Fans toben, Experten loben

So sieht die Zukunft von Smart aus

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Kein Bonsai-Benz mehr

Über 20 Jahre nach der ersten Revolution seit dem seligen Mini sind mit der Neuausrichtung bei Daimler die Zeiten vorbei, in denen sich die jungen Wilden inspiriert vom Swatch-Chef Nikolas Hayek der maximalen Minimierung („Reduce to the Max“) verschrieben haben, in denen ein Vehikel von gerade mal 2,70 Metern schon als Auto bezeichnet werden durfte, und in der man auch quer zur Fahrtrichtung parken konnte, weil der Smart weniger lang als manch ein SUV breit ist. 

Die Fans in den Foren toben ob dieser Nachricht und trauern dem Bonsai-Benz schon jetzt hinterher, obwohl der Fortwo noch immer gebaut wird und sich Daimler noch kein Datum für das Ende der Produktion entlocken lässt. „Der Smart ist nicht mehr clever“, zetern sie und geißeln die Entscheidung als weiteren Beweis für den einfallslosen Gigantismus der PS-Branche. Ausgerechnet jetzt, wo die Zeit angesichts übervoller Städte in Atemnot vielleicht doch reif sei für elektrische Mini-Mobile und die Idee vom „Pod“ so langsam Fahrt aufnehme, gehe Daimler die Geduld und der Atem aus, so die Kritik.

Bislang kein Erfolg

Das hätte anders kommen können, wenn alle, die jetzt aufschreien, auch einen Smart gekauft hätten. Doch weil dem offenbar nicht so war, sind die Absatzzahlen über die gesamte Laufzeit weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, die Fabrik war nie ausgelastet – und letztlich verkauft. Trotz Kooperationen erst mit Mitsubishi und dann mit Renault kam der Smart wirtschaftlich nie auf einen grünen Zweig. Im Gegenteil: Auch weil es keine vernünftige Gleichteile- oder gar Plattformstrategie gab und sich deutsche Autohersteller grundsätzlich schwer tun mit Billigautos gilt das kleinste Modell im Daimler-Imperium als größter Flop und die Schätzungen zum Verlust mit dem einstigen Micro Compact Car gehen in die Milliarden. 

Mit einem kompakten SUV dagegen sollte in China genau wie in Europa durchaus etwas zu reißen sein. Nicht umsonst ist das mit Abstand das größte Segment am Markt und hat obendrein die rosigsten Prognosen. Wenn es dann noch vom Start weg ausschließlich als Elektroauto angeboten wird und die Chinesen mit ihrem Know-how, ihrem Baukasten und ihrer kostengünstigen Produktion den Preis auf ein konkurrenzfähiges Niveau drücken, könnte die Rechnung doch noch aufgehen. 

Letzte Chance für Smart?

Deshalb ist die radikale Kehrtwende vielleicht die letzte Chance für die Marke und genau der richtige Schritt, sagt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer: „Mit Geely sind die Chancen für den langersehnten Durchbruch gut“, ist der Professor vom Center Automotive Research in Duisburg überzeugt: Die neue Plattform erlaube ein modernes Elektroauto und ein voll elektrische City-SUV passe absolut. „Damit erhält der Smart endlich ‚Bewegungsfreiheit’ und bleibt nicht auf die enge Heckmotor-Plattform beschränkt“, ist er überzeugt.

Gleichzeitig könnten die neuen Partner weiter auf die große, emotionale Stärke der Marke nutzen. Die Arbeitsteilung mit Geely für Technik und Produktion und Daimler für das Design, das Marketing und den Vertrieb sei sinnvoll und erlaube eine Internationalisierung: „Mit Geely kann es in China gelingen, Smart gut im größten Automarkt der Welt zu positionieren. Und Daimler hat dann auch in Europa die besten Voraussetzungen Smart zum Erfolg zu führen“, so Dudenhöffer.

Radikale Änderung „passt zur Marke“

Design-Professor Lutz Fügener von der Hochschule in Pforzheim gibt sich versöhnlich. Zwar war der bekennende Smart-Fan der ersten Stunde sichtlich überrascht von den Skizzen und trauert schon jetzt dem radikalen Raumkonzept und dem garantierten Erfolg bei der Parkplatzsuche hinterher.

Und im Lehrbuch der Designer findet man diese Strategie sicher nicht. „Denn die Identität eines Modells und einer Marke ist ein großes Pfund, mit dem die Designer sehr behutsam umgehen“, sagt der Experte. „Und dabei hat Smart das Glück, nicht wie etwa Porsche beim 911 oder BMW beim Mini auf ein altes Ideal aus einer längst vergangenen Ära zurück greifen zu müssen. Das Original ist modern und zeitgemäß.

Doch ob es richtig ist, nicht nur das Format, sondern die Form völlig zu verändern? „Das werden die künftigen Zahlen zeigen“, sagt der Professor: „Aber es ist auf jeden Fall radikal und konsequent und passt damit dann doch wieder zur Marke.“

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