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Historische Fahrzeuge

75 Jahre Opel Kapitän: Deutsches Wohlstandssymbol

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Schnellster Sechszylinder mit sechs Sitzplätzen

So brach der Kapitän P 2,6 in der europäischen Oberklasse alle Rekorde. In gut drei Jahren verkaufte Opel über 145.000 Einheiten, dies auch dank zeitgenössischer Accessoires wie Zweifarbenlackierung, neuartiger Servolenkung und „Hydra-Matic“-Getriebeautomatik. Noch einmal galt wie schon in den 1950er Jahren: Die Prominenz aus Geschäfts- und Filmwelt gönnte sich den größten Opel. Walter Giller, Gerd Fröbe, Heinz Rühmann, Hildegard Knef und Boxer-Legende Max Schmeling, sie alle fuhren Kapitän im Film und im Leben. 1964 holte die Marke im Zeichen des Blitzes zum entscheidenden Schlag aus: Aus einem Oberklassemodell wurden die „Großen Drei“, wie sie Opel bezeichnete.

Die „Prominentenklasse“

Auf den Kapitän folgten Admiral und Diplomat, in der Werbung kurz „KAD“- oder „Prominentenklasse“ genannt. Während der Admiral als Luxusversion des Kapitän fungierte, sollte der Diplomat durch einen 140 kW/190 PS starken Chevy-V8 gegenüber der Mercedes-Benz S-Klasse mit Sechszylindermotoren einen Prestigevorsprung aufbauen. Vor allem aber war es Tempo, das zählte. Der Kapitän galt als schnellster Sechszylinder mit sechs Sitzplätzen in zwei Reihen, der Diplomat als spurtstärkste deutsche V8-Limousine, die sogar die prestigeträchtige 200-km/h-Marke knackte und so mit dem Mercedes-Benz 600 gleichzog. Für kostenbewusste Feinschmecker bot Opel die Noblesse des Achtzylinders ab 1965 auch in den Typen Admiral und Kapitän an.

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Kapitän als Einstiegsversion

Als die KAD-Reihe im Dezember 1968 auslief, zeigte sich Opel mit dem Absatzerfolg zufrieden. Allerdings konnte dies nur noch für die Gesamtstückzahl gelten, der Kapitän war deutlich weniger gefragt als die besser ausgestatteten Schwestermodelle Admiral und Diplomat. Noch drastischer zeigte sich dies bei den Anfang 1969 eingeführten Nachfolgern. Den Kapitän gab es jetzt nur noch als spartanisch ausgestattete und besonders billige Einstiegsversion in die hessische Nobelklasse, mit der Folge, dass sogar Polizeibehörden den Kommandoträger als Dienstwagen bestellten. Ansonsten wurden Admiral und Diplomat geordert, allerdings hatten die bis 1977 produzierten knapp fünf Meter langen Schlachtschiffe nicht mehr das leichte Spiel von einst. Neue Konkurrenten von BMW, Volvo oder Jaguar setzten ihnen zu, vor allem aber die mittlerweile dominierende Mercedes S-Klasse. Der Kapitän setzte sich bereits 1970 zur Ruhe, Admiral und Diplomat warteten bis zur Ablösung durch den Opel Senator. Mit dem Abgang des Kapitän verlor Opel nicht nur eine automobile Führungspersönlichkeit, sondern auch einen Leitstern, der die Marke hell leuchten ließ. Diesen Glanz versucht Opel heute neu zu finden.

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