15. Kooperationsforum Bordnetze

Last auf der Leitung

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Leichtbau hat Potential

Weiteres Potential sieht Audi im Bereich Bordnetz-Leichtbau. Hier gebe es viele Stellhebel angefangen bei der Miniaturisierung. So sollen Leitungen mit kleinen Querschnitten von 0,35 mm2 noch weiter auf bis zu 0,13 mm2 schrumpfen. Ein weiterer Ansatzpunkt sind alternative Werkstoffe. Hier habe Aluminium als Ersatz für Kupfer-Leitungen vor allem aus zwei Gründen eine gute Perspektive: Geringes Gewicht und niedrigere Kosten. Beim Gewicht liegt der Vorteil bei etwa 50 Prozent, bei den Kosten zwischen 20 und 50 Prozent. Allerdings bleibt die Eignung von Alu-Leitungen angesichts der bestehenden Probleme mit dem Bauraum eingeschränkt. So verzichtet Audi bei beweglichen Teilen wie Klappen oder Türen auf ihre Verwendung.

Ein bisher vernachlässigtes Thema sieht Prechler in der Dimensionierung der Querschnitte. „Erstaunlicherweise“, so der Leiter Bordnetz-Entwicklung, haben „Leitungen mit einem geringen Querschnitt einen hohen Anteil am Gesamtgewicht des Fahrzeugs“. Ziel müsse es sein, „jetzt noch mehr darauf schauen, welche Last auf der Leitung und wie lang die Leitung ist.“ Dabei seien aus den Erfahrungen der Vergangenheit die Leitungen „noch spezifischer an die Belastungsgrenzen zu führen“. Klar sei aber auch, dass „für unterschiedliche Anwendungen unterschiedliche technische Lösungen erforderlich“ sind.

Topologie für kurze Leitungen

Ein weiterer Aspekt: Die optimale Topologie, also die richtige Positionierung der Steuergeräte. Hier müsse die „Intelligenz wie die Spinne im Netz“ in das Zentrum gestellt werden, um möglichst kurze Leitungen zu bekommen. Auch in der Funktionsverteilung sieht Prechler wichtige Ansatzpunkte. Damit seien aber nicht nur die Anzahl und die Lage der Steuergeräte gemeint, vielmehr nannte er die „Funktionsintegration“ als wichtigstes Schlagwort. Und last not least die Leistungsversorgung mit möglichst kurzen Leitungswegen für die Hochstromverbraucher und mit dem Einbauort der Batterie als Dreh- und Angelpunkt.

Elektrische Übertragung

In seinem Ausblick auf technologische Trends zeigte sich der Audi-Experte überzeugt, dass künftig der Fokus weniger auf den mechanischen Parametern der Leitungen liegen wird. Vielmehr werde „das Thema elektrische Übertragungsfunktionalitäten immer wichtiger“. Im Bereich der Verbindungstechnik sieht Prechler die Unternehmen vor der Herausforderung, einen Alu-Crimp für dünne Querschnitte zu entwickeln. Das Problem liege darin, dass herstellerspezifische und nicht frei verfügbare Lösungen die Komplexität noch weiter steigern. Daher sei das Ziel, einen Alu-Crimp zu entwickeln, der herstellerübergreifend verwendet werden kann. Audi selbst, so Prechler, befindet sich „in der Endphase der Qualifizierung“ und hat die Alu-Crimp-Technologie noch nicht im Einsatz. Dies sei aber ein Thema für „die nächste Fahrzeuggeneration“. Ob die zahlreichen technologischen Herausforderungen an das künftige Bordnetz einer revolutionären oder evolutionären Entwicklung entsprechen, wie das Kongressmotto suggerierte, wollte Prechler abschließend nicht bewerten.

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