Audi Q7 V12 TDI Starkes Bekenntnis
Audi setzt mit einem 500 PS starken V12-Diesel ein dickes Ausrufezeichen hinter sein Bekenntnis zum Diesel. Was wollen die Ingolstädter mit diesem SUV? 368 kW/500 PS Leistung, 1.000 Nm Drehmoment, über 130.000 Euro Kaufpreis, Höchstgeschwindigkeit über 280 km/h: Für solche Extravaganz muss man sich rechtfertigen, denn dieser Motor ist keine Reaktion auf die Konkurrenz, da der VW-Konzern mit dem Q7-Schwestermodell Touareg V10 bzw. R50 die Spitze im Diesel-Segment stellt.
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Gerade deshalb ist dieser Q7 ein klares Bekenntnis zum Diesel - in einer Zeit, in der nach popuärer Ansicht dem Elektroantrieb die Zukunft gehört und der Hybrid als notwendiger Zwischenschritt figuriert. Im Rennsport setzt Audi ebenfalls auf den V12-Diesel; von einer direkten Ableitung läßt sich jedoch kaum sprechen. Lediglich das Common-Rail-Einspritzsystem weist Ähnlichkeiten auf.
Auf der Straße ist ein gewaltiger Sprung im Vergleich zu anderen Dieselmodellen zu verzeichnen. Dabei sind die 1.000 Nm nicht einmal das Ende der Fahnenstange. Deutlich mehr wäre möglich, aber der Haltbarkeit des mofizifierten ZF-HO32-Getriebes zuliebe wurde daruf verzichtet. Trotzdem reicht der Diesel immer noch an die Meßlatte heran, die Mercedes-AMG mit seinen 65er-Modellen gesetzt hat.
Pluspunkt Verbrauch
Hochgezüchteten Benzinern gegenüber hat dieser Q7 jedoch einen entscheidenden Vorteil - den Verbrauch. Zertifiziert ist er mit 11,3 Litern pro 100 Kilometer. Bei extrem forciertem Fahrstil können es auch knapp 20 Liter sein. Doch für 20 Liter muss man bei Konkurrenzmodellen wie dem Porsche Cayenne Turbo oder dem Range Rover V8 mit Kompressor das Gaspedal wie ein rohes Ei behandeln. „Stellen Sie sich mal vor, wir hätten einen starken Benziner an die Spitze der Baureihe gesetzt“, sagt ein Audi-Entwickler. Das Konzert der Kritiker wäre vermutlich ohrenbetäubend gewesen.
Zumindest hätte es diesen Q7 übertönt, obwohl er kein Leisetreter ist. Zwar surrt der Motor nähmaschinenartig unter der Haube. Doch bei Vollgas grollt und faucht der Wagen, dass es eine Art ist. Absicht, sagt Jürgen Krauth, verantwortlich für den Q7 V12 TDI. Zudem wurde das Fahrwerk straffer abgestimmt, die Lenkung direkter. Ein RS-Modell ist er trotzdem nicht. „Wir haben darüber nachgedacht“, sagt Krauth. Insgesamt sei der Q7 V12 TDI aber eher luxuriös betont als extrem sportlich.
Die Eckdaten hätten jedoch einer RS-Firmierung kaum im Wege gestanden: Die Nürburgring-Nordschleife haben Audi-Entwickler bereits in rund 8 Minuten und 50 Sekunden umrundet. 0-100 km/h liegen in 5,5 Sekunden an, auf 180 km/h ist er in 15,7 Sekunden. Theoretische Spitze ist 275 km/h, bei leicht veränderter Konfiguration wären es 283 km/h. Anbieten wird Audi das übrigens nicht. So können Mercedes ML 63 AMG und Porsche Cayenne Turbo auf freier Autobahn vorbeiziehen.
BMW hat nichts Vergleichbares
Aus München-Milbertshofen waren wiederum Zweifel gestreut worden, daß dieses Konkurrenzprojekt jemals in Serie gehen würde. Kein Wunder, hat man doch dort nichts Vergleichbares zu bieten: Gerade wurde der in geringen Stückzahlen hergestellte V8-Diesel mit dem Argument eingestellt, ebensolche Leistung könne ein Sechszylinder mit Biturbo bringen.
Das mag stimmen; doch gegen den V12-Biturbo, den Audi nach drei Jahren Entwicklungszeit vorgestellt hat, kann der beste Reihen-Sechszylinder nichts ausrichten. Kein Wunder, dass BMW dem Vernehmen nach ebenfalls wieder an vielzylindrigen Diesel-Konzepten arbeitet. Ob ein solcher V10 oder V12 jemals kommen wird, ist jedoch noch nicht entschieden.
Pikanterweise kommt der V12-Diesel zu einem Zeitpunkt, an dem Porsche dabei ist, seine bisher dezidiert dieselkritische Haltung neu zu definieren. Der Q7 steht auf der gleichen Plattform wie der Cayenne. Doch nachdem der VW-Aufsichtsrat nach der letzte Woche gefällten Entscheidung jedes Geschäft zwischen Audi und Porsche abzeichnen möchte, darf man davon ausgehen, dass der V12 TDI noch eine ganze Weile der Marke Audi exklusiv vorbehalten bleibt, anstatt etwa in den Cayenne oder Panamera zu wandern und dort Technik-Kompetenz darzustellen. Priorität dürfte momentan die Anpassung an andere Audi-Modelle genießen.
USA fehlt auf der Weltkarte
Der einzige SUV mit prestigeträchtigen 12 Zylindern ist der Q7 V12 TSI allerdings nicht: VW bietet im Touareg seit einiger Zeit einen W12-Saugmotor mit 450 PS an. Der Einstiegspreis von 130.600 Euro umfaßt unter anderem Keramikbremsen. Angeboten wird er nicht nur in Europa, sondern auch in Rußland oder im Mittleren Osten - nicht jedoch in den USA, wo eine Abgas-Nachbehandlung mit Harnstoff erforderlich wäre. Dort will man sich zunächst auf den entsprechend konfigurierten 3,0 TDI mit V6-Motor konzentrieren. Wenn die Amerikaner auf den Geschmack gekommen sind, kann Audi den V12 TDI immer noch anpassen.
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