Mit Magna sind wir aufs Eis gegangen: Dort hat der Zulieferer neue Systeme für Plug-in-Hybride und reine Elektroautos vorgestellt, mit denen unter anderem die Reichweite verlängert werden kann.
Zulieferer Magna hat gerade seine neuesten Ideen vorgestellt, darunter das System „Etelligent Command“.
(Bild: Magna)
Magna hat zum Abschluss seiner Wintertests im schwedischen Arjeplog, rund 50 Kilometer vom Polarkreis entfernt, zwei neue Antriebssysteme vorgestellt. Der fünftgrößte Automobilzulieferer der Welt (siehe Top-100-Liste) hat dabei augenscheinlich von der Übernahme des Getriebespezialisten Getrag im Jahr 2015 profitiert. Gepaart mit der langjährigen Expertise, speziell auf dem Gebiet des Allradantriebs, konzentriert sich Magna Powertrain heute in erster Linie auf elektrifizierte Antriebe.
Gerade in der rasanten Weiterentwicklung von Elektromotoren und deren Steuerung über digitale Superhirne liegt noch enormes Potenzial, was Sicherheit, Effizienz und Dynamik angeht. Das Ziel ist die komplette und intelligente Vernetzung aller Systeme mit den Komponenten des E-Antriebs. Magna Entwicklungsleiter Andreas Doctor ist manchmal selbst erstaunt: „Wir lernen noch jeden Tag dazu.“
„Etelligent Command“ für Plug-in-Hybride
Einige ihrer neuesten Ideen haben uns die Tüftler aus Graz nun auf dem dicken Eis in Nordschweden vorgestellt. Darunter das System „Etelligent Command“, das den Antrieb des Plug-in-Hybrids „komplett neu denkt“, wie Doctor erklärt. Statt wie bisher vom Verbrenner ausgehend, auf den ein E-Motor aufgesattelt wird, geht Command nun den umgekehrten Weg.
Im Mittelpunkt der Entwicklung steht der Elektroantrieb. Der Dreizylinder-Ottomotor dient hier vornehmlich als Range Extender zum Laden der Batterie und damit zur Verlängerung der rein elektrischen Reichweite (bis 110 Kilometer). Wird kurzfristig mehr Power benötigt, kann er die Fuhre aber auch direkt mit anschieben.
Ziel ist es, den PHEV vom Fahrgefühl her möglichst nah an ein Vollelektro-Auto zu bringen. Die komplexe Regelelektronik und die quasi ohne Zeitverlust ansprechenden Elektromotoren verteilen dabei, im Gegensatz zu mechanischen Systemen, die massiven Drehmomente sehr variabel und in Millisekunden an die einzelnen Räder. Leistung ist immer vorhanden, aus dem Stand abrufbar.
Command-System nicht vor 2025 serienreif
Magna verspricht im Vergleich zu früheren Antrieben eine um bis zu 38 Prozent höhere Effizienz. Dafür koppelt sich der 120 kW/163 PS starke Frontmotor, zum Beispiel bei gleichmäßigen Autobahnfahrten, schon mal komplett vom Antrieb ab, wenn er nicht gebraucht wird und minimiert die sogenannten Schleppverluste.
Für Sicherheit und Dynamik ist unter anderem das integrierte „Torque-Vectoring“ an der von einem 160 kW/218 PS starken E-Motor angetriebenen Hinterachse zuständig. Je nach Fahrprogramm erkennt es Traktionsverluste oder ein Ausbrechen des Hecks schon im Ansatz und leitet die Kräfte entsprechend um. Im Sportmodus wiederum erlaubt es Driftwinkel und greift sanft regelnd ein. Mit nur leichten Lenkkorrekturen sind Youtube-reife Querfahrten möglich.
So überzeugend das Command-System heute schon funktioniert, vor 2025 wird es nicht serienreif sein. Bis zum prognostizierten Ende des Verbrenners im Jahr 2035 bleibt potenziellen Kunden aus der Industrie dann nur noch wenig Zeit, die hohen Entwicklungskosten zu amortisieren.
„Etelligent Reach“ ab November verfügbar
Konkrete Chancen es in die Serie zu schaffen, hat hingegen das System „Etelligent Reach“, ausgelegt für reine Stromer mit zwei Elektromotoren. Über die von der Software kontrollierte, intelligente Steuerung der beiden Motoren soll der Antrieb im Vergleich zu bestehenden Systemen neun Prozent effizienter sein, je nachdem, wie sie gerade gebraucht werden. Weitere sieben Prozent holt Magna nach eigenen Angaben über die Weiterentwicklung der E-Motoren raus. Macht insgesamt 16 Prozent. Konkret im Falle des Technikträgers Jaguar I-Pace heißt das 615 Kilometer Reichweite statt 415.
Ab November soll „Etelligent Reach“ an Bord des neuen Fisker SUV Ocean seine Serienpremiere geben – gebaut bei Magna Steyr in Graz. Noch nicht in das System integriert sein wird dann die Innovation „brake by wire“, die selektives Bremsen ermöglicht.
Ausgehend von einer Studie, wonach über 90 Prozent der Bremsvorgänge im Alltag unnötig sind, ist dieses System so programmiert, dass so wenig wie irgend möglich verzögert wird, und so die Antriebsenergie aus dem Auto nimmt. Neben der Sicherheit soll die Effizienz profitieren, also noch einmal zusätzliche Reichweite generiert werden. Klingt ganz so, als lasse sich die Zukunft des E-Antriebs nicht mehr ausbremsen.
Stand: 08.12.2025
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