Leapmotor schlüpft beim Stellantis-Konzern unter die Decke und debütiert in Deutschland mit einem E-Mobil zum Volkspreis. Der elektrische Kleinwagen T03 konkurriert mit dem Dacia Spring.
Der Kleinwagen T03 ist das erste Kind der Beziehung zwischen Leapmotor und Stellantis.
(Bild: Leapmotor)
Nach längerer Babypause ist der Stellantis-Konzern wieder in froher Erwartung. Mit der chinesischen Marke Leapmotor schlüpft bereits das 15. Adoptivkind unter die Decke der Multi-Kulti-Familie. Erst im Jahr 2015 als rein elektrische Marke in Hangzhou geboren, gründete Leapmotor vor fast genau einem Jahr ein Joint Venture mit Stellantis. Sitz der Leapmotor International ist Amsterdam. Stellantis hat für 5,9 Milliarden Euro 21 Prozent an Leapmotor erworben und hält mehrheitlich 51 Prozent an der Partnerschaft. Dafür erhält der Konzern unter anderem Zugriff auf neueste E-Technik. Leapmotor zählt unter Experten zu den Top 3 Shootingstars der chinesischen Elektro-Hersteller.
Ein cleverer Schachzug vom allmächtigen Stellantis-Sparfuchs Carlos Tavares. Während Stellantis also vergleichsweise günstig an zukunftsweisende E-Technik kommt (über 400.000 Autos sind in China schon auf dem Markt) und Zugang zum chinesischen Markt erhält, profitiert Leapmotor vom internationalen Vertriebsnetz seines neuen Partners und von Produktionsanlagen in über 30 Märkten. Frankreich, Italien, Portugal, Spanien, Belgien, Griechenland, Rumänien und Deutschland stehen zunächst auf der Speisekarte des Joint-Ventures. Weitere Länder, auch in Afrika, dem mittleren Osten und Südamerika sollen bis Ende 24 folgen. 350 Verkaufsstellen wird es bis Jahresende international geben, bis 2026 sind rund 500 geplant, in Deutschland soll es zunächst 40 Standorte geben.
Per Bausatz nach Polen
Der Kleinwagen T03 ist nun das erste Kind dieser Beziehung und lernt gerade das Laufen auf europäischem Parkett. Die ersten Exemplare kommen noch aus China, zum Jahresende wird der T03 dann im polnischen Tychy im CKG-Verfahren wie ein Bausatz zusammengesetzt. So umgeht Stellantis die angedrohten Strafzölle und spart sich obendrein die Transportkosten.
Mit citytauglichen 3,62 Metern ist der Fünftürer in etwa so lang wie sein neuer Konzernbruder Fiat 500 E, dem er mit seinem süßen Smiley-Face zumindest von vorne nicht unähnlich sieht. Aber er ist auch gut zehn Zentimeter kürzer als der Dacia Spring, den man preislich attackieren möchte.
Preis unter 20.000 Euro – dennoch üppig ausgestattet
18.900 Euro kostet der jüngste Stellantis-Spross, exakt so viel wie Dacia für die 65-PS-Version des Spring aufruft. Doch im Gegensatz zu Dacia, die konsequent auf Magerkost setzen, deckt Leapmotor den Tisch reichhaltig. So ist im T03 immer ein großes Panoramadach mit elektrischem Sonnenschutz an Bord, eine Klimaautomatik, elektrische Fensterheber rundum, ein 8-Zoll-Instrumenten-Display sowie ein 10-Zoll-Monitor mit integrierter, aber leider recht langsamer Navigation (aktualisierbar).
Zudem spendiert Leapmotor Parksensoren hinten, eine elektrische Park-Bremse, eine Rückfahrkamera von ziemlich guter Qualität und 15-Zoll-Leichtmetallräder. Wer will, kann den T03 mit dem Handy per App öffnen und schließen. Überhaupt lässt sich als Extra nur die Farbe wählen: Weiß, Hellblau oder Silber. Mit zehn Assistenzsystemen, sechs Airbags, drei Kameras und fünf Radargeräten nehmen die Chinesen für sich in Anspruch, ab sofort den sichersten Knirps der Klasse zu bauen.
