Prüfstände Erprobung ohne Motor
Um dem Mangel an lauffähigen Aggregaten zu begegnen, baut Boysen seine motorunabhängige Erprobung weiter aus. Zwei neue Prüfstände stehen vor der Inbetriebnahme.
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Das Dilemma ist, dass die Anforderungen an die Abgastechnik immer weiter steigen und gleichzeitig die Verfügbarkeit lauffähiger Motoren während der Entwicklung stetig abnimmt“, sagt Heinz Kornherr, Abteilungsleiter Versuch bei Boysen in Altensteig.
Für die Entwicklung eines neuen Systems hat der Abgastechnikspezialist etwa drei Jahre Zeit. „Diese 36 Monate stehen aber lediglich auf dem Papier“, gibt Kornherr zu bedenken. De facto bleibe ein Zeitfenster von vielleicht 20 Monaten, da die Herstellung der Werkzeuge und die Prozessvorbereitung viel Zeit brauche und bereits für die ersten Versuchsfahrzeuge serienfallende Teile (Erstmuster) produziert werden sollen. Bereits 2004/2005 hat Boysen damit begonnen, sich von der Verfügbarkeit lauffähiger Prototypenaggregate unabhängiger zu machen. Im neuen Versuchsgebäude wurde ein Heißgaserzeuger mit 800 kW Leistung installiert. Dieser ist laut Boysen bis heute in der Branche einzigartig.
„Die Leistung würde ausreichen, um 80 Einfamilienhäuser mit Wärme zu versorgen“
„Die Leistung würde ausreichen, um 80 Einfamilienhäuser mit Wärme zu versorgen“, ergänzt Kornherr. Sie ist notwendig, um die extremen Belastungen zu simulieren, denen das Abgassystem später im Fahrzeug ausgesetzt ist. Bei Ottomotoren mit Direkteinspritzung steigt zum Beispiel die Abgastemperatur vielfach auf Spitzenwerte von über 1 000 Grad Celsius. Noch stößt die motorunabhängige Erprobung an Grenzen, denn am Motor sind die Bauteile neben den thermischen auch mechanischen Belastungen in Form von Schwingungen ausgesetzt. „Beide Belastungsarten kombiniert ins Bauteil einzubringen, ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nur bis zu einem gewissen Grad möglich“, berichtet Kornherr. Mit der nächsten Prüfstandsgeneration sollen allerdings auch dynamische Betriebsarten wie die Simulation eines Motorhochlaufs oder die Modulation des Gasstroms mit Ladungswechselgrößen realisierbar sein. Derzeit baut Boysen sein drittes Versuchsgebäude, das ausgestattet mit zwei neuen Prüfständen noch bis Ende 2008 in Betrieb gehen soll. „Mit einer Leistung von je 500 kW sind die Dimensionen der neuen Heißgaserzeuger näher an den Betriebsparametern von Pkw-Verbrennungsmotoren“, erläutert Kornherr. „Wir sind zuversichtlich, mit diesen Anlagen nicht nur die Betriebsfestigkeit, sondern auch die Emissionen prüfen zu können.“
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