Tradition

25 Jahre Renault 19

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Entwicklungskosten: rund zwei Milliarden Mark

Fast zwei Milliarden Mark ließ sich Renault die Nummer 19 kosten, die im Sommer 1988 unter dem Präsidenten Raymond-H. Lévy ihre französische Markteinführung erlebte. Die Deutschen mussten ein halbes Jahr länger warten, denn Lévy führte zuvor eine Revolution im Praxistext zur Vollendung, die den R19 zum ersten Franzosen mit japanischen Genen machen sollte: Der Rivale zu Golf, Opel Kadett, Ford Escort, aber auch Toyota Corolla, Mazda 323 oder Nissan Sunny war nach japanischen Qualitätsmaßstäben entwickelt worden. Dazu setzte Renault auf die Kompetenz eines eigenen Instituts für Qualität, das höchste Zuverlässigkeit und maximale Kundenzufriedenheit zu günstigen Preisen ermöglichen sollte.

Tatsächlich erwiesen sich die Japaner als gute Lehrmeister, konnte sich der Renault 19 in Qualitäts- und Pannenstatistiken doch weit besser platzieren als seine Vorgänger. Schon das Exterieurdesign mit präzisen Spaltmaßen nach Wolfsburger Vorbild und ein hochwertiges Interieur ohne französisches „Laissez-faire“ verblüfften – und sorgten dafür, dass die Kunden bereitwillig mehr Geld für einen Renault 19 bezahlten als die Konkurrenz für ihre Kompakten berechnete.

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Gute Motoren und ein starkes Vertriebsnetz

Zum Kassenknüller wurde der Renault 19 aber auch durch andere Faktoren. Spritzige, durchzugsstarke und obendrein sparsame Benziner begeisterten Presse und Publikum mehr als manche Kraftwerke im Golf, dem der Renault in den Fahrtalenten sogar in einigen Vergleichstests Paroli bieten konnte. Hinzu kam das große Gepäckabteil, mit damals noch ungewöhnlicher, asymmetrisch umklappbarer Rücksitzlehne. Dicht auf den Fersen des Golf GTI fuhr der 99 kW/135 PS starke und über 210 km/h schnelle Renault 19 16V, der ab Herbst 1989 sportliches Spitzenmodell wurde.

Genau richtig zum „Wind of Change“ kam überdies die Stufenhecklimousine Renault 19 Chamade, denn Stufenhecks waren im früheren Ostblock beliebt. Kaum war die Mauer am neunten November 1989 gefallen, begann Renault zudem mit dem Aufbau eines Vertriebs- und Servicenetzes in der damaligen DDR und sicherte sich so einen Marktvorsprung, den die meisten Konkurrenten in der ab Oktober 1990 vollendeten Deutschen Einheit erst allmählich aufholen konnten.

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