Nutzfahrzeuge

US-Trucks: Faszination und Rechenschieber

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Aerodynamik selbst gemacht

Dafür treibt Henry allerdings einen gewaltigen Aufwand. Er hat nicht nur seien Truck aufwändig modifiziert und den Luftwiderstand mit verkleideten Felgen, Schlitzen in den Schmutzfängern und sogar dem Versetzen des Kennzeichens reduziert. Er studiert während der Fahrt auch online alle Spritpreise und kalkuliert seine Reise im Hinterkopf permanent neu. Während die Kollegen beim Tanken zusammenstehen, einen Kaffee trinken und die jüngsten Sportergebnisse diskutieren, sitzt er deshalb mit seinen Tabellen im Cockpit und hackt auf dem Taschenrechner herum. So wird der King oft he Road zum Regenten mit Rechenschieber.

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Erfolgsrezept Tempolimit

Und vor allem hat Henry seinen ganz eigenen Fahrstil: So lässt er sich mit stoischer Geduld von den anderen Truckern anhupen, wenn er mal wieder weit unterhalb des Tempolimits fährt, weil alles andere nur Sprit kostet. „Überhol doch!“, ruft er dann genervt den vermeintlichen Rasern hinterher und regelt seinen Tempomaten zum Trotz gleich noch ein bisschen runter. Anders als bei uns liegt in Amerika das Tempolimit je nach Bundestaat zum Teil bei weit über 120 km/h. Und 160 Sachen würde Henry seinem Cascadia locker zutrauen. „Aber schneller als 65, höchstens 70 Meilen (rund 113 km/h) die Stunde fahre ich nicht“, sagt er kategorisch „Fünf Meilen mehr Tempo kosten mich pro Woche schließlich bis zu 500 Dollar mehr Sprit“, rechnet er vor.

Ein Arbeitstag hat 14 Stunden

Seinen eigenen Fahrstil kann sich Henry allerdings nur leisten, weil das Truckern in Amerika mit dem Fernfahren in Europa nicht viel gemein hat: Dass Henry weitgehend Herr seiner Zeit ist und sein Tempo nach der Tank- und nicht nach der Armbanduhr ausrichten kann, verdankt er nicht nur der geschickten Routen- und Auftragsplanung, die er von unterwegs am Telefon organisiert. Im Vergleich zu seinen europäischen Kollegen hat er es auch deutlich leichter im Verkehr. Das Staurisiko geht auf seinen Strecken gen null. „Wenn ich dem Tempomat auf 60 Meilen stelle, dann habe ich nach einer Stunde deshalb auch genau 60 Meilen runter“, sagt er mit viel Mitleid über seine geplagten Kollegen in Europa. Die bei uns mittlerweile schon krampfhafte Suche nach einem freien Stellplatz für Pausen und Übernachtungen kennt er nicht einmal vom Hörensagen. Und seine Lenk- und Ruhezeiten sind fast schon paradiesisch: „Ein Arbeitstag darf maximal 14 Stunden dauern und davon kann man elf Stunden am Steuer sitzen“, erzählt Henry. Und statt einer unbestechlichen Elektronik protokolliert das der Trucker auf einem besseren Notizzettel kurzerhand selbst. „Da fällt es leicht, sich den besten und sparsamsten Weg zurechtzulegen“.

Spitzenverdiener dank geringem Verbrauch

Henry geht es dabei weniger um sein Gewissen gegenüber der Umwelt, sondern schlicht ums Geld: Wenn man sein eigener Chef ist und jede Tankfüllung schnell an die 2.000 Dollar kostet, dann sollte man nicht mit dem rechten Fuß, sondern vor allem mit dem Gehirn arbeiten, sagt der Trucker, der jetzt schon seit bald 30 Jahren auf dem Bock sitzt. „Dann bleibt einfach mehr hängen“, rät Henry seinen Kollegen und schreibt darüber regelmäßig in seinem Blog. Wenn man ihm glauben darf, zahlt sich das aus: Wo andere Trucker im Schnitt mit 40.000 bis 60.000 Dollar pro Jahr nach Hause kommen, gehört er mit seinen 100.000 Dollar zu den Spitzenverdienern.

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