Der Wolfsburger Konzern hat trotz vermeintlich schwieriger Rahmenbedingungen im ersten Quartal starke Zahlen geliefert. Doch der Halbleiter-Engpass könnte zum Zünglein an der Waage werden.
Volkswagen hebt nach einem starken ersten Quartal die Erwartungen für das Gesamtjahr 2021 an.
(Bild: Volkswagen)
Volkswagen hat ein starkes erstes Quartal 2021 hinter sich. Mehr Absatz, mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Rendite – in allen relevanten Kennzahlen steigerte sich der Automobilhersteller im Vergleich zum allerdings auch schwachen Vorjahr teils deutlich zu. Und das, obwohl die Branche weiter mit Folgen der Corona-Pandemie und des Halbleiter-Mangels kämpft.
Letzterer führte zuletzt auch in mehreren Volkswagen-Werken zu Kurzarbeit. Rund 100.000 geplante Fahrzeuge fielen der Situation in Q1 zum Opfer. Dennoch konnte der Konzern die Produktion in den ersten drei Monaten des Jahres mit gut 2,3 Millionen hergestellten Einheiten im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich steigern (+16 %). Damals hatte Volkswagen im Zuge des ersten Corona-Lockdowns viele Werke allerdings auch zeitweise heruntergefahren.
Im weiteren Jahresverlauf ist noch viel von uns zu erwarten.
Herbert Diess
Chipmangel dürfte im zweiten Quartal härter einschlagen
Für den weiteren Jahresverlauf warnte Volkswagen-Finanzvorstand Arno Antlitz allerdings vor den Folgen der Chip-Engpässe: „Die Unterversorgung mit Halbleitern in der gesamten Industrie wird im zweiten Quartal voraussichtlich etwas deutlichere Auswirkungen haben als bisher“, kündigte er an. Volkswagen kämpfe um jedes Auto, es gebe eine eigene Task Force für das Thema. Zugleich befinde man sich ständig im Austausch mit Chipherstellern. Für die Zukunft peile man längerfristige Verträge an als bislang. Die aktuelle Situation will der Konzern unter anderem durch höhere Lagerbestände abfedern. Das erhöht zwar die Kosten, soll aber immer noch günstiger sein als Produktionsstopps.
Mit gut 2,4 Millionen weltweit ausgelieferten Neuwagen steigerte Volkswagen seine Verkaufszahlen gegenüber dem ersten Quartal 2020 um gut 20 Prozent. Ganz auf Vorkrisenniveau bewegt sich das Unternehmen damit aber noch nicht: 2019 waren es in den ersten drei Monaten noch gut 2,6 Millionen Fahrzeuge gewesen.
Noch keine allzu große Rolle spielen im globalen Absatz-Kontext bei Volkswagen elektrifizierte Modelle. Von den 2,4 Millionen ausgelieferten Autos waren gerade einmal knapp 60.000 reine E-Autos und knapp 75.000 Plug-in-Hybride. Damit konnte der Konzern die Zahlen jener Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum allerdings mehr als verdoppeln.
Weltweit erreichten die Wolfsburger nach eigenen Angaben in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 einen Marktanteil von 12 Prozent. Eine wesentliche Rolle für die Vertriebserfolge spielte einmal mehr der chinesische Markt: Dort konnte Volkswagen im Vergleich zum Vorjahr am stärksten zulegen (+61 %).
Das sind die Gründe für die guten Zahlen
Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal (55 Mrd. Euro) deutlich auf über 62 Milliarden Euro. Damit übertraf Volkswagen sogar den Wert aus Q1 2019 (60 Mrd. Euro). Auch das operative Ergebnis fiel mit 4,8 Milliarden Euro stark aus (Q1 2020: 0,9 Mrd.). Mit einer Rendite von 7,7 Prozent (2020: 1,6 %) dürfte man in Wolfsburg zufrieden sein. Das Ergebnis vor Steuern betrug 4,5 Milliarden Euro, nach Abzügen blieben 3,4 Milliarden Euro übrig. Und auch beim Netto-cash-flow erreichte der Autobauer mit 5,5 Milliarden Euro ein hohes Niveau. Damit erhöhte sich Volkswagens Liquidität auf 30 Milliarden Euro.
Als Hauptursachen für die gute Bilanz nannte der Konzern den höheren Absatz, den Verkauf margenstärkerer Autos, positive Effekte aus der Bewertung von Rohstoffsicherungen und erste Erfolge aus dem eigenen Fixkostenprogramm. In die interne Restrukturierung steckte Volkswagen nach eigenen Angaben im ersten Quartal 400 Millionen Euro.
Für den weiteren Jahresverlauf zeigt man sich in Wolfsburg selbstbewusst. Der Konzern hob am Donnerstag (6. Mai) seine Prognose für das Gesamtjahr an. Die Auslieferungen will der Automobilhersteller nun deutlich gegenüber 2020 steigern. Auch finanziell soll sich das stark bemerkbar machen. Die operative Rendite soll letztlich zwischen 5,5 und 7 Prozent liegen.
CEO Herbert Diess erklärte in einer Mitteilung, man sei mit viel Momentum ins Jahr gestartet. „Gleichzeitig treiben wir unsere Transformation zum klimaneutralen und softwaregetriebenen Mobilitätskonzern weiter entschlossen voran. Unsere erfolgreiche E-Offensive nimmt weiter Fahrt auf und wir haben sie mit attraktiven neuen Modellen deutlich ausgebaut“, so der Konzernchef. Auch bei der Digitalisierung sei man auf einem guten Weg. „Im weiteren Jahresverlauf ist noch viel von uns zu erwarten“, kündigte Diess an.
Stand: 08.12.2025
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