Plagiatsvorwurf Tyn-E und Electric Brands streiten um Designrechte

Von Yvonne Simon 3 min Lesedauer

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Das schwäbische Unternehmen Tyn-E wirft Electric Brands vor, mit dem geplanten X-Bus S ein Plagiat auf den Markt zu bringen. Electric Brands widerspricht.

Tyn-E hat die ersten Fahrzeuge in Waiblingen zugelassen. Das Unternehmen wirft Electric Brands vor, ein Plagiat auf den Markt zu bringen.(Bild:  Tyn-E GmbH)
Tyn-E hat die ersten Fahrzeuge in Waiblingen zugelassen. Das Unternehmen wirft Electric Brands vor, ein Plagiat auf den Markt zu bringen.
(Bild: Tyn-E GmbH)

Rund um Electric Brands überschlagen sich die Ereignisse. Das Unternehmen aus Eppertshausen hatte Ende Januar Insolvenz in Eigenregie angemeldet und seinem Händlernetz in dem Zuge angekündigt, in den nächsten Monaten ein Leichtfahrzeug auf den Markt zubringen: Der X-Bus S soll eine kleinere Nutzfahrzeug-Variante des X-Bus sein und in China gefertigt werden. Der X-Bus selbst soll dann erst im Jahr 2025 in den Niederlanden beim Auftragsfertiger VDL Nedcar vom Band laufen. Charakteristisch für beide Fahrzeuge ist die Fahrzeugfront mit runden Scheinwerfern.

Nun wirft das schwäbische Unternehmen Tyn-E Electric Brands vor, beim X-Bus S handele es sich um ein Plagiat des kleinen Transporters Tyn-E TX2, der bei den Waiblingern in den Startlöchern steht. Geschäftsführer Markus Graf sagt: „Wir weisen darauf hin, dass bei dem Fahrzeug unter der Bezeichnung X-Bus S grundlegende Design- und Rechteverletzungen vorliegen.“

Das Gemeinschaftsgeschmackmuster für Europa liege bei der Tyn-E GmbH. „Diese Verletzung von EU-Recht werden wir gerichtlich anzeigen und selbstverständlich einen Verkauf eines X-Bus S E-Transporters im Zweifel gerichtlich untersagen lassen und natürlich behalten wir uns Schadenersatzansprüche gegenüber Electric Brands AG vor.“

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Verschiedene Fahrzeugklassen

Hinter der Tyn-E GmbH stehen zwei Unternehmen: Die Share X Mobility AG aus Waiblingen sowie Weber Mobility, eine Tochter der Weber Holding, zu der auch der Automobilzulieferer Albert Weber GmbH gehört. Tyn-E entwickelt nach eigenen Angaben seit Ende 2021 leichte E-Fahrzeuge. Anfang 2024 habe man die ersten Vorserien-Fahrzeuge der Modelle TX1 (Van) und TX2 (Pritsche/Box) offiziell zugelassen. Inzwischen sei die Serienproduktion angelaufen.

Electric Brands reagierte auf die Vorwürfe und erklärt, dass es sich bei Tyn-E um Fahrzeuge der Klasse N1 handele, der X-Bus S hingegen starte in der L7e-Klasse. Zudem sei die Front des X-Bus im September 2019 als Geschmacksmuster beim Deutschen Marken- und Patentamt hinterlegt worden. Man verfolge die Aktivitäten von Tyn-E, heißt es seitens Electric Brands. Warum man bezüglich der Rechte am Design trotz Bedenken dann nicht früher aktiv wurde, erklärt das Unternehmen folgendermaßen: „Wir sahen uns aufgrund der Tatsache, dass es sich hier erstens nicht um Leichtfahrzeuge handelt und zweitens keine Verkäufe stattfinden, nicht dazu genötigt, kommunikative oder rechtliche Schritte einzuleiten.“

In China schon auf den Straßen

Electric Brands arbeitet nach eigenen Angaben seit 2023 mit dem Auftragsfertiger Horche Intelligent Automobile Co. Ltd. Mit jenem habe man basierend auf einem bestehenden Modell ein Leichtfahrzeug der L7e-Klasse entwickelt und in Auftrag gegeben. Dieses soll als X-Bus S „zum exklusiven Vertrieb ab August 2024 bei unseren Agenturpartnern zur Verfügung stehen“. Der Produktionspartner nutze das Design des X-Bus „mit unserer ausdrücklichen Genehmigung und stellt mit uns gemeinsam ein Produkt her, das dem Design und dem Anspruch der Leichtfahrzeugfamilie der Electric Brands AG entspricht“.

Auch Tyn-E baut die Fahrzeuge nicht selbst, sondern kooperiert mit dem chinesischen Hersteller von Elektrotransportern Juzhen. Fest steht, dass die Fahrzeuge in China schon auf den Straßen sind. Dort heißen sie Chengshi X2 beziehungsweise Matrix X2 (siehe Bildergalerie).

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Tyn-E wandte sich mit dem Plagiatsvorwurf nicht nur an die Presse, sondern schrieb auch direkt die Händler von Electric Brands an. In den Schreiben werben die Schwaben offen um die Autohäuser. Die Zahl der Partner ist groß: Electric Brands hat in Europa 800 Vertragspartner, davon 300 in Deutschland. Die Händler investierten um die 10.000 Euro, um sich ein Marktgebiet zu sichern.

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