EU-Gesetzentwurf CO2-Ziele für Lkw und Busse bekräftigt

Quelle: Automobil Industrie 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die EU-Staaten wollen den CO2-Ausstoß von Lkw und Bussen massiv reduzieren. Die Verbände sprechen von einer Mammutaufgabe und fordern mehr Realismus. Die Bundesumweltministerin hingegen begrüßt den Beschluss.

Die EU-Staaten wollen die von Lkw und Bussen freigesetzten CO2-Emissionen deutlich senken.(Bild:  Acea)
Die EU-Staaten wollen die von Lkw und Bussen freigesetzten CO2-Emissionen deutlich senken.
(Bild: Acea)

Neue Lastwagen und Busse sollen in der EU deutlich weniger klimaschädliches CO2 ausstoßen dürfen. Die EU-Staaten sprachen sich am Montagabend in Luxemburg für entsprechend strengere Vorgaben aus, wie der Rat der EU-Staaten mitteilte.

Laut Bundesumweltministerium geht es dabei um eine Verringerung um 90 Prozent bis 2040. Für 2030 sei ein Zwischenziel von 45 Prozent vorgesehen. Damit folgen die EU-Staaten weitgehend einem Vorschlag der EU-Kommission. Neue Stadtbusse sollen 2030 bereits zu 85 Prozent emissionsfrei sein und bis 2035 zu 100 Prozent.

Acea fordert eine Anpassung der Ziele an die Rahmenbedingungen

Der Verband der europäischen Automobilhersteller (Acea) bezeichnet die vorgeschlagenen CO2-Reduktionsziele für Lkw und Busse angesichts unzureichender Rahmenbedingungen als sehr ehrgeizig. Die Ziele sollten regelmäßig durch einen umfassenden, jährlichen Überwachungsprozess bewertet werden.

„Hochgesteckte CO2-Ziele für Lkw- und Bushersteller können nicht von den Herstellern allein erreicht werden“, erklärte Acea-Generaldirektorin Sigrid de Vries. „Die Gesetzgeber müssen mehr tun, um die Zielvorgaben für die Hersteller eng mit denen für andere Akteure abzustimmen, von Infrastrukturanbietern und -betreibern bis hin zu Straßenverkehrsbetreibern, Spediteuren und Verladern sowie öffentlichen Verkehrsbetrieben.“

„Wenn die private und öffentlich zugängliche Lade- und Betankungsinfrastruktur fehlt und die Verkehrsunternehmen die Fahrzeuge nicht so flexibel einsetzen können wie herkömmliche Modelle, wie sollen dann die Kunden überzeugt werden, auf emissionsfreie Fahrzeuge umzusteigen? Das Mindeste, was wir erwarten sollten, ist ein robustes Überwachungssystem, das sicherstellt, dass alle vor- und nachgelagerte Bereiche auf dem gleichen Weg sind“, so de Vries.

Die Gesetzgeber müssten auch auf die unterschiedlichen Infrastrukturbedürfnisse der verschiedenen Fahrzeugsegmente eingehen. So benötigten Reisebusse Zugang zu Hochleistungslade- und -tankstellen an ganz bestimmten Orten, während Langstrecken-Lkw nahtlosen Zugang zu Lade- und Tankstellen entlang der europäischen Straßen benötigten.

Bundesumweltministerium begrüßt den Beschluss

Bundesumweltministerin Steffi Lemke hingegen begrüßte den Beschluss. „Lkw und Busse sind europaweit für ein Drittel der CO2-Emissionen aus dem Straßenverkehr verantwortlich und belasten die Luftqualität“, teilte die Grünen-Politikerin mit. Der Beschluss werde den Ausbau der Elektromobilität bei Lkw und Bussen deutlich beschleunigen.

Die Bundesregierung wolle sich dafür einsetzen, dass sich noch vor den Europawahlen Mitte kommenden Jahres mit dem EU-Parlament auf die Details des Vorhabens geeinigt werde. Mit den Abgeordneten muss noch ein finaler Kompromiss ausgehandelt werden.

VDIK: CO2-Ziele für schwere Lkw sind Mammutaufgabe

Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) warnt vor einer noch weitergehenden Verschärfung der CO2-Ziele für schwere Lkw, wie sie die Bundesregierung ins Spiel gebracht hatte. Auch das EU-Parlament sollte seine Position mit Augenmaß festlegen. VDIK-Präsident Reinhard Zirpel: „Mit den vorgeschlagenen Zielen steht Europa vor einer Mammutaufgabe. Entscheidend wird nun sein, dass auch die finanziellen Rahmenbedingungen und die Infrastruktur an die Vorgaben für Lkw angepasst werden. Denn die Kunden werden Null-Emissions-Lkw nur kaufen, wenn sich der Betrieb rechnet und man die Fahrzeuge unterwegs aufladen kann.“

Es sei daher allerhöchste Zeit, dass der Aufbau von Lkw-Ladestationen in Gang komme. Hier müssten die Mitgliedsstaaten ihre Hausgaben machen.

Hintergrund

Um bis 2030 eine CO2-Reduzierung von 45 Prozent zu erreichen, müssen laut Acea mehr als 400.000 emissionsfreie Lkw auf den Straßen unterwegs sein – etwa 100.000 neu zugelassene emissionsfreie Lkw pro Jahr oder mindestens ein Drittel der Neuverkäufe. Das erfordere mindestens 50.000 öffentlich zugängliche Ladestationen, darunter 35.000 Megawatt-Ladesysteme (MCS) und 700 Wasserstofftankstellen mit einer Tageskapazität von zwei Tonnen.

Bei der Definition von Null-Emissions-Fahrzeugen ist der Rat dem technologieoffenen Kommissionsvorschlag gefolgt. Der Schwellenwert für diese Fahrzeuge soll bei 5 Gramm pro Tonnenkilometer oder Passagierkilometer liegen. Damit haben künftig auch andere lokal emissionsfreie Antriebe wie Wasserstoffmotoren eine Chance, sich im Markt durchzusetzen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Mit Material von dpa

(ID:49755178)