Praxistest Audi A8 Plug-in-Hybrid mit Luxusausstattung

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

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Während die Konkurrenten BMW 7er und Mercedes-Benz S-Klasse sich in offen zur Schau getragenem Pomp und Prunk ergehen, fliegt der Audi A8 optisch unter dem Radar. Das kann man auch positiv sehen.

Rund sieben Jahre nach ihrem Debüt verkörpert die vierte Generation des A8 noch immer die klassische europäische Luxuslimousine. Doch es wird Zeit für einen Nachfolger.(Bild:  Rosenow – VCG)
Rund sieben Jahre nach ihrem Debüt verkörpert die vierte Generation des A8 noch immer die klassische europäische Luxuslimousine. Doch es wird Zeit für einen Nachfolger.
(Bild: Rosenow – VCG)

Als der Audi A8 60 TFSI e quattro im Testwagenkalender auftauchte, weckte die Modellbezeichnung große Vorfreude bei uns. Endlich einmal wieder Achtzylinder fahren – zum womöglich letzten Mal? Doch ach, wir hatten das kleine „e“ übersehen. Bei unserem Testwagen handelte es sich nicht um den fetten Achtender, sondern um einen Plug-in-Hybrid.

Zwar ist der laut Datenblatt sogar um zwei Kilowatt stärker als der Vierliter-V8, aber die volle Leistung steht eben nur zur Verfügung, solange die 14,4 Kilowattstunden (netto) fassende Batterie ausreichend geladen ist. Dann beschleunigt das 5,19-Meter-Schiff wirklich wuchtig und ohne jede Verzögerung, wie sie bei turbogeladenen Verbrennern samt klassischer Wandlerautomatik sonst unvermeidlich ist.

Auch nach dem Ende des Elektronenvorrats kann man sich über die Fahrleistungen, die der 250 kW/340 PS starke Sechszylinder-Ottomotor ermöglicht, nicht ernsthaft beschweren. Und deutlich sparsamer als der V8 ist er sicher auch: Bei gleichmäßiger Autobahnfahrt entlang oder leicht oberhalb der Richtgeschwindigkeit schafft der Hybridantrieb (ein solcher bleibt er ja auch bei leerer Batterie) durchaus Werte zwischen acht und neun Litern auf 100 Kilometern.

Der Plug-in-Hybrid passt nicht zu einem Langstreckenauto

Trotz des insgesamt positiven Eindrucks, den der Plug-in-Hybrid bei uns hinterließ, mussten wir uns auf einer langen Fahrt von Würzburg nach Berlin, Kassel und wieder zurück nach Würzburg trotzdem fragen, wie sinnvoll dieses Antriebskonzept in der Luxusklasse ist. Audi gibt eine elektrische Reichweite von 52 Kilometern an, die jedoch nur unter äußerst günstigen Bedingungen zu erreichen sein dürfte. Aber wer fährt Kurzstrecken mit einem A8?

Zudem sind die Einschränkungen, die der zusätzliche Elektroantrieb mit sich bringt, bei jeder Fahrt zu spüren. Mit dem kleinen „e“ wiegt der A8 175 Kilogramm mehr als der leistungsgleiche V8, der Kofferraum fasst nur noch 390 statt 505 Liter und mit dem kleineren Tank (65 statt 82 Liter) sind nur rund 600 Kilometer Reichweite drin. So bleibt als einziger echter Vorteil die niedrige Versteuerung beim Dienstwagen.

Doch nun genug vom Antrieb, der A8 hat ja noch viel mehr zu bieten. Optisch allerdings fiel er auf dem Firmen-Parkplatz zunächst kaum auf. Im Jahr 2017 präsentiert, verkörpert die aktuelle Generation des A8 noch eine zurückhaltendere und sozialverträgliche Idee einer Luxuslimousine.

Wobei es Audi beim Testwagen fast übertrieben hat mit der Unauffälligkeit. Mit der taubengrauen Lackierung und dem „Optikpaket schwarz plus“ könnte er auch als sparsam konfigurierter A6 durchgehen. Diese Zurückhaltung kann man aber auch genießen, vor allem wenn man nach Berlin muss und der Wagen nicht schreit: „Fackel mich ab!“

Typischer Audi-Stil im Innenraum

Auch im Innenraum empfängt den Fahrer der typische Audi-Stil: kühl-technoides Design, hochwertige Materialien, penible Verarbeitung. Audi nennt das „Reduktion als Gestaltungsmittel“. Wer einen deutlichen Aufschlag zum kleineren und günstigeren A6 erwartet, der dürfte erneut enttäuscht sein. Das gleiche Lenkrad, die gleiche Gestaltung der Instrumente – und die LED-Segmentanzeigen für Tankinhalt und Batterieladung passen in den A8 noch viel weniger als in den A6.

Die Bedienung der zahllosen Fahrzeugfunkionen ist auf zwei Touchscreens aufgeteilt, wobei sich komplexere Befehle wie das Navigationsziel auch gut per Spracheingabe erledigen lassen.

Seit der Modellüberarbeitung im Jahr 2022 stehen im A8 insgesamt rund 40 Fahrerassistenzsysteme zur Verfügung. Die wichtigsten Sicherheitssysteme gehören zur Serienausstattung, optional sind Pakete wie „Parken“, „Stadt“ und „Tour“. In Deutschland serienmäßig dabei ist das Assistenzpaket „Tour“, das die Längs- und Querführung im gesamten Geschwindigkeitsbereich regelt. Wie so oft freut man sich als aufmerksamer Fahrer am meisten darüber, wenn die Systeme unauffällig im Hintergrund bleiben, was sie im Audi tun. Er bevormundet seine Fahrer nicht mit aufdringlichen Warnmeldungen oder Zurechtweisungen.

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Insgesamt haben wir die Reise im Audi A8 60 TFSI e sehr genossen. Das üppige Platzangebot, die bequemen Sitze und die klangvolle Soundanlage machen lange Strecken zum Vergnügen. Noch größer wäre dieses mit einem sparsamen Diesel, den es für den A8 auch weiterhin gibt. Oder, für Connaisseure, mit dem ebenfalls erhältlichen V8.

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Doch verglichen mit den Luxusklasse-Konkurrenten von BMW und Mercedes-Benz ist der Nachholbedarf in Sachen Optik und Innenraum offensichtlich. Einen Eindruck vom A8-Nachfolger vermittelt die Studie „Audi Grandsphere“, die nach unterschiedlichen Angaben noch 2024 oder erst 2025 in ein ausschließlich batterieelektrisches Serienmodell münden soll. Dann hat sich das Thema V8 also wirklich erledigt.

Noch ein Wort zum Preis: Das Modell A8 60 TFSI e quattro kostet 108.950 Euro. In der Konfiguration des Testwagens kamen noch einmal über 40.000 Euro für Extras hinzu (mehr dazu in der Bildergalerie). Der Endpreis des Fahrzeugs lag bei 151.534,99 Euro.

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