E-Mobilität Chile will Lithium-Abbau umkrempeln

Von Andreas Wehner 3 min Lesedauer

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Alle Privatunternehmen, die in Chile Lithium fördern wollen, müssen künftig mit dem Staat zusammenarbeiten. Ferner plant die Regierung, umweltschonendere Verfahren zu bevorzugen.

(Bild:  CleanTech Lithium)
(Bild: CleanTech Lithium)

Die chilenische Regierung will den Abbau des für E-Autos wichtigen Rohstoffs Lithium stärker kontrollieren. Alle Privatunternehmen, die in Chile Lithium fördern wollten, müssten künftig mit dem Staat zusammenarbeiten, kündigte Präsident Gabriel Boric bei der Vorstellung der Nationalen Lithium-Strategie in der Nacht zum Freitag (21.04.) an.

In neuen Gemeinschaftsunternehmen könnten Privatfirmen maximal einen Anteil von 49,9 Prozent haben. „Chile verfügt über eines der größten Lithium-Vorkommen der Welt. Wir können uns nicht erlauben, keinen Nutzen daraus zu ziehen“, sagte der Staatschef.

Derzeit bauen die Privatunternehmen SQM und Abemarle im einzigen aktiven chilenischen Abbaugebiet Salar de Atacama Lithium ab. Ihre Verträge laufen 2030 und 2043 aus. Die Regierung strebt allerdings an, die Verträge bereits vor dem Ablauf nachzuverhandeln und die Kontrolle über den Abbau zu übernehmen.

Chile verfügt über eine der größten Lithium-Reserven der Welt und lag bei der Produktion im vergangenen Jahr nach Australien an zweiter Stelle. Lithium wird unter anderem beim Bau von Elektrofahrzeugen benötigt. Die Ionen aus den Salzen des Alkalimetalls sind für den Transport der elektrischen Ladung in den meisten modernen Hochleistungsakkus unerlässlich. In den kommenden 35 Jahren könnte sich einer Studie zufolge die Nachfrage nach Lithium verfünffachen.

Wasserschonendes DLE-Verfahren

Chile bringt bei Lithium-Abbau einen großen Vorteil mit. Schon jetzt stammt mehr als zwei Drittel der Stromerzeugung aus regenerativen Quellen. Das macht die Verarbeitung von Lithium im Land umweltschonender und macht auch eine Erfüllung der strengen EU-Normen möglich.

Allerdings gibt es auch Nachteile. Bei den herkömmlichen Abbaumethoden verdunstet Wasser ungenutzt in rauen Mengen. Schon heute gehen so Milliarden Liter an Wasser verloren, wie offizielle Stellen in Chile einräumen. Das ist vor allem im Norden von Chile ein Problem, wo rund um die Atacama-Wüste ohnehin viel Trockenheit herrscht. Entsprechend kritisch sieht die einheimische Bevölkerung neue Lithium-Minen. Und der Abbau kann hier in Konkurrenz zur Landwirtschaft um das rare Gut Wasser treten. Die Hauptverbraucher von Wasser in diesem Verdunstungsverfahren sind Albemarle und SQM.

Allerdings gibt es inzwischen neue Methoden, die nun Gehör finden. So hat Chiles Regierung eine Bevorzugung des sogenannten DLE-Verfahrens ins Spiel gebracht. Demnach würde man die herkömmlichen Verfahren mit dem hohen Wasserverbrauch einschränken oder verbieten. Bei der direkten Lithiumextraktion, die bereits in China und Südamerika in Projekten eingesetzt wird, ist die Verdampfung des Wassers bei der Gewinnung aus der Sole nicht erforderlich. Stattdessen wird dabei die Sole zu einer Aufbereitungsanlage gepumpt, in der ein Harz- oder Adsorptionsmaterial verwendet wird, um nur das Lithium aus der Sole zu extrahieren. Die nicht mehr lithiumhaltige Sole wird danach wieder in die Grundwasserleiter des Beckens eingeleitet.

Drei Vorkommen in der Entwicklung

Der politische Schwenk dürfte dem einen oder anderen Entwickler von Lithium-Projekten Kopfschmerzen bereiten. Allerdings gibt es auch in Chile schon Firmen, die auf das schonende DLE-Verfahren setzen. Hierzu zählt nach eigenen Angaben CleanTech Lithium. Das britische Unternehmen entwickelt drei Vorkommen in Chile und will laut Plan Ende 2025/Anfang 2026 in Produktion gehen.

Momentan nimmt das Unternehmen laut Mitteilung eine DLE-Demonstrationsanlage mit seinem Verarbeitungs-Partner Sunresin in Betrieb. Geplant sei zudem, eine DLE-Pilotanlage aufzubauen, zur Herstellung von einer Tonne Lithiumcarbonat in Batteriequalität pro Monat. Voraussichtlich werde diese im dritten Quartal an den Start gehen.

Ziel von CleanTech Lithium für 2023 ist es, eine Machbarkeitsstudie für das Flaggschiffprojekt Laguna Verde vorzulegen. Gelinge dies, soll es im besten Fall schon im zweiten Halbjahr zu Gesprächen mit strategischen Partnern kommen.

Mit Material von dpa

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