Mangelndes Selbstbewusstsein konnte man koreanischen Autoherstellern bisher selten vorwerfen. Das SUV-Flaggschiff GV80 von Genesis kommt nicht nur optisch selbstbewusst daher, sondern kann der deutschen Konkurrenz auch technisch etwas entgegensetzen.
Der Genesis GV80 tritt gegen BMW X5, Mercedes GLE und Audi Q7 an.
(Bild: Wehner)
Mein Nachbar ist beeindruckt. „Ist das ein Bentley?“, fragt er. „Genesis“, sage ich. Er: „Nie gehört. Aus China?“. Ich: „Nein, Korea.“ Er nickt. „Sieht gut aus. Aber die Koreaner sind halt auch nicht mehr günstig…“, sagt er und steigt in sein SUV eines deutschen Premiumfabrikats.
Das ist also das Dilemma, das ein Fabrikat wie Genesis hat. Es wird zwar wahrgenommen, aber so wirklich befassen will sich der durchschnittliche deutsche BMW- oder Audi-Fahrer mit der Marke nicht. Am Ende kauft man halt, was man kennt. Da kommt noch viel Arbeit auf die Mannschaft um Genesis-Deutschland-Chef Benjamin Winkler zu, die sich gerade anschickt, es besser zu machen als andere asiatische Premiummarken. Die dümpeln nämlich beispielsweise entweder auf niedrigem Niveau vor sich hin – siehe Lexus – oder haben sich nach ein paar Jahren vergeblichen Wartens auf den Durchbruch wieder zurückgezogen – siehe Infiniti.
Beeindruckende Optik
Dabei ist der Genesis GV80 auf jeden Fall beeindruckend. Einerseits optisch. Der große, wappenförmige Kühlergrill lässt den Konkurrenten von BMW X5, Mercedes GLE und Audi Q7 noch massiver wirken als er aufgrund seiner imposanten Ausmaße eh schon ist: 1,98 Meter breit, 1,72 Meter hoch und 4,95 Meter lang ist der Koreaner. Er bietet Platz für bis zu sieben Insassen – wenn man sich für die Variante mit den beiden Zusatzsitzen entscheidet, die als Testwagen auf den Hof der Würzburger Redaktion rollte.
Die war dann nicht nur voll bestuhlt, sondern kam auch in der Ausstattungsvariante „Luxus“ und mit verschiedenen Zusatzpaketen. In Verbindung mit dem 304 PS starken 2,5-Liter-Benziner müssen Käufer für ein fast komplett ausgestattetes Auto letztlich 81.140 Euro hinlegen. Das Basismodell mit fünf Sitzen startet bei 62.200 Euro. Zum Vergleich: der BMW X5 kostet als Benziner mindestens 74.300 Euro, für den Audi Q7 sind mindestens 73.200 Euro fällig – beide haben dann allerdings etwa 30 PS mehr.
Immer dabei ist bei Genesis allerdings ein Rund-um-Sorglos-Paket: Das Auto wird dem Kunden vor die Haustür geliefert und kommt mit fünf Jahren Garantie, Kundendienst, Pannenhilfe und Over-the-air-Updates. Außerdem gibt es einen „Genesis Personal Assistant“ – also einen Mitarbeiter, der sich um alle Fragen und Anliegen des Kunden kümmert und beispielsweise Servicetermine für ihn organisiert. Rechnet man all das zusammen, ist auch der Preis beeindruckend.
Autobahntauglich komfortabel
Das Auto selbst bietet wenig Anlass zur Kritik. Innen ist viel Leder und Holz verbaut. Die Verarbeitung ist tadellos. Hier müssen sich die Koreaner nicht vor der deutschen Konkurrenz verstecken. Das gilt auch für den Fahreindruck. Der GV80 ist auf komfortables Gleiten ausgelegt. Das elektronisch geregelte Fahrwerk bügelt nahezu alles weg, was einem auf der Straße an Fugen und Unebenheiten begegnet. Dabei hilft eine Kamera, mit deren Hilfe die Technik den Fahrbahnzustand analysiert und die Dämpfer in Echtzeit anpasst.
Vom 304 PS starken Benziner sind bei einem Fahrzeug mit diesem Gewicht keine sportlichen Leistungen zu erwarten. Mühe hat der Motor allerdings auch nicht. Wem es im Auto zu leise ist, der kann sich ein Motorgeräusch aus der Konserve zuschalten. Auf der Autobahn ist man mit dem GV80 gern unterwegs, was auch an den bequemen Sitzen liegt. Unnötig sind in einem solchen Auto jedoch die Seitenwangen, die sich ab einer bestimmten Geschwindigkeit automatisch andrücken.
Verwechslungsgefahr in der Mittelkonsole
Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung von Navi und Infotainment mit dem in der Mittelkonsole befindlichen Dreh-Drück-Schalter. Nicht immer ist es logisch, dass man jetzt drehen oder rechts oder links drücken muss, um in den gewünschten Menüpunkt zu kommen. Und was nervig ist: Der Schalter befindet sich direkt vor dem ähnlich großen, ebenfalls runden Gangwahlschalter, sodass man die beiden ständig verwechselt.
An Assistenten ist so ziemlich alles verbaut, was das Hyundai-Konzernregal hergibt. Das Auto hält nicht nur automatisch die Spur, sondern wechselt sie auch selbsttätig. Die Verkehrszeichenerkennung ist mit dem Tempomaten gekoppelt und passt die eingestellte Geschwindigkeit automatisch an das aktuell geltende Tempolimit an – meistens zumindest. Hilfreich ist der Totwinkelassistent, der beim Setzen des Blinkers das Bild der Straße rechts oder links im Kombiinstrument einblendet.
Ferngesteuert einparken
Wer sich beim Parken schwer tut, kann das dem Auto überlassen: Sobald der GV80 eine ausreichend große Parklücke identifiziert hat, übernimmt das Auto auf Knopfdruck das Einparken. Das klappt sowohl vom Fahrersitz aus oder sogar von außen. Das Gasgeben funktioniert dann per Schlüssel. Man darf sich nur nicht allzu weit vom Auto entfernen.
Stand: 08.12.2025
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Der GV80 korrigiert dabei selbstständig. Manchmal passiert das jedoch so oft, dass man das Auto selbst wohl schneller in die Parklücke bugsiert hätte. Schließlich ist das dank Rundumsicht-Kamera und Parkpiepsern in den meisten Fällen kein großes Problem. Aber das Auto von außen in die Parklücke zu bugsieren, macht zumindest bei Zuschauern Eindruck. Auch bei meinem Nachbarn.