Fahrbericht Dacia Spring Extreme Electric: Ein Sprung nach vorn

Von Holger Holzer/sp-x 3 min Lesedauer

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Dacia stellt auch im Elektro-Segment das billigste Auto auf dem Markt. Ab sofort sogar in einer durchaus ansehnlichen Variante.

Schon äußerlich macht der geliftete Dacia Spring in allen Varianten einen großen Sprung.(Bild:  Dacia)
Schon äußerlich macht der geliftete Dacia Spring in allen Varianten einen großen Sprung.
(Bild: Dacia)

Billig sein hat einen Preis. Das konnte auch Dacia bei der Erstauflage des Spring im Jahr 2021 nicht ganz verbergen. In Sachen Anschaffungskosten war der kleine Elektro-Crossover zwar konkurrenzlos günstig. Ambiente und Technik verlangten jedoch im Gegenzug viele Kompromisse. Einige davon müssen Käufer der umfassend erneuerten Version immer noch eingehen. Andere nicht mehr – das gilt vor allem beim nun nachgereichten Top-Modell „Extreme Electric 65“ für 20.000 Euro.

Schon äußerlich macht der geliftete Spring in allen Varianten einen großen Sprung. Das neue Karosserie-Design im bulligen Stil des großen SUV Duster steht dem nur 3,70 Meter langen Fünftürer gut. Beim „Extreme“-Modell kommen zusätzliche Karosserie-Planken und Zierspangen hinzu. Wer will, rundet den Auftritt mit dem optionalen Dachträger (260 Euro) ab.

Kein tristes Hartplastik mehr

Innen gibt es grau-grüne Stoffpolster und ein gegenüber dem Vorgänger aufgewertetes Ambiente. Aus der tristen Hartplastikwüste ist ein modern wirkendes Cockpit geworden. Mit farbigen Zierelementen, Digitaldisplay und aufgesetztem, hochauflösendem Bildschirm zwischen den beiden Sitzen. Bei wahrscheinlich ähnlichen Material- und Produktionskosten wirkt das Ganze nun deutlich wohnlicher.

Mehr Platz konnten die Innenausstatter dem kleinen Crossover natürlich nicht abringen. Weil nun aber ein höhenverstellbares Lenkrad Standard ist, dürften viele Fahrer zumindest eine bessere Sitzposition finden. Eine Sitzhöhenverstellung fehlt aber weiterhin. Hinten dürfen Erwachsene noch immer nicht auf Bequemlichkeit hoffen, schon Kinder sitzen dort eher beengt. Immerhin: Auf die Vorspiegelung eines dritten Sitzplatzes verzichtet die Renault-Tochter fairerweise ganz und bietet den Spring immer als Viersitzer an. Der Kofferraum ist mit gut 300 Litern klassentypisch klein, die Öffnung etwas schmal.

Unter Idealbedingungen gut 220 Kilometer Fahrt

Daran, dass der Spring vor allem ein Auto für die Stadt ist, trägt der kleine Kofferraum aber keine Schuld. Vielmehr limitiert ihn die Technik, die im Zuge des Liftings nicht überarbeitet wurde. So liefert wie bisher ein vergleichsweise kleiner Akku mit 27 kWh Kapazität die Energie für den im Top-Modell 48 kW starken E-Motor. Das reicht unter Idealbedingungen für gut 220 Kilometer Fahrt, was beim Vorgänger zumindest im reinen Stadtverkehr und milden Temperaturen einigermaßen realistisch war.

Beim Laden des Akkus braucht es allerdings Geduld. An der öffentlichen AC-Ladesäule tankt der Dacia einphasig mit maximal 3,7 kW statt der mittlerweile üblichen elf kW Leistung. Damit lohnt sich das Einstöpseln bei Restaurant- oder Supermarkt-Besuchen kaum. Ohne Stellplatz mit eigener Wallbox hat man es im elektrischen Alltag schwer mit dem Spring. Wer unterwegs nennenswerte Mengen Energie braucht, kann beim Kauf des CCS-Ladeanschlusses (600 Euro) an einer Schnellladesäule laden. Dort erlaubt der Kleinstwagen im Crossover-Stil dann bis zu 30 kW Ladeleistung.

Mäßige Fahrleistungen

Bei den mäßigen Fahrleistungen des Spring verlässt man das Stadtgebiet besser nicht. Zwar bringt der Kleinstwagen nur gut eine Tonne Gewicht auf die Waage, so dass flottes Mitschwimmen im innerörtlichen Verkehr drin ist. Außerhalb geschlossener Ortschaften wird es mit den maximalen 113 Nm Drehmoment aber zäh. Überholvorgänge wollen gut geplant werden. Beim Anfahren bringt die unmittelbar abrufbare Zugkraft aber durchaus einen kleinen Startvorteil an der Ampel.

Wer wirklich geruhsam unterwegs ist, für den gibt es eine 33 kW starke Variante. Mit dieser wagt man sich angesichts der Tempo-100-Sprintzeit von knapp 20 Sekunden eher nicht auf die Autobahn. Das Basismodell kostet 17.000 Euro, ist allerdings nicht in Verbindung mit der „Extreme“-Ausstattung zu haben.

Lautes, hartes Fahrwerk

Wunderdinge erwarten kann man auch vom Fahrwerk nicht, das eher polterig ausfällt. Die präsent in den Innenraum dringenden Abrollgeräusche sind dem Komfort ebenfalls nicht zuträglich. Der Spring hat aber spezielle Qualitäten im City-Einsatz: Die geringen Abmessungen lassen ihn überall einen Parkplatz finden, die gute Übersichtlichkeit hilft beim Rangieren und der geringe Wendekreis machen den spontanen Richtungswechsel zum Kinderspiel.

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Der Dacia Spring gewinnt durch die Überarbeitung deutlich. Gerade die „Extreme“-Variante wirkt äußerlich modern und wertig. Gemeinsam mit dem aufgemöbelten Innenraum hat der City-Crossover nun fast so etwas wie Lifestyle-Flair. Den starken Qualitäts-Abfall gegenüber den anderen, ebenfalls preisgünstigen Modellen der Rumänen, spürt man nicht mehr so stark. Kompromisse verlangen aber weiterhin der mäßige Komfort sowie die ungünstige Kombination aus eingeschränkter Reichweite und lahmer Ladeleistung. Aber ein Erstwagen oder Reiseauto will der Spring gar nicht sein, als günstige Option für ein Stadtauto dürfte seine Kundschaft nun emotional deutlich besser erreichen.

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