Zulieferer Bosch forciert die Software-Entwicklung

Quelle: dpa/sp-x 3 min Lesedauer

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Der Zulieferer stell sich neu auf, um der wachsenden Bedeutung von Software bei Fahrzeugen Rechnung zu tragen. Die Kosten für Forschung und Entwicklung steigen. Das war 2022 einer der Gründe für den sinkenden Gewinn.

Bosch stellt sein Zulieferergeschäft zum 1. Januar 2024 für weiteres Wachstum neu auf. (Bild:  Bosch)
Bosch stellt sein Zulieferergeschäft zum 1. Januar 2024 für weiteres Wachstum neu auf.
(Bild: Bosch)

Die Mobilitätssparte von Bosch will künftig stärker am Markt für Automobilsoftware partizipieren. In wenigen Jahren dürften erste software-definierte Fahrzeuge auf den Markt kommen und das Marktvolumen bis 2030 gegenüber 2020 auf 200 Milliarden Euro verdreifachen, erwartet der Zulieferer. Der Software-Anteil am Entwicklungsaufwand werde dann etwa 30 Prozent betragen.

Mit einer organisatorischen Neuaufstellung will Bosch dieser Entwicklung Rechnung tragen, wie das Unternehmen im Rahmen seiner Bilanzpressekonferenz mitteilte. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung von Bosch Mobility sind bereits Software-Entwickler. Mit einer weiteren Stärkung der übergreifenden Zusammenarbeit einzelner Geschäftseinheiten will der Konzern die neue Art der automobilen Entwicklung weiter vorantreiben.

Ein wesentlicher Fokus bei der Entwicklung künftiger software-definierter Fahrzeuge wird es sein, die Komplexität der Elektroniksysteme zu reduzieren und beherrschbarer zu machen. Mit Hochleistungsrechnern für die verschiedenen Fahrzeugdomänen wie Cockpit- und Vernetzungsfunktionen, Fahrerassistenzsystemen und automatisiertes Fahren sowie den Antrieb will Bosch die Zahl der Steuergeräte in Fahrzeugen deutlich senken.

Zudem entwickelt das Unternehmen eine durchgängige IT-Architektur für das gesamte Fahrzeug – angefangen in der Cloud über zentrale Fahrzeugcomputer bis zu einzelnen Steuergeräten. Der Konzern sieht sich in Software und Hardware gleichermaßen zu Hause und will so Schlüsselkomponenten moderner Fahrzeuge unter einem Dach anbieten können.

Gewinn geht zurück

Trotz steigender Zahlen im laufenden Geschäft ist der Jahresüberschuss bei Bosch im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Unterm Strich blieben rund 1,8 Milliarden Euro, nach 2,5 Milliarden Euro 2021. Gründe hierfür waren unter anderem ein deutlich negatives Finanzergebnis wegen höherer Zinsen und schlechter bewerteter Investments sowie höhere Steuern. Außerdem verzeichnete Bosch 2022 höhere Kosten für Forschung und Entwicklung.

Bei der Bilanzvorlage in Renningen bestätigte Bosch zudem weitgehend die bereits bekannten Zahlen aus dem laufenden Geschäft. Der Umsatz stieg 2022 um 12 Prozent auf 88,2 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs auf 3,8 Milliarden (2021: 3,2 Mrd.). Die Zahlen lagen etwa wegen Wechselkurseffekten und höheren Preisen über den Erwartungen des Konzerns.

Unzufrieden war das stiftungsgeführte Unternehmen mit der Profitabilität. Der Anteil des operativen Gewinns am Umsatz war mit 4,3 Prozent zwar leicht höher als im Vorjahr – lag aber erneut unter der langfristigen Renditeziel von mindestens 7 Prozent. Im laufenden Jahr peilt Bosch einen Umsatzzuwachs zwischen 6 und 9 Prozent sowie eine operative Marge von 5 Prozent an. Finanzchef Markus Forschner bezeichnete das als ehrgeiziges Projekt – unter anderem wegen der sich abkühlenden Weltwirtschaft, des hohen Kostendrucks durch die Rohstoff- und Energiepreise sowie der Inflation.

Neuaufstellung zum 1. Januar 2024

Die neue Aufstellung des Geschäftssektors Mobility hat der Sektorvorstand laut Mitteilung mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Führungskräften der einzelnen Geschäftseinheiten erarbeitet. Geplant sind künftig sieben Geschäftsbereiche, zum Teil mit einem inhaltlich neuen Zuschnitt sowie zusätzlichen horizontalen Verantwortlichkeiten über alle Einheiten hinweg.

Im Einzelnen kümmert sich der Geschäftsbereich Electrified Motion um alles mit einem elektrischen Motor, von der E-Achse bis zum Sitzverstellantrieb. Vehicle Motion bearbeitet das Thema Fahrdynamik, von ABS über ESP bis zur Lenkung. Power Solutions befasst sich mit Technik für Verbrennungsmotoren, mobiler wie stationärer Brennstoffzelle, Elektrolyseuren und Wasserstoffmotoren.

Cross-Domain Computing Solutions entwickelt neben Fahrzeugcomputern Lösungen fürs automatisierte Fahren und Parken. Mobility Electronics treibt in horizontaler Funktion die Entwicklung von Steuergeräten voran sowie die Bosch-eigenen Halbleiter-Aktivitäten. Mobility Aftermarket kümmert sich um das Ersatzteilgeschäft und das „Bosch Car Service“-Werkstattkonzept.

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E-Bike Systems liefert Systemlösungen für E-Bikes bestehend aus Antrieb, Akkus, ABS und vernetzten Displays. Der Bosch-Tochter ETAS fällt die horizontale Verantwortung für hardware-unabhängige Software für Betriebssysteme und Entwicklungstools zu.

In der neuen Aufstellung peilt Bosch bis 2029 allein mit seinen Mobilitätslösungen einen Umsatz von mehr als 80 Milliarden Euro weltweit an.

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