Historische Fahrzeuge

BMW 501/502: Der Barockengel

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Rahmenkonstruktion mit Drehstäben

So sanft die mit Drehstäben ausgerüstete Rahmenkonstruktion selbst über harte Bodenwellen gleitet, so störrisch wankt sie durch enge Wechselkurven und mahnt zur Mäßigung. Immerhin: Nicht wenige fahrende Zeitgenossen konnten es deutlich schlechter. Dann eben bremsen – bei vielen Modellen rundum per Trommel, Herunterschalten – gelingt dank guter Synchronisation geräuschfrei – und erst auf der Geraden wieder an Tempo zulegen, wofür der Alu-Achtender in geschmeidiger Art und Weise sorgt. Von Sicherheitsgurten hielt man vor fünfzig Jahren noch nicht viel, diese Fummelei entfällt also, nachdem man den Barockengel geentert hat. Hinter das Steuer zu rutschen, ist etwas schwieriger als die restlichen Plätze zu erklimmen, denn der übergroße Volant behindert das Einsteigen.

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Die Tachonadel zittert

Dafür fällt der Blick anschließend auf geradezu verschwenderisch eingesetzte Holzreserven und klar ablesbare Rundskalen. Die Tachonadel bewegt sich zitternd, so war das früher eben, als mechanische Komponenten noch dominierten. Der Uhr haben die einstigen Verantwortlichen eine stattliche Einzelskala gewidmet – einen Drehzahlmesser sucht man dafür vergebens. Der Barockengel entstammt einer Epoche, als solch exotische Features den Sportwagen vorbehalten waren. Und das ist der große BMW nun wirklich nicht. Dass vorbeilaufende Passanten sich umdrehen, wenn der vornehme Achtzylinder an ihnen vorbeistampft, verwundert trotzdem nicht.

Mit nur wenig mehr als 20.000 Einheiten war der Luxus-BMW schon zu Lebzeiten eher dünn gesät und stürzte den Konzern in die Verlustzone. Mit dem Auslaufen der Baureihe im Jahr 1964 (3200 CS Bertone bis 1965) war die V8-Ära zunächst beendet. Erst 1987 führte BMW mit dem 750i/iL überhaupt wieder ein Fahrzeug mit mehr als sechs Zylindern ein, und frische V8 wurden erst 1992 erneut auf den Markt gebracht. Die Zäsur, die die frühen V8-BMW mit sich brachten, macht sie nicht gerade uninteressanter.

Die Chronik des BMW 501/501

  • 1952: Der Produktion des Barockengel (mit Reihensechszylinder) läuft an
  • 1954: Einführung der V8-Modelle
  • 1958: Neue Modellbezeichnungen für die Limousinen – die Ziffer 501/502 entfällt
  • 1959: Das Topmodell 3,2 Super bekommt serienmäßig Bremsscheiben vorn
  • 1964: Die Produktion des Barockengel läuft aus

BMW 501/501 – Technische Daten

  • Viertürige Oberklasse, Länge: 4,73 Meter, Breite: 1,78 Meter, Höhe: 1,53 Meter,
  • Radstand: 2,84 Meter
  • 2,6-Liter-V-Achtzylinder-Ottomotor mit Zenith-Fallstromvergaser,
  • 81 kW/110 PS, maximales Drehmoment: 182 Nm bei 2.500 U/min,
  • Vmax 165 km/h, 0-100 km/h in 17 s
  • Ehemaliger Neupreis (1961): 18.240 DM

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