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60 Jahre Automobil Industrie Boysen: 100 Jahre gegen den Schall

| Autor / Redakteur: Christian Grimm / Claus-Peter Köth

Die Geschichte von Boysen steht stellvertretend für die Geschichte der Abgastechnik. Hoher Innovationsanspruch erstreckt sich über alle Leistungsbereiche: von der Produktentwicklung bis zum Logistikkonzept.

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Die Geschichte von Boysen steht stellvertretend für die Geschichte der Abgastechnik. Vor knapp 100 Jahren begann das Unternehmen mit der Produktentwicklung.
Die Geschichte von Boysen steht stellvertretend für die Geschichte der Abgastechnik. Vor knapp 100 Jahren begann das Unternehmen mit der Produktentwicklung.
(Bild: Boysen )

Es ist das Jahr 1916, in dem ein junger Luftschiff-Fahringenieur aus Leipzig im ersten Weltkrieg ein einschneidendes Erlebnis hat, das seinen künftigen Lebensweg und damit auch einen Teil der Automobilgeschichte fortschreibt: Von einem Luftschiff aus soll ein motorisierter Spähkorb auf Erkundungen geschickt werden. Doch das laute Motorengeräusch macht die telefonische Verständigung zwischen Beobachter und Luftschiffbesatzung unmöglich. „Nach einem schweren Absturz mit dem Spähkorb hatte ich im Lazarett dann lange Zeit Gelegenheit, über die Notwendigkeit der Schalldämpfung von Verbrennungskraftmaschinen nachzudenken. Diese Aufgabe hat mich bisher nicht mehr losgelassen“, vermerkt der junge Ingenieur über jene Zeit, die ihn zum Wegbereiter der modernen Schalldämpfertechnik machen wird. Sein Name: Friedrich August Boysen.

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Weltweit erster Prüfstand für Abgasschalldämpfer

Zwar gibt es damals bereits wirksame Schalldämpfer zur Minderung des Motorenlärms, wie auch das erste, von Gottlieb Daimler konstruierte Automobil belegt. Jedoch ist es Friedrich A. Boysen, der bei seinen folgenden Untersuchungen erstmals den Einfluss der Abgasführung auf den Ladungswechsel, die Motorleistung und den Drehmomentverlauf mit berücksichtigt und sich eigens dafür den weltweit ersten Prüfstand für Abgasschalldämpfer baut – zu jener Zeit in Ermangelung besser geeigneter Materialien aus Hartholz. Damit legt Friedrich A. Boysen den Grundstein für ein Unternehmen, das die Geschichte der Abgastechnik über Jahrzehnte maßgeblich prägen wird.

Aktive Klanggestaltung in Abgasanlagen

Knapp 100 Jahre und unzählige Patentanmeldungen später präsentiert die Boysen-Gruppe auf der IAA 2015 in Frankfurt am Main die zweite Entwicklungsgeneration des Systems „Boysen Aktive Sound Modellierung“ (BASM). Über die Erzeugung von Gegenschall oder wahlweise Zusatzschall mittels einer Soundbox und integriertem Speziallautsprecher ermöglicht BASM sowohl die aktive Schalldämpfung als auch die aktive Klanggestaltung in Abgasanlagen. Über ein Fehlermikrofon im hinteren Teil der Abgasanlage wird der modellierte Sound aufgenommen. Der Istwert wird an das BASM-Steuergerät übermittelt: zum Abgleich mit dem Sollwert und gegebenenfalls zur Justierung des vom System erzeugten Schalls.

Downsizing fordert Akustikingenieure

Mit Blick auf die Trends in der Automobil- und Motorenentwicklung sehen die Entwickler von Boysen für die aktive Klanggestaltung ein erhebliches Marktpotenzial. Denn das Downsizing der Motoren und die immer weitere Verbreitung von Abgasturboladern stellen die Akustikingenieure zunehmend vor neue Herausforderungen. Im Fall der aktiven Schalldämpfung eröffnet BASM neben den Funktionsvorteilen auch ein erhebliches Potenzial dazu, Schalldämpfervolumen und Schalldämpfermasse zu verringern. Eine Neuerung, mit der der Unternehmensgründer und geniale Erfinder Friedrich A. Boysen zu seiner Schaffenszeit nicht rechnen konnte.

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