E-Mobilität Tesla bestreitet Stellenabbau in Grünheide, Top-Manager gehen

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Der E-Autobauer will weltweit die Belegschaft verkleinern, weil der Absatz rückläufig ist. Die deutsche Politik ist alarmiert, während Tesla beschwichtigt. Zwei Top-Manager verlassen das Unternehmen.

In Grünheide läuft die Produktion wieder, doch jetzt steht ein größerer Personalabbau im Raum.(Bild:  Grimm – VCG)
In Grünheide läuft die Produktion wieder, doch jetzt steht ein größerer Personalabbau im Raum.
(Bild: Grimm – VCG)

Die Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk, die Belegschaft des E-Autobauers um 10 Prozent zu verschlanken, hat für erhebliche Diskussionen um den Standort in Grünheide gesorgt. Zwischenzeitlich war die Rede davon, dass das Werk in Brandenburg, das jüngst Ziel eines Brandanschlags wurde, bis zu 3.000 seiner gut 12.000 Stellen verlieren könnte. Echte Fakten liegen dazu noch nicht auf dem Tisch, das Ausmaß der Einschnitte für das einzige europäische Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin blieb zunächst offen.

Eine Unternehmenssprecherin teilte am Dienstag aber mit, die in Medienberichten genannte Zahl von 3.000 betroffenen Stelle „entbehrt jeder Grundlage“. Dirk Schulze, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, sagte auf Anfrage der „DPA“: „Bisher gibt es jede Menge Gerüchte und eine Absichtserklärung von der Konzernzentrale, dass über 10 Prozent des Personals abgebaut werden soll – global. Was das für Grünheide bedeutet, dazu hat selbst der Betriebsrat noch keine Information.“

Brandenburgs Wirtschafts- und Arbeitsminister Jörg Steinbach (SPD) geht allerdings von einem weitaus geringeren Personalabbau in Grünheide aus. Er stehe mit dem Unternehmen im Kontakt, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur. „Wenn es zu einem Stellenabbau bei Tesla in Grünheide kommen sollte, dürfte sich die Zahl der Stellen nach unseren Informationen nicht um 3.000 bewegen, sondern signifikant niedriger ausfallen.“ Grundsätzlich werde aber „der Einbruch beim Absatz von Elektroautos in Deutschland und Europa auch an einem Marktführer wie Tesla nicht spurlos vorübergehen“.

Tesla selbst hat inzwischen bestätigt, auch in seinem einzigen europäischen Werk einen Stellenabbau zu prüfen. Zum angekündigten Stellenabbau hieß es: „Diese Maßnahme prüfen wir und werden sie für die Gigafactory Berlin-Brandenburg vor dem Hintergrund aller arbeitsrechtlichen und mitbestimmungspflichtigen Erfordernisse unter Einbeziehung des Betriebsrates verfolgen.“ Die Landesregierung in Brandenburg sieht die Gigafactory als Zugpferd für das regionale Wirtschaftswachstum. Landespolitiker forderten den E-Auto-Hersteller am Dienstag auch auf, rasch für Klarheit darüber zu sorgen, wie viele Jobs voraussichtlich gestrichen werden sollen.

Die Opposition im brandenburgischen Landtag forderte zudem die Landesregierung angesichts der Spekulationen zum Handeln auf. Von der FDP hieß es, Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) müsse „den nächsten Flieger nach Los Angeles nehmen, um mit Elon Musk über die Rettung von Arbeitsplätzen in Brandenburg zu sprechen. Alle anderen Termine und Verpflichtungen müssen jetzt hintenanstehen.“ Die Linksfraktion monierte, das „Kuscheln mit Musk“ habe in eine gefährliche Abhängigkeit geführt.

Zuletzt lösten Pläne von Tesla für eine Erweiterung der Fabrik Streit aus. Zudem hatte ein Anschlag auf die Stromversorgung des Autowerks für Verunsicherung gesorgt. Bei einem Besuch der Fabrik in Grünheide hatte Tesla-Chef Musk im März gesagt, dass er an Ausbauplänen festhalte. Umweltgruppen protestieren unterdessen weiter gegen den E-Autobauer: Einige Aktivisten halten seit Ende Februar ein Waldstück in der Nähe der Fabrik in Grünheide besetzt und campieren in Baumhäusern.

Top-Manager gehen

Sicher ist, dass Tesla derzeit die E-Auto-Flaute in Europa sowie den harten Preiskampf im größten Automarkt China zu spüren und hat im ersten Quartal weltweit mit fast 387.000 Autos überraschend weniger Fahrzeuge ausgeliefert als ein Jahr zuvor (423.000). Schon davor hatten sich nach den jahrelang starken Zuwächsen bereits Zweifel am Wachstumstempo im Elektroautomarkt gemehrt.

Mitten in die Diskussion um den Stellenabbau wurde bekannt, dass an der Tesla-Spitze personelle Veränderungen anstehen. Am Montag gab Top-Manager Drew Baglino bekannt, dass er beschlossen habe, Tesla zu verlassen. Baglino, der 2006 bei Tesla anfing, spielte zuletzt eine Schlüsselrolle als Verantwortlicher für Batterien und Motoren. Politikchef Rohan Patel gehe ebenfalls, berichtet zudem der Finanzdienst Bloomberg.

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