Continental und Wabco Von 80 auf Null in 30 Metern
Den Autozulieferern Continental und Wabco ist es nach eigenen Angaben gelungen, den Bremsweg von schweren Lastwagen um ein Viertel zu verkürzen.
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30 Meter Bremsweg mit einem 40-Tonner sind möglich. Das ist das wesentliche Ergebnis einer Studie, die jetzt gemeinsam von den beiden in Hannover angesiedelten Unternehmen Continental und Wabco vorgestellt wurde. Die Kombination aus modifizierten Reifen und verstärkter Bremsentechnik, gepaart mit elektronisch geregelten Stoßdämpfern, hat in Versuchen mit einem Testfahrzeug Bremswege um die 30 Metern ergeben.
Das parallel dazu vollgebremste Serienfahrzeug stand erst nach 38 Metern. Durchgeführt wurden die Versuche mit zwei von Daimler-Chrysler zur Verfügung gestellten Mercedes-Benz Actros, einem Serienexemplar und einem durch Conti und Wabco modifizierten Laster.
Die Verkürzung des Bremswegs von den heute für Großserienfahrzeuge unter besten Bedingungen erreichbaren 38 Metern aus 80 km/h auf 30 Meter gelingt nicht allein durch Modifikationen einer einzelnen Fahrzeugkomponente. Dazu ist einiges mehr nötig: Reifen, Bremsanlage und auch das Fahrwerk (Federung/Dämpfung) müssen ihren Teil zum Endergebnis beitragen.
Nur so ist ein signifikantes Plus für die Verkehrssicherheit überhaupt darzustellen - immerhin ist ein "normal" verzögernder Sattelzug an jenem Punkt, an dem Conti-Wabcos 30-Meter-Prototyp zum Stehen kommt, noch mit 36 km/h unterwegs.
Dennoch kommt dem Reifen bei der Verkürzung des Bremsweges zentrale Bedeutung zu, denn er allein stellt den Kontakt zwischen Fahrzeug und Fahrbahn her. So bringt der verwendete Konzeptreifen zunächst einmal allein deshalb mehr Gummi auf die Straße, weil die Größe 385/55-22,5 an der Vorderachse und 495/45-22,5 an der Antriebsachse gewählt wurde.
Das Serienfahrzeug muss mit den deutlich schmaleren 315/70-22,5 (hinten als Zwilling) auskommen. Darüber hinaus wurden Profil und Unterbau des Konzeptpneus nachhaltig verändert. Allerdings: Alltags- und damit serientauglich ist der Wunderbremsreifen noch nicht. So erfüllt er zum Beispiel noch nicht alle Anforderungen an Rollwiderstand, Gewicht, Verschleißfestigkeit, Abroll- und Geräuschkomfort in dem Maße, wie es ein hochklassiges Serienprodukt von heute tut.
Doch etwaige Defizite sollen optimiert werden, bis zumindest der hohe Standard heutiger Reifentechnik erreicht ist. Bremsseitig gehen die Modifikationen bis hin zu veränderten Algorithmen für die ABS-Regelung. Eingriffe sind an vielen Stellen erfolgt: So wurde die Bremsanlage durch ein modifiziertes Druckniveau und größere Bremszylinder an höhere Anforderungen angepasst werden.
Auch eine um eine Dämpferregelung ergänzte Luftfederung verbessert den Fahrbahnkontakt der Räder und hilft somit bei der Verkürzung der Bremswege. Mit zusätzlichen Änderungen der Software für die ABS-Regelung, angepasst an die höheren Reibkräfte der Reifen und optimiert in der Kraftschlussausnutzung, wird dann kein Bremsweg mehr verschenkt.
Ob das neue System in Serie geht, hängt nach Angaben der Hersteller von den Kunden und der öffentlichen Meinung ab. "Ohne den Druck der Öffentlichkeit und der Versicherer können wir diese Studie nicht durchsetzen", sagte Holger Hoffmann, Projektleiter auf Conti-Seite. Auch die Nutzfahrzeughersteller müssten mitziehen.
Eine Einführung wäre sicherlich mit höheren Kosten für die Kunden verbunden, diese seien aber noch nicht kalkulierbar. Der Konzeptreifen, der in den Tests Verwendung fand, werde wirtschaftlichen Kriterien der Spediteure sicherlich noch nicht gerecht, gaben die Verantwortlichen unumwunden zu. Ziel der Studie sei es gewesen, das derzeit physikalisch Machbare zu demonstrieren.