Euro 7 nimmt eine weitere Hürde im Umweltausschuss des EU-Parlaments. Während die Zulieferer-Lobby eine strengere Norm fordert, verbucht der Herstellerverband Acea einen weiteren Teilerfolg.
Die Abgasnorm Euro 7 nimmt eine weitere Hürde im Umweltausschuss des EU-Parlaments. Vorschläge für etwas ehrgeizigere Vorschriften wurden abgelehnt.
(Bild: Daimler)
Parallel zum Rat der Europäischen Union hat der Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) des Europäischen Parlaments am 12. Oktober abgestimmt und den Vorschlag der Europäischen Kommission zur Verbesserung der Luftqualität in ganz Europa abgeschwächt.
Der Ausschuss nahm eine Reihe von Kompromissänderungsanträgen an, die eine längere Umsetzungsfrist für schwere Nutzfahrzeuge, geringfügig strengere Grenzwerte und abgeschwächte Prüfbedingungen beinhalten. Vorschläge für etwas ehrgeizigere Vorschriften wurden bei der Abstimmung vom Ausschuss abgelehnt.
Clepa: „Die Technologie für eine ehrgeizigere Euro-7-Norm ist vorhanden“
Benjamin Krieger, Generalsekretär von Clepa, dem Verband der europäischen Automobilzulieferer, sagt dazu: „Eine schwache Euro-7-Norm mit einer verzögerten Umsetzung wird weder zu sauberer Luft beitragen noch die Innovation in der EU fördern. Trotz der Fortschritte bei der Elektromobilität werden in der EU im nächsten Jahrzehnt voraussichtlich 100 Millionen Autos mit konventionellem Antrieb verkauft werden. Die Technologie für eine ehrgeizigere Euro-7-Norm ist vorhanden, und sie ist wirtschaftlich machbar. Europa sollte nicht hinter China und den USA zurückbleiben, die sich beide ehrgeizige Ziele bei den Schadstoffemissionen gesetzt haben.“
Der ENVI-Ausschuss ist die führende Gruppe für Euro 7 im Parlament und gibt den Ton für die Gesamtposition der Institution an, die für die Plenartagung im November vorgesehen ist.
„Mit Blick auf die Abstimmung im Plenum des Parlaments fordern wir weitere Verbesserungen, wie die Verkürzung der Umsetzungsfristen und die Verschärfung der Grenzwerte und Prüfbedingungen, da dies den Weg für eine sauberere und wettbewerbsfähigere Mobilität ebnen wird.“
Acea: Euro 7 werde nur geringfügige weitere Vorteile bringen
Der Verband der europäischen Automobilhersteller (Acea) kommentiert: „Die wichtige Abstimmung des europäischen Parlaments über die Euro-7-Schadstoffnormen spiegelt die Bedenken der Industrie im Vergleich zum Vorschlag der europäischen Kommission besser wider, aber es sind noch weitere Verbesserungen erforderlich.“
Acea-Generaldirektorin Sigrid de Vries erklärte: „Wir setzen uns seit langem für Euro-7-Ziele und Prüfbedingungen ein, die Fahrzeuge nicht unerschwinglich machen und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gefährden – und das bei geringem oder gar keinem Nutzen für die Umwelt.“ Das Votum des Umweltausschusses (ENVI) stelle eine Verbesserung gegenüber dem Kommissionsvorschlag dar, sei aber in wichtigen Punkten immer noch unzureichend.
De Vries: „Wir sollten die enormen Fortschritte, die die europäischen Fahrzeughersteller in den letzten Jahren bei der Reduzierung der Schadstoffemissionen im Straßenverkehr gemacht haben, nicht unterschätzen. Es ist schlichtweg falsch, Euro 6/VI-Fahrzeuge als 'hochgradig umweltschädlich' zu bezeichnen, wie es einige Interessengruppen tun. Die Vorschriften haben sich bewährt und werden dies auch weiterhin tun.“
Euro 7 werde nur geringfügige weitere Vorteile bringen, eine weitaus größere Verbesserung der Luftqualität ließe sich erreichen, wenn ältere Fahrzeuge auf den Straßen der EU durch hocheffiziente Euro 6/VI-Modelle ersetzt würden, und zwar parallel zum Übergang zur Elektrifizierung.
ZDK kritisiert fehlende Initiative zu E-Fuels
„Wir begrüßen, dass die Diskussion um Euro 7 eine Wendung zum Realismus genommen hat. Technische Umsetzbarkeit bedeutet ein Mehr für den Umweltschutz bei Beibehaltung der individuellen Mobilität für viele Menschen“, kommentierte ZDK-Hauptgeschäftsführer Kurt-Christian Scheel. Noch sei aber unklar, wie die Vorgaben zu Feinstaubemissionen gemessen werden sollen.
Stand: 08.12.2025
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Kritisch sieht der ZDK, dass das europäische Parlament sich nicht für ehrgeizigere Ziele zu E-Fuels und für eine faire Berechnung von Abgaswerten durch die Einführung eines Carbon Correction Factors ausgesprochen hat. „Es ist fahrlässig, das hohe Potenzial für mehr Klimaschutz auch im Fahrzeugbestand zu ignorieren“, betont Scheel.
Daher sei es umso wichtiger, dass die EU-Kommission im angekündigten Delegierten Rechtsakt zu E-Fuels realistische Ziele im Sinne der Erneuerbare-Energien-Richtlinie II setzt. Ein kompletter Verzicht auf E-Fuels als alternativen Kraftstoff würde das Erreichen der ambitionierten europäischen Klimaziele gefährden.
Als nächster Schritt zur Verabschiedung der Euro-7-Norm stehen die Trilog-Verhandlungen zwischen Kommission, Parlament und Rat an.