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Erster Vacuum-Schalldämpfer
Rückblende: 1921 gründen Friedrich A. Boysen und der Kaufmann Theodor Steigerwald die Firma Steigboy in Leipzig. Das Unternehmen fertigt in erster Linie Abgasschalldämpfer für Autos, Motorräder und Flugzeuge. Zum weiteren Produktprogramm zählten Ansaugschalldämpfer und Frischluftheizungen für Pkw. Noch im Gründungsjahr präsentiert Boysen auf der Automobilausstellung in Berlin den von ihm entwickelten Vacuum-Schalldämpfer. Das Produkt gewinnt den von der TH Dresden veranstalteten ersten Schalldämpferwettbewerb und findet aufgrund weiterer positiver Beurteilungen zahlreiche renommierte Abnehmer, darunter Audi, BMW, Daimler-Benz, Maybach, Opel, Triumph und Zündapp. Jedoch erweisen sich die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre als zu gravierend: Die Firma muss Konkurs anmelden.
Kinder- und Sportwagen und Trichterkanister
Nach dem Zweiten Weltkrieg wagt Friedrich A. Boysen in Stuttgart den unternehmerischen Neuanfang. Im November 1945 erhält er die Genehmigung, einen Industriebetrieb für Abgasanlagen aller Art zu gründen. 1949 verlegt er den Firmensitz aus Platzgründen nach Altensteig, wo die Boysen-Gruppe noch heute ihren Stammsitz hat. Da der Bedarf an Schalldämpfern in den ersten Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch relativ gering ist, fertigt Boysen einen kombinierten Kinder- und Sportwagen sowie einen zusammenklappbaren Handwagen. 1950 startet die Serienproduktion des ebenfalls von Boysen patentierten Allboy-Trichterkanisters, der weltweit vertrieben und von Autofahrern besonders geschätzt wird. Die Besonderheit dabei: Der Tragegriff des Kraftstoffbehälters fungiert im ausgeklappten Zustand als Ausguss.
Schalldämpferproduktion nimmt Fahrt auf
Derweil nimmt die Schalldämpferproduktion in den fünfziger und sechziger Jahren wieder Fahrt auf – und zum alten Kundenstamm aus Steigboy-Zeiten gesellen sich weitere klanghafte Markennamen wie Porsche, Ford, NSU und Kreidler. Neben der Schalldämpfung gewinnt das Thema Abgasreinigung immer mehr an Bedeutung. Bereits 1965 erklärt Friedrich A. Boysen in einem Fernsehinterview: „Ich persönlich habe mich für die Verwendung von Katalysatoren entschieden, weil sie die bisher besten Ergebnisse gezeigt haben und Katalysatoren in die normale Abgasanlage günstig eingebaut werden können.“ Erst knapp zehn Jahre später wird die Katalysatortechnik in den USA zum ersten Mal eingesetzt. Mitte der siebziger Jahre entwickelt das Unternehmen thermische Reaktoren zur Abgasentgiftung, unter anderem für Citroën. Ende der Siebziger präsentiert Boysen mit dem Helmholtz-Resonator einen Schalldämpfer, der auf zwei Frequenzbereiche abgestimmt werden kann. In späteren Jahren wird das Unternehmen die akustische Wirksamkeit des Resonators in Kombination mit einer schaltbaren Abgasklappe weiter verfeinern.
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