Stellenabbau Proteste bei ZF Friedrichshafen gegen weitere Sparmaßnahmen

Von dpa/thg 2 min Lesedauer

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Der Betriebsrat bei ZF Friedrichshafen plant einen Protestmarsch gegen die Sparmaßnahmen des Zulieferers – vor allem neu angekündigte, die offenbar betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen.

Der Betriebsrat bei ZF Friedrichshafen plant Proteste gegen weitere Sparmaßnahmen.(Bild:  ZF Friedrichshafen)
Der Betriebsrat bei ZF Friedrichshafen plant Proteste gegen weitere Sparmaßnahmen.
(Bild: ZF Friedrichshafen)

Der Betriebsrat des in tiefroten Zahlen steckenden Autozulieferers ZF will gegen weitere Sparmaßnahmen protestieren. Am 29. Juli seien ein Marsch und eine Kundgebung mit5.000 Beschäftigten vor der Konzernzentrale in Friedrichshafen am Bodensee geplant. Das sagte ein Sprecher des Betriebsrats. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet. Der Widerstand richte sich laut des Sprechers gegen die Chefetage, die Kürzungen bei übertariflichen Leistungen angekündigt habe. Der Protest sei am Tag der Aufsichtsratssitzung geplant.

„Die zusätzlichen Einschnitte kommen aus heiterem Himmel, das Vertrauen in den Vorstand ist erschüttert“, sagte Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich dem Handelsblatt und weiteren Medien am Dienstag (15. Juli) nach einer unterbrochenen Betriebsversammlung in der Messe Friedrichshafen. Dort wurden seiner Aussage nach drastische Sparmaßnahmen für die Nutzfahrzeugsparte vorgestellt.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert Finanzchef Michael Frick aus einem Interview der Wirtschaftswoche mit den Worten: „Wir liegen unter unseren Prognosen.“ Es gebe Anzeichen dafür, dass in der zweiten Jahreshälfte weltweit noch weniger Autos produziert würden. „Natürlich wird ZF dann weitere Kostensenkungsmaßnahmen ergreifen müssen“, fügte er laut der Agentur hinzu.

„Wollen nicht mehr für Managementfehler bezahlen“

Laut Betriebsratssprecher sollen Tausende Mitarbeiter auf Geld verzichten. „Wir sehen es nicht mehr ein, für Managementfehler zu bezahlen, ohne dass uns eine tragfähige Perspektive für den Standort Friedrichshafen präsentiert wird“, sagte der Sprecher. Um betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen, hatte ZF an den Standorten Schweinfurt und Friedrichshafen die Arbeitszeit verkürzt, bei entsprechend geringerem Gehalt. In Friedrichshafen galt seit Mitte Mai für die Zentralbereiche eine wöchentliche Arbeitszeit von 32,5 Stunden – seit 1. Juni sind es 31,5 Stunden. Die Vereinbarung gilt bis Ende März 2026. Betroffen sind 2.800 Beschäftigte. Führungskräfte würden laut ZF eine Entgelterhöhung aussetzen.

Am Standort Schweinfurt arbeiteten die Beschäftigten seit Dezember 2024 nur 32,5 Stunden pro Woche, statt 35. Die Vereinbarung ist Ende Juni ausgelaufen. Der Betriebsrat lehnt laut der Wirtschaftswoche eine Verlängerung ab. Laut des Betriebsratsvorsitzenden Oliver Moll könnte es ohne Einigung zu mindestens 650 betriebsbedingten Kündigungen kommen.

Management reagiert mit Unverständnis

Das Unternehmen reagierte mit Unverständnis. „Die ZF-Belegschaft weiß, dass ZF auf das schwierige wirtschaftliche und geopolitische Umfeld mit weiteren Einschnitten reagieren muss“, sagte ein Konzernsprecher auf Anfrage. Welcher Art diese Einschnitte seien, werde mit der Arbeitnehmervertretung besprochen.

Der Sprecher betonte, „je mehr weiche Personalmaßnahmen wie etwa Arbeitszeitabsenkung wir vereinbaren können, desto eher werden wir betriebsbedingte Kündigungen vermeiden können“. Dass Stellen reduziert werden müssten, sei schon vor Jahren klar kommuniziert worden. „Auch im Juli 2024 war dies Gegenstand der Kommunikation zur Neustrukturierung in Deutschland.“ Bis Ende 2028 will das Unternehmen bis zu 14.000 Stellen in Deutschland streichen. Das wäre jeder vierte Arbeitsplatz im Land; 5700 seien seit Anfang 2024 schon entfallen.

„Die ZF rettet man nicht durch Sparen“

„Die ZF rettet man nicht durch Sparen, so kommen wir nicht aus dem Abwärtsstrudel“, sagte Achim Dietrich. Am Monatsende legt ZF seine Halbjahreszahlen vor. ZF, einer der weltweit größten Automobilzulieferer, hatte im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen geschrieben. Der Verlust hatte knapp über eine Milliarde Euro betragen. Im Jahr 2023 hatte der Konzern unter dem Strich noch 126 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet.

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