Materialien „Designer tun heute mehr, als Oberflächen zu gestalten“

Von Hanno Boblenz/SP-X 3 min Lesedauer

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Marilia Biill verantwortet bei Kia in Korea Farben, Materialien und Oberflächen. Stoffmuster oder Dekore sind nur ein Teil – ihr Team arbeitet mit Forschern, Biologen und Universitäten an völlig neuen Werkstoffen.

Marilia Biill ist bei Kia in Korea für Farben, Materialien und Oberflächen zuständig.(Bild:  Kia)
Marilia Biill ist bei Kia in Korea für Farben, Materialien und Oberflächen zuständig.
(Bild: Kia)

Marilia Biill leitet bei Kia in Korea den Bereich CMF, die Abteilung, die sich mit Farben, Materialen und Oberflächen beschäftigt. Ihre Designer experimentieren mit Pilzkulturen und Kombucha oder untersuchen Mikrostrukturen von Insektenflügeln. Das Ziel: Von der Natur lernen und die biologischen Prozesse nutzen, um den Fahrzeuginnenraum grundlegend zu verändern.

Frau Biill, verändert sich das Berufsbild des Automobildesigners?

Ja, definitiv. Früher waren Design und Forschung oft getrennte Welten. Designer haben sich stärker auf Formen, Farben oder Oberflächen konzentriert. Heute arbeiten sie mit Chemikern, Materialforschern oder Biologen zusammen. Wenn wir über Bionik sprechen, reicht es aber nicht mehr, sich einfach nur von der Natur inspirieren zu lassen. Die Designer müssen verstehen, wie biologische Prozesse funktionieren und wie man daraus neue Materialien oder Oberflächen entwickeln kann.

Beschäftigen Sie also Biologen und Chemiker statt Designer?

Nein, aber unsere Teams beschäftigen sich mit Mikroorganismen, Pflanzenfasern oder bakterienabweisende Strukturen, um neue Materialien zu entwickeln. Das verändert die Denkweise komplett. Heute müssen Designer viel interdisziplinärer arbeiten als früher. Dadurch wird ihre Arbeit aber auch spannender. Viele haben das Gefühl, dass sie nicht mehr nur Oberflächen gestalten, sondern tatsächlich an neuen Lösungen mitarbeiten.

Schicken Sie deshalb Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig zum Forschen an Universitäten?

Wir arbeiten seit einigen Jahren sehr eng mit Hochschulen wie der Rhode Island School of Design in den USA oder dem Royal College of Art in London zusammen. Dort können die Designer Dinge ausprobieren, die im normalen Entwicklungsalltag oft kaum möglich wären. Sie arbeiten mit Professoren und Forschern zusammen, nutzen Labore und experimentieren selbst mit biologischen Materialien oder natürlichen Pigmenten.

Eine Kollegin hat zum Beispiel mit Myzel gearbeitet, also mit den Wurzelstrukturen von Pilzen. Andere haben Kombucha-Materialien gezüchtet oder Mikrostrukturen von Insektenflügeln untersucht. Besonders wichtig ist für mich, dass die Designer wirklich selbst experimentieren. Sie sollen nicht nur beobachten, sondern mit den Materialien praktisch arbeiten.

Das klingt nach einer echten Herausforderung.

Natürlich ist da jeder am Anfang ziemlich nervös. Die Kollegen wissen ja nicht, ob ihre Ideen funktionieren. Aber genau das gehört dazu. Dinge auszuprobieren, zu scheitern, neu zu beginnen daraus zu lernen. Wenn sie zurückkommen, sind sie dann unglaublich stolz auf das, was sie geschaffen haben. Manche Kollegen zeigen ihre Prototypen fast wie kleine Kunstwerke. Mich berührt das jedes Mal sehr, weil ich sehe, wie sehr sie sich mit diesen Projekten identifizieren.

Bringt dieser Austausch mit den Universitäten Ergebnisse für die Praxis?

Aus den Arbeiten entstehen viele konkrete Ideen für künftige Materialien oder Oberflächen. Aber fast noch wichtiger ist die neue Denkweise, mit der die Designer zurückkommen. Plötzlich sehen sie Materialien nicht mehr nur als fertiges Produkt, sondern verstehen den gesamten Prozess dahinter. Aber auch die Universitäten profitieren von diesem Austausch. Die Studenten dort bekommen einen direkteren Bezug zur Industrie und sehen, welche Anforderungen später in der Realität wichtig werden.

Ich glaube, diese Verbindung wird künftig noch wichtiger werden. Und natürlich hilft es uns beim Recruiting. Viele junge Designer interessieren sich heute nicht mehr nur für klassische Formgestaltung. Sie wollen an nachhaltigen Lösungen arbeiten und verstehen, wie Materialien entstehen. Diese Verbindung aus Design, Forschung und Nachhaltigkeit macht den Beruf heute für viele deutlich interessanter als früher.

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