftsführer von Additive Drives.
(Bild: Additive Drives)
Herr Jung, seit diesem Monat ist Ihr Unternehmen „Additive Drives“ auf dem Markt. Sie fertigen Elektromotoren in Teilen additiv und versprechen eine deutlich bessere Performance der Maschinen. Wie geht das?
Die Aussage bezieht sich auf eine klassische Runddrahtwicklung, die wir im Rahmen einer Studie mit unseren additiv gefertigten Spulen verglichen haben. Die maximale Abgabeleistung eines Elektromotors ist infolge seiner Erwärmung limitiert, zum Beispiel durch die zulässige Wicklungstemperatur. Um die Leistungsgrenze zu erhöhen, gibt es zwei Hebel: erstens die Verluste bei gleicher Leistung mindern, zweitens die Wärmeabfuhr verbessern. Hier spielt das Design der Wicklung eine große Rolle, denn sie ist die Hauptwärmequelle. Klassische Runddrahtwicklungen unterliegen einer Reihe Restriktionen: Kupferleiter, Wickelverfahren und Nutgeometrie müssen zueinander passen. Die übereinander gewickelten Leiter bilden ein fest definiertes Schema. Zudem passt der Runddraht – die klassische Leiterform – geometrisch nicht gut zur trapezförmigen Nut. Die Folge ist, dass jede Nut maximal zur Hälfte mit Kupfer befüllt ist, es entstehen Hohlräume. Der relativ kleine Leiterquerschnitt sorgt für große Stromwärmeverluste.
Mit unserem Verfahren sind wir diesbezüglich völlig frei: wir können festlegen, wie der Leiter aussieht und ihn perfekt an jede Nutform anpassen. Wir können jede Windung so darstellen, dass wir die Nut ausfüllen, der Kupferanteil in der Nut also größer ist. Physikalisch bedeutet das einen maximalen Querschnitt der Windung und einen kleineren elektrischen Widerstand. Die variable Form begünstigt zudem die Wärmeableitung, weil jeder Draht thermischen Kontakt mit dem sogenannten Blechpaket der Spule hat, es entstehen keine Hotspots. Insgesamt lässt sich die Abgabeleistung des Motors so um bis zu 45 Prozent steigern.
Wie verringern oder vermeiden Sie im Prozess die Laser-Reflexionen des Kupfers und das Ableiten der eingebrachten Wärmeenergie?
Die Details kann ich Ihnen nicht verraten. Aber um es einzugrenzen: Wir haben einen großen Schritt beim Prozess der Kupferverarbeitung gemacht. Das heißt, wir haben mit diversen Kupfermaterialien und absorptionsfördernden Materialien experimentiert. Heute arbeiten wir mit hochreinem Material in einem Pulverbett. Zur Fertigung nutzen wir eine modifizierte Laserschmelzanlage eines etablierten Herstellers.
Welche Vorteile hat das Verfahren in der Entwicklung?
Das Entwickeln elektrischer Antriebe benötigt viel Zeit, wir sprechen hier durchaus von bis zu drei Jahren. Während dieser Zeitspanne können sich neue Anforderungen ergeben: zum Beispiel eine andere Versorgungsspannung, Bauraumänderungen. Vieles davon lässt sich zwar in 3-D simulieren, aber es dauert, das in Hardware abzubilden. Vor allem die Wickelwerkzeuge sind oft der sprichwörtliche Flaschenhals – den wir mit unserer nahezu werkzeugfreien Fertigung vermeiden. Der Zeitgewinn rechnet sich besonders bei der sogenannten Hairpin-Wicklung, da die konventionelle Herstellung komplexe Biege- und Schweißprozesse involviert. Die Wartezeit auf eine neue Wicklung beträgt schon mal sechs Monate und mehr. Wir verkürzen den Zeitraum auf wenige Wochen. Das beschleunigt die Entwicklung.
Für welche Anwendungsgebiete eignet sich Ihr Verfahren?
