Politischer Einfluss auf das Geschäftsumfeld, regulatorische Hindernisse und schwindende Wachstumsaussichten: Europäische Unternehmen investieren weniger in China; oder prüfen ihre Pläne in dem Land.
Europäische Firmen prüfen stärker, ob sie in China investieren. Im Bild: Die Hochvoltbatteriemontage von BMW in Shenyang. Der Autohersteller wird ab 2026 seine Neue Klasse in China fertigen.
(Bild: BMW)
Europäische Unternehmen überdenken stärker ihre Investitionen und Strategien in China. Das geht aus einer Umfrage der Europäischen Handelskammer hervor. Dabei gaben mit 64 Prozent der Befragten so viele wie nie zuvor an, dass die Geschäftstätigkeit in China im vergangenen Jahr schwieriger geworden ist. Am deutlichsten war diese Aussage in der Medizintechnik mit 79 Prozent, der Automobilindustrie mit 73 Prozent und im Bereich Transport, Logistik und Vertrieb mit 73 Prozent.
Elf Prozent der befragten Unternehmen haben ihre Investitionen bereits nach Übersee verlagert. Aber nicht nur europäische Unternehmen diversifizieren ihre Investitionen stärker: 38 Prozent der Befragten haben beobachtet, dass chinesische Kunden und/oder Zulieferer ihre Investitionen aus China verlagern. Darüber hinaus will mehr als die Hälfte, 53 Prozent der Befragten, ihre Geschäftstätigkeit in China im Jahr 2023 nicht erweitern.
Die seit langem bestehenden Herausforderungen bleiben und belasten nach Angaben der Unternehmen weiterhin das Vertrauen der Unternehmen. Der Marktzugang und regulatorische Hindernisse sind für 62 Prozent der Befragten ein Problem – sie haben nach eigenen Angaben deswegen im Jahr 2022 Geschäftsmöglichkeiten verpasst. Dieser Wert stieg gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent.
Geschäftsumfeld ist politischer geworden
Auch die Politik wirkt sich weiterhin auf das Geschäft aus: 59 Prozent der Befragten gaben an, dass das Geschäftsumfeld in China in den letzten zwölf Monaten politischer geworden ist. Mehr als ein Viertel, 26 Prozent, sah sich mit Herausforderungen konfrontiert, die sich aus der zunehmenden Politisierung der Verbraucherwünsche ergeben.
Dazu gehört, widersprüchliche Forderungen von unterschiedlichen Kundengruppen in politisch sensiblen Regionen Chinas aufrechtzuerhalten oder einzustellen. Außerdem Waren zu produzieren, die entweder keine in China oder in den USA hergestellten Komponenten enthalten – je nachdem, für welchen der beiden Märkte die Waren bestimmt sind.
„Die Folgen des russischen Einmarsches in der Ukraine haben zudem die Sichtweise auf den chinesischen Markt verändert“, beschreibt die Handelskammer. „Sie zwingen die Unternehmen sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen, ob und wie sie im Falle einer Eskalation der Spannungen in der Straße von Taiwan betroffen sein könnten.“
Umsatzrückgänge und nachlassende Wachstumsaussichten
Umsatzrückgänge im Vergleich zum Vorjahr melden 30 Prozent der Befragten – ebenfalls der höchste bisher genannte Wert. Elf Prozent haben bereits getätigte Investitionen aus China verlagert, weitere acht Prozent wollen künftige Investitionen, die zuvor in China geplant waren, in andere Länder verlagern. Zehn Prozent haben ihren Hauptsitz oder den einer Geschäftseinheit in Asien bereits aus China verlegt oder planen es. China als drittwichtigstes Ziel für künftige Investitionen sehen 13 Prozent weniger Unternehmen, verglichen mit dem Vorjahr.
Um sechs Prozent sank der Anteil der Unternehmen, die gute Wachstumsaussichten in China sehen, verglichen mit 2022. Nach sehr starkem Wachstum spürt das Land Gegenwind: unter anderem in Form einer abnehmenden demografischen Dividende, nachlassendem Produktivitätswachstum, einer höheren Verschuldung und einem zunehmend komplexen geopolitischen Umfeld.
Neue Strategien bei Lieferketten und kaum ausländische Beschäftigte
Rund 75 Prozent der befragten Unternehmen haben laut der Umfrage ihre Lieferketten in den letzten zwei Jahren überprüft, 24 Prozent davon meldeten Pläne zur zumindest teilweisen Verlagerung nach China. Zwölf Prozent wiederum gaben an, bereits Teile davon aus dem Land verlagert zu haben. Die Hauptgründe sind mit 64 Prozent die notwendige höhere Widerstandsfähigkeit, geopolitische Faktoren mit 31 Prozent, und das Mildern der Auswirkungen innenpolitischer Entwicklungen wie Chinas Selbstversorgungsbestrebungen, 24 Prozent.
Das Entkoppeln von Hauptsitz und Betrieb in China hat laut der Umfrage vor allem wegen des Risikomanagements zugenommen. Fast drei Viertel der Befragten betreiben ihre IT- und Datenspeicherinfrastruktur vor Ort. Die Lokalisierung von Beschäftigten hat im letzten halben Jahrzehnt ebenfalls deutlich zugenommen: 16 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie in China keine ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr beschäftigen. Kleine und mittelständische Unternehmen beziffern den Wert auf 21 Prozent – viele von ihnen hatten in den vergangenen Jahren große Schwierigkeiten damit, ausländische Beschäftigte nach China zu holen.
Stand: 08.12.2025
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„Diese Entwicklungen sind mit erheblichen Kosten für die Unternehmen und für China verbunden“, beschreibt die Handelskammer in einer Mitteilung. Unterschiedliche Systeme für China und den Rest der Welt zu schaffen drückt die Gesamteffizienz die sich aus weltweiten Größenvorteilen ergibt. Weniger ausländische Beschäftige bedeutet: Der Transfer von Know-how und bewährten Verfahren lässt nach, es kommt häufiger zu Kommunikationsschwierigkeiten, aufgeschobenen Investitionsplänen und sogar zum Schließen von Betrieben in China.
Wie wurde die Umfrage durchgeführt?
Die Europäische Handelskammer hat die Umfrage „Business Confidence Survey 2023“ gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger durchgeführt. Befragt wurden 570 Mitgliedsunternehmen innerhalb von fünf Wochen im Zeitraum von Februar bis März 2023. Die Rücklaufquote der Umfrage lag bei 46 Prozent.
Die Umfrage umfasste 57 nationale Fragen und etwa ein Dutzend Fragen, die sich auf die einzelnen europäischen Kammern bezogen. Die nationalen Fragen waren eingeteilt in drei allgemeine und vier thematische Gruppen:
„Die negativen Trends, die wir in der diesjährigen Umfrage feststellen, sind besorgniserregend und spiegeln sowohl die jüngsten Herausforderungen wider, die durch die Unsicherheiten im politischen Umfeld Chinas und die zunehmenden geopolitischen Spannungen verursacht werden, als auch das Fortbestehen langjähriger Marktzugangsbarrieren", kommentierte Jens Eskelund, Präsident der Handelskammer der Europäischen Union in China, die Ergebnisse.