Motorenentwicklung BMW-Motorenfamilie mit Twinpower-Dreizylinder
BMW geht mit einer komplett neuen Motorenfamilie inklusive Dreizylinder in die Zukunft. Kennzeichen der Twinpower-Turbo-Aggregate ist eine große Zahl von Gleichteilen und ein einheitlicher Zylinderinhalt von 500 Kubikzentimetern.
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Wer in einem Münchner Biergarten eine Halbe bestellt, wird von den anwesenden Urgesteinen gerne herablassend belächelt und als Tourist, Weichei oder Gesundheitsapostel eingestuft. Denn der echte Bayer trinkt sein Bier selbstverständlich aus dem Maßkrug, und der fasst traditionell einen ganzen Liter. Beim Münchner Autohersteller BMW hingegen spielt der halbe Liter zukünftig eine zentrale Rolle, und zwar als einheitlicher Hubraum des Einzelzylinders in der neuen Motorenbaureihe Twinpower Turbo.
Keine Hubraumklassen mehr
Die Bayern stilisieren den 500-cm³-Zylinder sogar zum „thermodynamischen Optimum für den Einsatz in einem Personenkraftwagen“ hoch. War das Antriebsprogramm bei BMW früher fein in unterschiedliche Hubraumklassen abgestuft, sollen sich die Motoren künftig nur noch in der Zylinderanzahl sowie in den Leistungsdaten unterscheiden, die sich durch Änderungen an Ladedruck und Einspritzung variieren lassen. Aus 500 cm³ Einzelhubraum resultiert neben zwei unexotischen und schon heute weit verbreiteten Bauformen – einem Zweiliter-Vierzylinder und einem Dreiliter-Sechser – auch die interessanteste Twinpower-Variante: ein 1,5-Liter-Dreizylinder.
Bislang keine Premium-Laufkultur
Gegenüber einem gleich großen Reihenvierer weist der Dreizylinder eine geringere innere Reibung auf und soll BMW-Fahrer zudem mit hoher Drehfreude, spontanem Ansprechen und sportlichem Sound beglücken.

Das geringe Gewicht und die kompakten Abmessungen sind weitere Vorteile des Drillings. Sein Einsatz in Premiumfahrzeugen scheiterte bislang allerdings an der mangelhaften Laufkultur und der recht prägnanten Geräuschentwicklung. Während man letztere, wie BMW das tut, eben als Sound verkaufen kann, verlangte erstere größere entwicklungstechnische Anstrengungen, um die an sämiges und schwingungsarmes Laufverhalten gewöhnten BMW-Kunden nicht zu enttäuschen.
Ausgleichswelle und Drehschwingungstilger
Deshalb betonen die Münchener in ihrer Pressemitteilung zum Thema vorsichtshalber die grundsätzlichen Gemeinsamkeiten zwischen dem prestigeträchtigen Reihensechser und seiner halbierten Ausgabe. Bei beiden entstehen nämlich keine freien Massenkräfte erster und zweiter Ordnung; allerdings weist der Dreizylinder freie Massemomente auf. Da diese umso größer werden, je größer die Zylinderabstände sind, kommt BMW nicht um den Einbau einer Ausgleichswelle herum – anders als etwa Ford bei seinem Ein-Liter-Ecoboost-Dreizylinder. Ein nach dem Prinzip des Fliehkraftpendels arbeitender Drehschwingungstilger verbessert zudem die Laufkultur bei niedrigen Drehzahlen.
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