Das Start-up Theion hat eine Geldspritze von 15 Millionen Euro erhalten. CEO Ulrich Ehmes will damit die Entwicklung der nächsten Generation von Kristallschwefel-Batterien vorantreiben.
Theion-CEO Ulrich Ehmes: „Wir haben noch ein Stück Weg vor uns, aber unsere Innovation kann die Welt verändern.“
(Bild: Theion)
Herr Ehmes, Glückwunsch zur erfolgreichen Finanzierungsrunde! Welche Bedeutung hat diese für Theion?
Ulrich Ehmes: Vielen Dank! Der Abschluss dieser Finanzierungsrunde ist ein großer Meilenstein für uns – aus zwei zentralen Gründen: Erstens beschleunigt das Investment die Entwicklung unserer innovativen Kristallschwefel-Batterie erheblich. Nachdem wir bereits erfolgreiche Tests mit Knopfzellen durchgeführt haben, werden wir nun die nächste Stufe angehen: die Integration unserer Technologie in eine leistungsfähige Pouchzelle. Zweitens freuen wir uns sehr, dass wir mit Team Global, Enpal und der Geschwister Oetker Beteiligungen namhafte Investoren gewinnen konnten. Das Engagement zeigt uns, dass wir mit unserer Batterie nicht nur technologisch auf dem richtigen Weg sind, sondern auch Investoren von ihrer Relevanz für die Energiewende überzeugen konnten.
Was unterscheidet Ihre Kristallschwefel-Batterie von herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien?
Der Schlüssel liegt in den verwendeten Materialien. Unser Ziel ist es, eine Batterie zu entwickeln, die nur ein Drittel des Gewichts, der Kosten und des CO2-Fußabdrucks herkömmlicher Lithium-Ionen-Batterien hat. Dazu ersetzen wir kritische und teure Rohstoffe wie Nickel, Mangan, Kobalt oder Eisenphosphat durch Schwefel – ein Nebenprodukt industrieller Prozesse, das in großen Mengen verfügbar, günstig und extrem leicht ist. Durch die kristalline Struktur, die wir für unsere Batterie optimiert haben, ermöglichen wir eine besonders effiziente und langlebige Energieaufnahme und -abgabe. Unsere Technologie erfordert zudem neuartige Produktionsverfahren, die wir zum Patent angemeldet haben. Sie unterscheiden sich grundlegend von der Herstellung herkömmlicher Batterien und ermöglichen den großflächigen Einsatz von Schwefel als Kathodenmaterial. Wir wollen Batterien wesentlich nachhaltiger und erschwinglich für jedermann machen, und damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.
Battery Manufacturing Day
Nach einer sehr erfolgreichen Erstausgabe wird der „Battery Manufacturing Day“ auch in diesem Jahr ein Podium sein, um sich über neue Entwicklungen der Batterieproduktion auszutauschen.
Welche Branchen werden Ihre Technologie zuerst einsetzen und wann rechnen Sie damit?
Der globale Bedarf an Batteriezellen wird sich von circa eine Terawattstunde im Jahr 2024 auf etwa acht TWh im Jahr 2030 vervielfachen – ein Markt, der bis dahin auf etwa 500 Milliarden Euro anwachsen dürfte. Die Elektromobilität zu Land wird mit einem geschätzten Volumen von 340 Milliarden Euro der größte Abnehmer sein, gefolgt von stationären Energiespeichern mit etwa 175 Milliarden Euro. Auch Zukunftsmärkte wie das elektrische Fliegen werden stark wachsen – und genau hier spielt unser Leichtbau-Vorteil eine entscheidende Rolle. Deshalb fokussieren wir uns zunächst auf Anwendungen in der Luft- und Landmobilität. Der Weg bis zum Einsatz in Endprodukten wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, aber mit den richtigen Partnern können wir diesen Prozess beschleunigen.
Sie versprechen ein Drittel der Kosten und des Gewichts – wie wollen Sie das erreichen?
Die größten Kostenfaktoren bei Batterien sind die Materialien – sie machen etwa 70 Prozent der Produktionskosten aus. Allein das Kathodenmaterial trägt mit etwa 50 Prozent dazu bei. Unser Ansatz: Der leichte Schwefel kostet nur etwa 20 Cent pro Kilogramm, während Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid (NMC) rund 20 Euro und Eisenphosphat (LFP) etwa acht Euro pro Kilogramm kosten. Der Einsatz von Schwefel als Kathodenmaterial führt daher zu einer signifikanten Kostenreduktion.
