Fahrbericht Das kann die China-Limousine BYD Seal

Von Andreas Wehner 4 min Lesedauer

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Der BYD wird als Konkurrent zum Tesla Model 3 platziert. Optisch und preislich ähneln sich die beiden Modelle bereits. Wir zeigen, was die chinesische Elektrolimousine sonst noch bietet.

Der BYD Seal kostet mindestens 47.578 Euro.(Bild:  BYD)
Der BYD Seal kostet mindestens 47.578 Euro.
(Bild: BYD)

Den Begriff „Tesla-Killer“ hat gefühlt jedes Medium in Zusammenhang mit dem BYD Seal schon einmal benutzt. Wir nehmen uns da nicht aus. Das liegt einerseits an der durchaus ähnlichen Optik, vor allem aber daran, dass es in der Größe eines Tesla Model 3 bislang ein sehr überschaubares und meist teures Angebot gibt. Und BYD will mit der Elektrolimousine eben in diese Lücke stoßen. In Kürze sollen die ersten Kunden den Seal in Empfang nehmen können.

Wir haben schon eine Runde gedreht. Wir testeten das Top-Modell mit zwei angetriebenen Achsen und insgesamt 390 kW. Und damit gleich in medias res: Der beherzte Tritt auf das Gaspedal auf freier Strecke mit eingestelltem Sportmodus lässt uns fröhlich jauchzen. Das Auto sprintet los, es drückt uns in den Sitz. 3,8 Sekunden braucht der Seal im Idealfall aus dem Stand auf Tempo 100. Muss man mehr sagen?

Selbstverständlich bestand unsere Testfahrt aus mehr als ein paar Sprintversuchen. Dabei zeigte sich der Seal als sportlicher, aber entspannter Zeitgenosse. Das Fahrwerk ist angenehm straff und gleichzeitig recht gut darin, Querfugen und Schlaglöcher zu neutralisieren.

Die bequemen Ledersitze tun ihr Übriges. Vor allem vorne sitzt es sich gut. Die sportlichen Sitze für Fahrer und Beifahrer sind mehrfach elektrisch verstellbar, beheizt und belüftet. Hinten wird es allenfalls für groß gewachsene Passagiere am Kopf etwas knapp. Beinfreiheit ist jedoch mehr als ausreichend vorhanden.

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Hochwertiger Innenraum

Den Innenraum kommt mit Leder, Velours und mattem Chrom recht hochwertig daher. Die Verarbeitung ist tadellos. Neben einem 10,25-Zoll-Instrumentendisplay sitzt ein beeindruckendes 15,6-Zoll-Infotainment-Display auf der Mittelkonsole. Und das ist per Knopfdruck drehbar. Jeder kann also selbst entscheiden, ob er es lieber quer oder hochkant mag.

Es gibt zwei Schalen zum kabellosen Aufladen von Smartphones. Wer sein Handy lieber per Kabel lädt, kann das sowohl per USB-C als auch per USB-A tun – auch hinten. Und dank Vehicle-to-Load lassen sich 220-Volt-Geräte am Seal betreiben.

Auch sonst macht das Auto, was es soll. Die Bedienung funktioniert überwiegend intuitiv per Multifunktionslenkrad, mithilfe der recht logisch aufgebauten Touchscreen-Menüs oder per Sprachsteuerung. Wir hätten uns den einen oder anderen Knopf mehr gewünscht und würde beispielsweise die Belüftungssteuerung lieber von Hand an der Düse vornehmen als per Touchscreen. Aber das ist Geschmackssache.

Over-the-air-Updates müssen es richten

Ein paar Absurditäten kamen doch zum Vorschein. Beispiel eins: der Sprachassistent. Mit „Hi, BYD“ aktiviert man das System, das dann auf Wunsch die Heizung wärmer stellt, die Fenster öffnet oder die Musik lauter dreht. Das funktioniert im Großen und Ganzen gut.

Möchte man allerdings das Radio abschalten, meldet das System, dass das Radio ohnehin gerade pausiert sei. Klar, denn solange die Sprachsteuerung läuft, ist die Wiedergabe stummgeschaltet. Sobald sich der Sprachassistent wieder abmeldet, läuft das Radio weiter. Es bleibt also nur die Möglichkeit, das Ganze per Knopfdruck selbst zu erledigen.

Beispiel zwei: die Assistenz- und Warnsysteme. Ja, die EU schreibt inzwischen einiges vor. Und nochmal ja, die chinesischen Autos sind generell gern noch eine Spur bevormundender als die Wettbewerber. Das kennt man von anderen Marken. Dennoch nervt es, dass sich der Geschwindigkeitswarner nach jedem Verkehrszeichen meldet, an dem man mit nur zwei oder drei km/h zu schnell vorbei fährt.

Harter Lenkeingriff

Das Piepsen des Spurverlassenswarners ist ebenfalls sehr anstrengend. Und der Lenkeingriff des Spurhalteassistenten ist von einer nahezu unverschämten Schärfe. Das immerhin haben die Verantwortlichen bereits festgestellt und soll sich demnächst per Over-the-air-Update ändern. Sonst bleibt nur (frei nach Peter Lustig): Abschalten!

Dafür muss man sich allerdings erst durch ein paar Menüs hangeln. In denen begegnet einem der ein oder andere Übersetzungsfehler, aber das ist zu verschmerzen (und lässt sich sicherlich ebenfalls per Software-Update verbessern).

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Den Verbrauch gibt BYD mit 18,2 kWh pro 100 Kilometer an, die Reichweite mit 520 Kilometer nach WLTP. Realistisch dürften es knapp über 400 Kilometer sein. Beim Laden gehört der BYD sicher nicht zu den Top-Performern. Die maximale Ladeleistung beträgt 150 kW. 37 Minuten dauert es am Schnellader, um den 82,5 kWh großen Lithium-Eisenphosphat-Akku (LFP) des Seal von 10 auf 80 Prozent zu füllen.

Gutes Gesamtpaket

Alles in Allem ist der Seal ein gutes Gesamtpaket. Denn er macht nicht nur sehr Vieles recht gut, er bietet mit seinem hochwertig gestalteten Innenraum auch eine sehr angenehme Atmosphäre für Fahrer und Passagiere.

Das bereits fast voll ausgestattete Basismodell „Design“ kostet gut 47.500 Euro. Im Vergleich zum von uns getesteten Topmodell ist allerdings eine Achse angetrieben. Der E-Motor leistet hier 230 kW. Die Reichweite ist dafür mit 570 Kilometern nach WLTP etwas größer – denn in beiden angebotenen Varianten ist die gleiche Batteriekapazität verbaut. Ansonsten müssen Käufer der Einstiegsvariante nur auf das Head-up-Display verzichten. Die Allrad-Variante „Excellence“ kostet gut 53.600 Euro.

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Reicht das, um zum Tesla-Killer zu werden? An sich ja, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis ist gut. Was Image und Markenbekanntheit angeht, muss BYD jedoch nachlegen. Vermutlich wird es eine Weile dauern, bis der BYD Seal einem Tesla Model 3 den Rang ablaufen kann. Die Voraussetzungen sind jedoch da.

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