Die Silhouette des T03 erinnert ein wenig an den Italo-Van Fiat 500 L. Auch der China-Mini ist ein talentierter Platz-Halter und will innen eine Nummer größer sein als man von außen glaubt. Der Plan geht auf. Vorne und hinten stoßen selbst Große nicht ans Wagendach, man fühlt sich nie eingepfercht wie in einem Kleinstwagen, das Raumgefühl lässt einem Luft zum Atmen. Und ein bisschen Gepäck darf am Ende auch noch mit. 210 Liter passen hinten rein, die sich auf 508 Liter erweitern lassen, wenn die (nur einteilige) Rückbank umgelegt wird.
Von der Assistenten-Bande bevormundet
Eines steht schnell fest: Das hier ist kein barmherziges Armenhaus, sondern ein solide gemachtes Citymobil, das seine Kinderkrankheiten offensichtlich schon auf dem Heimatmarkt auskuriert hat. Bereits seit 2020 fährt der T03 über Chinas Straßen, Anfang dieses Jahres gab es eine gründliche Modellpflege. Natürlich sind die Materialien nicht Premium, aber für diese Preisklasse von ordentlicher Qualität, zudem sorgsam zusammengebaut.
Nichts knirscht oder klappert – und doch lässt dich das ambitionierte Adoptivkind nie wirklich in Ruhe. Ständig piept oder klingelt es von irgendwo her, die Bevormundung der ganzen Assistenten-Bande nervt höllisch. Die meisten lassen sich zum Glück über die Einstellungen ruhigstellen, nicht aber der viel zu laut programmierte Soundgenerator, der für das künstlich animierte Fahrgeräusch bis 30 km/h zuständig ist. Er bleibt im Stadtverkehr dein ständiger Begleiter.
Dass in der Ruhe die Kraft liegt, beweist der E-Antrieb, der so leise tickt wie die Uhr an der Wand. Für die überschaubaren 70 kW braucht zwar keiner einen Betablocker, aber sie reichen im Alltag allemal, zumal der lütte Leap nur 1,17 Tonnen wiegt. Der elektrische Antriebsstrang wurde komplett im Hause entwickelt, mit Ausnahme der Batteriezellen, die Leapmotor ankauft. Die Kapazität des Akkus liegt bei 37 kWh, das soll für 265 Kilometer reichen.
Stand: 08.12.2025
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Wer nur im Stadtbereich tingelt, kommt laut Leapmotor fast 400 Kilometer weit. Absolut glaubhaft. Auf unserer entspannten Testrunde zeigte der Bordcomputer unter 10 kWh auf 100 Kilometer an. Weniger zeigt kaum ein anderes E-Auto an. Das Ladetempo ist mit 48 kW eher branchenüblich, von 30 auf 80 Prozent dauert es an der heimischen 11-kW-Wallbox gut 3,5 Stunden, an der DC-Ladestation etwa 36 Minuten.
Es gibt drei Fahrprogramme (Eco, Sport, Standard) die die Leistungsbereitschaft des Antriebs, die Rekuperation, den Verbrauch sowie das Ansprechverhalten der Lenkung beeinflussen. Wirklich erstaunlich aber ist, wie erwachsen der Kleine fährt. Der T03 liegt überraschend stabil auf der Straße, die Lenkung ist weitgehend zielgenau und der Komfort trotz fehlender Länge mehr als eine Kurzmeldung wert.
Fassen wir zusammen: Stellantis neuer Partner hat weder den Kleinwagen neu erfunden noch den Stromer. Und Leapmotor bietet etwas, was es bei VW frühestens in zwei Jahre gibt – ein kleines, bezahlbares E-Auto.