E-Infrastruktur Ladepunkte gibt es genug, jetzt fehlen die E-Autos

Von Andreas Grimm 2 min Lesedauer

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Die Henne-Ei-Frage, ob erst E-Autos oder Ladesäulen vorhanden sein müssen, ist entschieden – zumindest aus Sicht der Energiewirtschaft. Die macht nun den Autobauern Vorwürfe.

Ladesäulen zu finden, noch dazu freie, wird immer einfacher. Die Zahl der Ladepunkte in Deutschland ist zuletzt kräftig gestiegen.(Bild:  BMW)
Ladesäulen zu finden, noch dazu freie, wird immer einfacher. Die Zahl der Ladepunkte in Deutschland ist zuletzt kräftig gestiegen.
(Bild: BMW)

Die Zahl der Ladesäulen in Deutschland sollte zumindest rechnerisch inzwischen ausreichen, um die E-Mobilität nach vorn zu bringen. Denn im Jahr 2023 ist sie rekordverdächtig gewachsen. Wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 32.733 öffentliche Ladepunkte neu ans Stromnetz angeschlossen.

Damit gab es mit Stand 1. Januar 2024 etwas mehr als 118.000 öffentliche Ladesäulen in der Bundesrepublik. Die Ladeleistung sei innerhalb eines Jahres von 3,7 Gigawatt auf 5,4 Gigawatt im Januar 2024 gestiegen. Das war ein Zuwachs von rund 45 Prozent. „Damit übertrifft der deutsche Lademarkt die neuen europäischen Mindestziele für die installierte Ladeleistung um das Doppelte“, teilte der BDEW mit.

Niedrige Auslastung der Ladesäulen

Dass damit die deutsche E-Auto-Flotte locker geladen werden kann, zeigt eine andere Zahl, die eine konstant niedrige Belegung der Ladesäulen dokumentiert. Im bundesweiten Durchschnitt waren Ladesäulen nach BDEW-Angaben nur zu 12,5 Prozent belegt. Dieser Wert variiert regional zwischen 3 und 23 Prozent – von einer hohen Belegungsquote sind die Ladesäulen aber überall weit entfernt. Lediglich in einem von fünf Landkreisen liegt die Belegung der öffentlichen Ladepunkte über dem Durchschnitt von 12,5 Prozent, konkret ist sie in 314 von 400 Landkreisen noch niedriger.

Aus Sicht des BDEW sind die Energieversorger also in Vorleistung gegangen. „Die Branche baut trotz der geringen Belegung beherzt weiter aus“, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Nun sei allerdings ein Schub bei den elektrifizierten Neuzulassungen nötig, um das Ziel von 15 Millionen Elektro-Pkw bis 2030 zu erreichen. Dafür seien mehr E-Auto-Modelle nötig, die für die Käufer auch bezahlbar sind.

„Aktuell kommen zunehmend neue Modelle im hochpreisigen Segment auf den Markt. In günstigeren Segmenten ist wenig Bewegung“, kritisierte Andreae. Die Anzahl der E-Modelle in den Segmenten Mini, Kleinwagen und Kompaktklasse verharre dagegen auf niedrigem Niveau. „Die aktuell hohen Anschaffungspreise sind leider die größte Einstiegsbarriere. Wenn die Bundesregierung ihr Ziel von 15 Millionen E-Autos bis 2023 erreichen will, braucht sie dringend eine E-Pkw-Strategie.“

Niederländer sind E-Infrastruktur-Meister

Die Erfolgsmeldungen des BDEW sind allerdings im europäischen Kontext zu sehen. Laut der Europäischen Beobachtungsstelle für alternative Kraftstoffe (EAFO) hat nämlich nicht Deutschland – trotz seiner Einwohnerzahl – das größte Ladenetz, sondern die Niederlande. Dort sind rund 144.450 öffentliche Ladepunkte registriert – die meisten in Europa. Auf Rang drei folgt Frankreich mit ähnlich vielen Ladepunkten wie Deutschland.

Danach werden die Abstände größer. Laut einer Statista-Grafik auf Basis der EAFO-Daten liegt Großbritannien auf Platz vier mit knapp 73.000 Ladepunkten. Auf den Rängen 5 bis 10 liegen Belgien (44.400), Italien (41.100), Schweden (37.200), Spanien (30.400), Norwegen (24.600) und Dänemark (23.100).

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