gesponsertLifecycle Management Jörg Ohlsen: „Code ist ein Rohstoff geworden“

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Wie sieht das Long-term Lifecycle Management aus in einer Welt, die sich technologisch alle zwei Jahre komplett dreht? Diese Kernfragen der Softwareentwicklung im Automotive und welche Rolle der IT-Experte Cognizant Mobility dabei einnimmt, beantwortet CEO Jörg Ohlsen.

Jörg Ohlsen, CEO von Cognizant Mobility(Bild:  Stephan Ortmanns/Cognizant Mobility)
Jörg Ohlsen, CEO von Cognizant Mobility
(Bild: Stephan Ortmanns/Cognizant Mobility)

Herr Ohlsen, ein Software-Defined Vehicle auf einem weißen Blatt Papier zu entwerfen, ist leicht. Die Realität der OEMs ist aber eine hybride Welt aus Legacy-Systemen und neuen High-Performance-Computing-Architekturen. Wie navigiert Cognizant Mobility diesen Spagat, damit die Software-Innovation nicht an der Legacy scheitert?

Jörg Ohlsen: Die Herausforderung besteht darin, dass alle Services dieser Legacy-Plattformen noch 15 Jahre nach SOP betreut werden müssen. Endkunden haben für diese Services bezahlt und erwarten eine entsprechende Bereitstellung. Anstelle einer Reduzierung sehen wir aktuell einen Ausbau der Anzahl unterschiedlicher Plattformen und neuen Technologie-Stacks für künftige Fahrzeuggenerationen. Die alten Bestandteile wurden nie migriert, neue Bestandteile lediglich ergänzt. Das Wissen liegt oft noch bei alten Bestandsdienstleistern. Dieses Wissen kann man nicht einfach einer KI übergeben. Erschwerend kommt der Kostendruck hinzu, denn meist wurden diese Altlasten nicht eingeplant, noch weniger der dauerhafte Betrieb einer Legacy-Plattform durch 100 bis 200 Mitarbeiter.

Wie bekommt man diese Legacy sinnvoll migriert?

Der Schlüssel liegt in der Zusammenführung der Technologie-Stacks über die Plattformgrenzen hinweg. Zudem eine Migration in die kosteneffizientesten Clouds. Genau solche Übergänge schaffen wir mit unseren Kunden und erreichen eine maximale Reduzierung der Komplexität bei laufendem Betrieb. Bei einem der größten OEMs in Deutschland konnten wir dadurch die Kosten um 40 Prozent reduzieren – ohne jegliche Downtime.

Wie bedeutend ist dieser Kostenfaktor?

Die Kostenprobleme unserer OEM-Kunden sind heute so stark, dass eine Effizienzsteigerung durch den Einsatz von KI über die kommenden drei bis vier Jahre hinweg nicht ausreicht. Wir haben in solchen, kritischen Situationen hervorragende Erfahrung gemacht, mit unserer eigenen Offshoring-Lösung „3-Shore-Mix“, um bereits heute die Kosten drastisch zu senken in der Übergangsphase zu einer KI-Ready-Plattform.

Jörg Ohlsen

Jörg Ohlsen begann seine berufliche Karriere beim Entwicklungsdienstleister EDAG. Im Jahr 2008 wurde er Geschäftsfüher, später CTO und CEO. Im Oktober 2018 wurde er Geschäftsführer bei der ESG Elektroniksystem- und Logistik in München. Im Frühjahr 2021 hat Cognizant ESG übernommen. Ohlsen wurde in diesem Zuge CEO der neu geschaffenen Cognizant Mobility.

Stichwörter „Last Mile“ und „Liability“: Eine Künstliche Intelligenz kann 80 Prozent eines Moduls schreiben, aber im Automobilbereich – siehe Safety Critical oder ASIL-D – sind die letzten 20 Prozent entscheidend. Wie lässt sich eine solche Herausforderung lösen?

Vereinfacht würde ich sagen, dass Code ein Rohstoff geworden ist. Aber die Architektur, die Absicherung (Safety) und die Integration in das Gesamtfahrzeug sind die knappen Ressourcen. Wir substituieren mit KI das Tippen von Code, um das Engineering des Gesamtsystems zu orchestrieren.

Dahinter steht die Frage, wer haftet, wenn der KI-Code einen Fehler im kritischen System verursacht? Unsere Rolle ist immer mehr die, dass wir die Instanz sind, die Verantwortung übernimmt. Ein OEM kauft bei uns nicht nur Code, sondern eine getestete und abgesicherte Systemintegration. KI ist das Werkzeug, aber Cognizant Mobility ist der Bürge für die Qualität, wenn es darum geht, die vielen KI-generierten Module zu integrieren.

Welche Rolle nimmt Cognizant dabei ein?

OEMs wollen weiterhin Mobilitätsunternehmen sein und keine Software-Infrastruktur-Betreiber. Sie wollen das Ergebnis – das funktionierende Fahrzeug –, nicht die Kopfschmerzen, die mit dem Betrieb einer globalen, KI-getriebenen Software-Fabrik einhergehen. In solch einer Fabrik muss die KI-Effizienzspirale permanent ausgebaut und supportet werden.

Dazu kommt die Tatsache, dass ein echter Wettbewerbsvorteil für den OEM erst dann entsteht, wenn über die Gewerke hinweg Domänenwissen einfließen kann: Von der In-Vehicle-Software bis zum Backend. Domänenwissen schlägt also die reine Syntax. Wir als Cognizant übernehmen die Off-Board-KI-Basis und können zugleich bis ins Fahrzeug gehen. Das nenne ich „Intelligence Infrastructure“.

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