Derzeit bieten wir die Fertigung von Prototypen an. Kleinserien versprechen wir uns bei E-Motoren mit besonderen Anforderungen an Leistungs- und Drehmomentdichte. Verbunden mit Fortschritten im 3-D-Druck-Prozess wollen wir langfristig in größere Serien wachsen.
Das Verfahren ist also schon so ausgereift, dass Sie Elektromotoren in kleiner Serie fertigen können?
Bei Motoren im einstelligen Kilowatt-Bereich können wir Kleinserien bis 500 Stück wirtschaftlich darstellen, infolge der eingesparten Wickelwerkzeuge. Hier kommt uns die geringe Motorgröße und die entsprechend kleine Kupfermenge entgegen. Weiteres Kriterium ist das Design: Will der Kunde einen Motor mit üblicher Wicklung? Oder gelingt es uns, die Features der additiven Fertigung zu platzieren, etwa geringerer Strangwiderstand, weniger Verluste, kürzerer Wickelkopf. Das alles erhöht den Wert des Motors und hilft uns, größere Stückzahlen wirtschaftlich abzubilden.
Welche Leistungsgrößen von Elektromotoren lassen sich mit dem Verfahren darstellen?
Die derzeitige Grenze sehen wir bei circa einem Megawatt. Wir fokussieren aber eher Leistungsbereiche in der Größenordnung 100 kW, wie sie typisch für Traktionsmotoren im Automobil sind. Im Leistungsbereich darunter geht es um E-Antriebe im hybriden Antriebsstrang, Hilfsaggregate und Servoantriebe.
Gibt es Automobilhersteller oder -zulieferer, die mit Ihnen bei diesem Verfahren zusammenarbeiten oder dies beabsichtigen? Können Sie Beispiele nennen?
Wir sind mit Automobilherstellern, Tier-1 und Tier-2-Lieferanten im Gespräch. Generell sind Hersteller von Elektromotoren interessant, die ein breites Produktspektrum abdecken und regelmäßig Neuentwicklungen zu stemmen haben.
Das Verfahren bedeutet für Sie auch den Start eines neuen Unternehmens: Additive Drives. Wie groß ist das Unternehmen und welche Ziele verfolgen Sie?
Wir haben am 1. Juli unser Unternehmen offiziell gegründet. Aktuell sind wir zu viert, unterstützt von sechs studentischen Mitarbeitern. Im kommenden Jahr wollen wir bereits zweistellig sein und uns in der Folge als solider Mittelständler etablieren. Das Wachstum brauchen wir auch deshalb, um auch künftig kräftig in Entwicklung investieren zu können.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Über Jakob Jung
Jakob Jung, 36, ist promovierter Elektroingenieur. Seine berufliche Laufbahn begann Herr Jung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU-Dresden, wo er im Rahmen seiner Dissertation ein E-Bike-Antriebssystem mitentwickelte. Anschließend war er als Entwicklungsingenieur beim Entwicklungsdienstleister IAV im Bereich Powertrain Systems Development tätig. Hier entwickelte und optimierte er elektrische Maschinen für Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Seit Juli ist Jakob Jung Geschäftsführer der Additive Drives mit Sitz in Dresden.
Wie geht es weiter?
Der Elektromotor wirkt von Außen betrachtet einfach konstruiert. Im Innern jedoch prallen mehrere physikalische Domänen aufeinander: Elektromagnetik, Thermik und Strukturmechanik. Diese müssen auf engstem Raum vereint werden – und das können wir elegant darstellen. Das bedeutet, dass wir etablierte Verfahren mit unseren Methoden ergänzen. Stichwort: Umdenken.
Die Wicklung ist zudem nur ein Teil des Motors. Es hilft dem Anwender nicht, wenn er die Wicklung schnell bekommen kann, auf den Rest aber lange warten muss. Im Fokus sind außerdem wicklungsnahe Komponenten, wie zum Beispiel die Primär- und Sekundärisolierung. Weiterhin untersuchen wir forcierte Kühlungen mittels komplexer Strukturen. Die Wärmeableitung ist der begrenzende Faktor eines Elektromotors. Wir sind überzeugt, hier noch einige Entwicklungsschritte beitragen zu können.