Hinzu kommt die hohe Energiedichte: Schwefel speichert rund fünfmal mehr Energie pro Gewichtseinheit als NMC und etwa siebenmal mehr als LFP. Durch die Kombination mit unserer leichten, patentierten Lithium-Metall-Host-Anode anstelle von schwerem Graphit ermöglichen wir Batterien, die nur noch ein Drittel des bisherigen Gewichts haben – bei gleicher Speicherkapazität. Letztlich führt nur ein kompletter Materialwechsel zu einer nachhaltigen Verbesserung von Kosten, Gewicht und Umweltbilanz. Unsere speziell entwickelten Produktionsprozesse sind genau darauf ausgelegt.
Mit welchen Argumenten möchten Sie den Batterieherstellern, vor allem aus Asien, Paroli bieten?
Wir setzen auf drei entscheidende Vorteile: niedrigere Kosten, geringeres Gewicht und eine nachhaltigere Produktion. Ein zentraler Punkt ist unsere regionale und geopolitisch unabhängige Lieferkette. Während viele Hersteller auf Rohstoffe wie Nickel oder Kobalt angewiesen sind, nutzen wir Schwefel, der weltweit in großen Mengen verfügbar ist. Dadurch vermeiden wir Lieferengpässe und geopolitische Risiken. Langfristig glauben wir, dass genau diese Faktoren – Kostenersparnis, Gewichtsvorteil und Nachhaltigkeit – der Schlüssel sein werden, um uns erfolgreich im Wettbewerb zu positionieren.
Wie kann Ihre Technik dazu beitragen den CO2-Fußabdruck von Elektrofahrzeugen zu verbessern?
Da Schwefel ein industrielles Nebenprodukt ist, entfällt die energieintensive Rohstoffgewinnung durch Bergbau, lange Transportwege und aufwendige Vorverarbeitung. Allein dadurch sparen wir bereits über zwei Drittel der sonst üblichen Energie ein. Zudem ermöglicht unsere Technologie eine nachhaltigere Batteriefertigung mit einem deutlich geringeren Ressourceneinsatz. Das verringert den CO2-Fußabdruck erheblich. Ein weiterer Vorteil: Das reduzierte Batteriegewicht senkt das Gesamtgewicht von Elektrofahrzeugen deutlich – und damit auch deren Energieverbrauch und Emissionen im Fahrbetrieb.
Bildergalerie
Deutschland und Europa setzen auf technologische Souveränität im Batteriesektor. Welche Rolle kann Ihre Batterie diesbezüglich einnehmen?
Die heute verwendeten Lithium-Ionen-Batterien wurden vor gut 30 Jahr für tragbare Geräte wie Camcorder entwickelt, also komplett andere Anwendungen. Jetzt ist es in der Mobilität an der Zeit für einen echten disruptiven Technologiesprung. Durch den Einsatz von Schwefel als Kathodenmaterial können wir Batterien mit einem Drittel des bisherigen Gewichts, der Kosten und des CO2-Fußabdrucks realisieren. Unser Ziel ist es, Deutschland und Europa unabhängiger von außereuropäischen Rohstoffen zu machen und eine nachhaltige Wertschöpfungskette auf dem Kontinent aufzubauen. Laut dem „Battery Report 2024“ der Volta Foundation sind wir aktuell das einzige europäische Start-up, das Kristallschwefel-Batterien entwickelt. Das zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg – und bereit, einen entscheidenden Beitrag zur nächsten Generation der Batterietechnologie zu leisten.
Stand: 08.12.2025
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Hintergrund
Weltweit arbeiten unterschiedliche Startups an Schwefel-Technologien für Batterien. Theion ist nach eigenen Angaben jedoch der Einzige, der auf die Kristallform von Schwefel setzt, und zudem der einzige stark finanzierte Spieler aus Europa. Der limitierende Faktor solcher Batterien ist bisher die Zyklen-Lebensdauer: Um wirtschaftlich rentabel zu sein, müssen Schwefelbatterien über 1.000 Zyklen erreichen. Hier kommt die innovative Technologie von Theion ins Spiel; sie basiert dem Unternehmen zufolge auf der monoklinischen Gamma-Kristallstruktur von Schwefel. Zusammen mit patentierten Verfahren lege sie den Grundstein für die Verlängerung der Batterielebensdauer.