Nutzfahrzeuge E-Lkw mit einem Megawatt Ladeleistung geladen

Aktualisiert am 22.07.2024 Von Thomas Günnel 3 min Lesedauer

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Daimler Truck und MAN haben ihre elektrischen Fernverkehrs-Trucks jeweils mit einem vollen Megawatt Ladeleistung geladen. Schon 2025 soll ein Kernnetz mit Megawatt-Ladern in Europa stehen.

Mercedes-Benz Trucks und MAN haben ihre elektrisch angetriebenen Fernverkehrs-Lkw mit jeweils einem vollen Megawatt Leistung geladen.(Bild:  Daimler Truck AG)
Mercedes-Benz Trucks und MAN haben ihre elektrisch angetriebenen Fernverkehrs-Lkw mit jeweils einem vollen Megawatt Leistung geladen.
(Bild: Daimler Truck AG)

Die Lkw-Hersteller Daimler Truck und MAN haben erstmals elektrisch angetriebene Nutzfahrzeuge mit einem Megawatt Ladeleistung geladen. Mercedes-Benz erreichte nach Unternehmensangaben bei internen Tests im April etwas mehr als die volle Ladeleistung von 1.000 Kilowatt. MAN zog nun im Juli nach: ebenfalls mit knapp über einem Megawatt. Innerhalb von 30 Minuten kamen so rund 400 Kilometer Reichweite in den Akku.

Im März hatte der Lkw-Hersteller bereits mit mehr als 700 Kilowatt geladen. Ab diesem Wert ist branchenüblich von Megawatt-Laden die Rede. Den Standard „Megawatt Charging System“, MCS, entwickeln Partner in der Initiative „CharIN“, „Charging Interface Initiative“. Er wird für dieses Jahr erwartet.

Pilotprojekt für Ladeinfrastruktur für E-Lkw

Am deutschen Pilotprojekt „HoLa – Hochleistungsladen im Lkw-Fernverkehr“ beteiligen sich unter anderem Daimler Truck, MAN, Scania und Volvo Trucks. Inhaltlich geht es dabei um praktische Tests und Informationen zum europäischen MCS-Netzwerk.

Die Ladesäulen stellt der schweizerische Automatisierungsanbieter ABB. Insgesamt sind 21 Partner aus Industrie und Forschung in das Projekt eingebunden.

CCS- und MCS-Ladepunkte für praktische Tests

Im Projekt wollen die Partner an vier Standorten je zwei Hochleistungsladepunkte mit MCS aufbauen, betreiben und im realen Logistikbetrieb nutzen. Los geht es mit je zwei CCS-Ladepunkten für Lkw an fünf Standorten entlang der A2 zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet.

An den Standorten wollen die Unternehmen E-Lkw in die Logistikprozesse integrieren und das Schnellladen von E-Lkw testen. Die Lkw-Hersteller liefern dafür acht CCS- und vier MCS-Fahrzeuge. Am Ende des Projektes sollen zehn CCS-Ladepunkte und acht MCS-Ladepunkte verfügbar sein – als Grundlage für den flächendeckenden, bundesweiten Ausbau.

Ladestandard unterstützt bis zu 3,75 Megawatt

MAN verkauft den elektrisch angetriebenen Fernverkehrs-Lkw E-TGX bereits. Mercedes will den E-Actros ab Ende 2024 in Serie herstellen. Das Modell soll „später, sobald verfügbar, das Megawattladen mit vollen 1.000 Kilowatt“ unterstützen. Bis es soweit ist, können Kunden eine Vorrüstung bestellen, ältere Modelle sind laut Mercedes nachrüstbar.

Der Ladestandard MCS ist technisch ausgelegt auf Ladeleistungen von bis zu 3,75 Megawatt bei 3.000 Ampere Stromstärke und 1.250 Volt Spannung.

Fraunhofer ISI: Weniger Ladestationen notwendig als geplant

Laut des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI, einem der Projektpartner, können im Jahr 2030 „1.000 optimal ausgewählte Ladestationen verteilt über Europa 91 Prozent des E-Lkw-Fernverkehrs abdecken“. Die Zahlen basieren auf einem Anteil von 15 Prozent elektrisch angetriebener Lkw im Fernverkehrsbestand. Die Autoren der Studie berechneten den Bedarf ohne Depotladen – und legten eine Praxisreichweite von 400 Kilometern zugrunde, die einige neue E-Lkw bereits heute überschreiten.

1.000 Ladestationen sind weniger als von der EU gefordert. „Diese neuen Standorte müssen aber eine ausreichende Netzleistung haben, wobei einige eine Kapazität von bis zu zwölf Megawatt benötigen werden, um bis zu 20 MCS-Anschlüsse versorgen zu können“, erklärt Patrick Plötz, Leiter des Geschäftsfelds Energiewirtschaft am Fraunhofer ISI und Studienautor.

In der Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe, „AFIR“, hat die Europäische Union Mindestanforderungen für öffentliche Schnellladenetze für Batterie-Lkw für jeden EU-Mitgliedstaat festgelegt. In Deutschland soll es bis zum Jahr 2030 rund 300 Lkw-Ladestationen geben. Europaweit sind mehr als 2.000 vorgesehen.

Volle Ladeleistung an öffentlicher Ladestation

Mercedes-Benz Trucks hatte die Ladeleistung in seinem Entwicklungs- und Versuchszentrum in Wörth am Rhein erreicht. MAN im April in seinem Entwicklungszentrum in München und im Juli an einer neu eröffneten, öffentlichen Megawatt-Ladestation am Technologie Campus der Technischen Hochschule Deggendorf in Plattling.

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