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Läuft der Turbo dem Kompressor den Rang ab?
Der Trend zum Downsizing der Motoren hält an. Allerdings scheinen Turbolader dem Kompressor den Rang abzulaufen. Können Sie diesen Eindruck bestätigen?
Wir sehen den Kompressor nicht als Konkurrenten zum Turbolader, sondern eher als Ergänzung. Beide Techniken haben ihre Stärken, die sich sehr effizient kombinieren lassen. Der Kompressor arbeitet am besten im unteren Drehzahlbereich, der Turbolader im oberen. Der Turbolader benötigt zum Funktionieren aber Abgas, das vorher erzeugt werden muss. Der Kompressor ist eine Nischenanwendung, kombiniert mit dem Turbolader aber erfolgreich. Mit extremem Downsizing und hochentwickelten Verbrennungsvorgängen kann die Abgastemperatur sinken. Damit sinkt auch der Energiegehalt im Abgas, das den Turbolader antreibt – und dann wird der Kompressor sehr wichtig.
Ist ein elektrisch angetriebener Kompressor denkbar?
Wir denken auf jeden Fall darüber nach. Es ist zu früh für eine konkrete Aussage, aber die erwähnten 48 Volt sind für uns eine Grundlagentechnologie auch für Kompressoren.
An welchen neuen Produkten für die Automobilindustrie forschen und entwickeln Sie aktuell?
Der Ventiltrieb bietet großes Potenzial, etwa hinsichtlich variabler Steuerung oder der Zylinderabschaltung. Hinzu kommt seine Steuerung mittels wartungsfrei arbeitender Hydrostößel. Außerdem betreiben wir einen regen Technologietransfer zwischen dem Lkw- und dem Pkw-Geschäft, zum Beispiel wie wir die Untersetzung von Lkw-Getrieben in Pkw-Getriebe übertragen können. Von den industriell und abseits der Straße genutzten Fahrzeugen verfügen wir außerdem über Erfahrungen mit Hochdruckschläuchen. Es gibt also jede Menge Anwendungen im Pkw-Geschäft, in die wir unsere Erfahrungen einbringen können. Der Ventiltrieb war dabei schon immer ein Flaggschiff von Eaton, und wir arbeiten ständig an seinen möglichen Variationen.
Was sehen Sie als größte Herausforderung für Ihr Unternehmen in den nächsten fünf Jahren?
Die Märkte erholen sich nach einigen Jahren Rückgang wieder. Europa wurde von der Krise härter getroffen. Die Herausforderung hier ist die Kapazitätsauslastung. Derzeit befinden sich einige Automobilhersteller mit ihrer Auslastung knapp unterhalb dessen, was man profitabel nennen würde. Der Markt ist teilweise stark von Produktivität getrieben. Das bedeutet prinzipiell, mehr Teile, mehr Fahrzeuge oder mehr andere Produkte mit der gleichen Anzahl Mitarbeiter zu produzieren.
Die Unternehmen richten sich also auf höhere Kapazitäten aus. Der Markt wächst aber nicht schnell genug. Das ist das Dilemma des europäischen Marktes. Im Allgemeinen sehe ich für Eaton keine anderen Herausforderungen als die bereits auf den Märkten bestehenden. Der Markt verlangt viel ab: Es sind viele Innovationen notwendig und hohe Investitionen – das müssen wir durchstehen.
Das Interview führte Thomas Günnel
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