Software „Stehen vor Aufgaben, die die Branche noch nicht beherrscht“

Von Sven Prawitz 3 min Lesedauer

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Die Transformation der Automobilindustrie ist in vollem Gange. Es wird an neuen Softwarearchitekturen gearbeitet, dem software-defined vehicle. Die Branche ist aber noch lange nicht am Ziel, zeigt die Konferenz Safety Week.

Michael Fausten von Bosch eröffnete mit einer Keynote die Konferenz „Auto[nom]mobil“ in Würzburg.(Bild:  Natalie Golowko)
Michael Fausten von Bosch eröffnete mit einer Keynote die Konferenz „Auto[nom]mobil“ in Würzburg.
(Bild: Natalie Golowko)

Die Hürden auf dem Weg zu autonomen Fahrzeugen sind hoch und vielfältig. Und Zeit spielt dabei eine große Rolle. Einige Teilnehmer klagten auf dem gestern (24. Mai) gestarteten Fachkongress „Auto[nom]mobil“ in Würzburg über die komplizierten und langwierigen Genehmigungsverfahren. „Wir brauchen noch mehr Erfahrung“, bat Arne Zielonka als Vertreter des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr um Geduld und Nachsicht.

Ganz zu Beginn der Veranstaltung zog Andre Seeck, Bundesanstalt für Straßenwesen, einen Vergleich mit dem Transrapid – „der hoffentlich nicht eintritt“. In Deutschland sei die Technik für die Magnetschwebebahn maßgeblich entwickelt worden, so Seeck. Realisiert werde sie jedoch in China. Das dürfe sich beim autonomen Fahren nicht wiederholen.

Es hatte etwas von Zweckoptimismus, denn die anwesenden Experten waren sich einig, dass die Projekte in China und den USA deutlich fortgeschrittener sind als jene in Europa.

Die Automobilindustrie betritt Neuland

Über technische Hürden sprach Michael Fausten, Leiter Corporate Research, Bereichsleiter Artificial Intelligence and Systems bei Bosch, der den Kongress mit einer Keynote eröffnete. Unter dem Titel „Please press Ctrl, Alt and Park to reboot your car“ referierte Fausten über den Weg zum softwaredefinierten Fahrzeug. Dabei gelte es nicht nur, neue Softwarearchitekturen zu entwickeln – um Hardware und Software voneinander zu entkoppeln –, sondern auch neue Methoden an- und eine neue Haltung einzunehmen. „Wir stehen vor Aufgaben, die die Branche noch nicht beherrscht.“ Als Beispiel nannte er das Wasserfall- und V-Modell in der Entwicklung, die beide nicht mehr anwendbar seien.

Für die Softwareentwicklung brauche es einen kontinuierlichen und geschlossenen Ablauf, der die gesamte Nutzungszeit eines Fahrzeugs begleite. Das sei Neuland für die Branche: „Wir müssen von den Tech-Unternehmen lernen, wie man Software entwickelt, verwaltet und ausrollt.“

Der nächste Schritt sei die Anbindung der Fahrzeugtechnik an die Cloud („... völliges Neuland“). Denn künftig werden Applikationen für einige Funktionen nicht mehr im Fahrzeug integriert („onboard“) sein, sondern in das Internet ausgelagert („offboard“). „Das verändert ihre Organisation“, mahnte Fausten ein Umdenken beim Aufbau der Abteilungen an. Der Zulieferer Bosch hat kürzlich angekündigt, horizontale Verantwortlichkeiten für einzelne Technologien über die Divisionen hinweg einzuführen.

Fünf Stufen zum softwaredefinierten Fahrzeug

Ein Augenmerk legte Fausten auch auf die Hardware: Für einige Anwendungen wechselt die Branche momentan von Mikrocontrollern auf Mikroprozessoren. Die Hersteller von letzteren könnten mit der Risikoklassifizierung nach ISO 26262 (ASIL A bis D) nichts anfangen. Die Anforderung sei für Mikroprozessoren bisher nicht angewendet worden.

Zum Ende skizzierte Michael Fausten fünf Stufen auf dem Weg zum softwaredefinierten Fahrzeug:

  • 1. Wiederverwendung (z. B. Autosar, Linux, Software Stack ...)
  • 2. Neue Technologien einbinden (Software Container, Trigger Framework etc.)
  • 3. Wechsel von Safety-Domäne zu QM-Domäne (Safety-Guard-Ansatz, Software in QM-Domäne schreiben)
  • 4. Basis-Software-Layer vereinheitlichen (vom Hardware-first- zum kundenzentrierten Funktionalitäten-first-Denken, vollständig automatisierte Werkzeuge für DevOps-Ansatz)
  • 5. Softwaredefiniertes Fahrzeug (Zentralrechner statt vieler ECUs, Software passt sich dynamisch an verfügbare Hardware an)

Die Konferenz „Safety Week“

Die Safety Week ist am 23. Mai in Würzburg gestartet. Laut Veranstalter Carhs haben sich 350 Fachbesucher aus der Branche für das Konferenzprogramm („SafetyUpDate“, „Auto[nom]mobil“, „SafetyTesting Challenge“) und die dazugehörige Ausstellung angemeldet. An drei Tagen geht es um den Austausch von Wissen und Best Practices – nicht nur zur Sicherheitstechnik und zum autonomen Fahren, sondern insbesondere auch zu Regulatorik und Gesetzgebung. Das Fachmedium »Automobil Industrie« ist Medienpartner der Safety Week.

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