Fehrer Produktion am Standort Kitzingen läuft aus

Redakteur: Christian Otto

Der Automobilzulieferer Fehrer wird bis Ende 2014 die Produktion am Standort Kitzingen stilllegen. Dies teilte die Unternehmensleitung heute in einer Mitarbeiterversammlung der Belegschaft mit. Die aktuellen Produktionsumfänge werden auf andere Standorte im In- und Ausland verteilt.

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Die Produktion am Kitzinger Fehrer-Standort fällt der zunehmenden Verlagerung der Fertigungsumfänge der OEMs ins Ausland zum Opfer. Der Zulieferer ist mit seinen Schäumen unter anderen in aktuellen BMW-Modellen vertreten.
Die Produktion am Kitzinger Fehrer-Standort fällt der zunehmenden Verlagerung der Fertigungsumfänge der OEMs ins Ausland zum Opfer. Der Zulieferer ist mit seinen Schäumen unter anderen in aktuellen BMW-Modellen vertreten.
(Foto: BMW)

Hintergrund für diese Entscheidung ist laut Unternehmen die massiv zunehmende Verlagerung von Fertigungsumfängen der Automobilhersteller ins Ausland. Während dadurch die Umsätze der ausländischen Fehrer-Standorte steigen, geht die Auslastung der inländischen Werke kontinuierlich zurück. „Unsere Umsätze an den deutschen Schäumstandorten sind seit diesem Jahr rückläufig. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken und nachhaltig unter das Niveau des Krisenjahres 2009 sinken“, sagte die Geschäftsleitung. „Wir können es uns als Unternehmen nicht leisten, Monat für Monat an immer schlechter ausgelasteten deutschen Standorten immer mehr Geld zu verbrennen.“

Deshalb wird Fehrer seine Produktionsstandorte in Deutschland konzentrieren. „Unser Ziel ist es, im Jahr 2014 in Deutschland nicht an vier mäßig bis schlecht ausgelasteten Standorten Schaumteile zu produzieren, sondern in zwei gut ausgelasteten Werken“, so die Geschäftsleitung. „Nur so können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und damit die Zukunft der gesamten Gruppe sichern.“ Die Aufsichtsgremien des Unternehmens haben der Entscheidung bereits zugestimmt.

Drei Produktionslinien werden konkret geschlossen

Am Standort Kitzingen sind drei Produktionslinien mit insgesamt rund 400 Mitarbeitern betroffen: Die Kaltschaumanlage A (100 MA), über deren Einstellung bereits verhandelt wird, sowie die Kaltschaumanlagen J und Y (215 MA) und eine Heißschaumanlage (85 MA). Der Formen- und Anlagenbau mit 130 Mitarbeitern soll weiter am Standort bleiben. Hier ist lediglich eine Reorganisation ohne Personalabbau geplant. Die zentralen Unternehmensbereiche wie Entwicklung, Technikum, Einkauf, Vertrieb, Finanzabteilung und Verwaltung verbleiben ebenfalls in Kitzingen. Hier wird es jedoch ebenfalls Einschnitte geben.

„Am ältesten und größten Standort Kitzingen haben wir nicht nur die höchsten Fixkosten sondern aufgrund der baulichen Gegebenheiten auch die geringste Flexibilität und den höchsten Investitionsbedarf - dabei aber die geringste Kundennähe“, so die Geschäftsleitung. „Die Stilllegung der Produktion dort ist zwar eine schmerzhafte, aber gerade vor diesem Hintergrund eine wirtschaftlich notwendige Entscheidung.“ Der Stellenabbau soll laut Fehrer so sozialverträglich wie möglich vorgenommen werden. Über die Höhe der Abfindungen und die mögliche Einrichtung einer Transfergesellschaft wird nun mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt.

Standort Leipzig ebenfalls betroffen

Neben Kitzingen sind auch die beiden Werksteile in Leipzig von der Konzentration betroffen. Dort hatte kürzlich der Hauptabnehmer (Faurecia, Anm. d. Red) angekündigt, sein Werk aufzugeben und die Produktion nach Tschechien zu verlagern. Die Schließung des gesamten Fehrer-Standorts Leipzig ist nun ebenfalls beschlossen.

Die weiteren deutschen Fehrer-Schäumwerke in Braunschweig und Wackersdorf werden durch die Verlagerung der Fertigungsumfänge aus den Standorten Kitzingen und Leipzig in den kommenden Jahren voll ausgelastet. Weitere Werke der Gruppe befinden sich in Deutschland in Großlangheim und Wiesentheid. Dort sind zurzeit keine Standort-Maßnahmen geplant.

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