Im Interview: Prof. Hans Georg Engel Daimler: Auf neuen Wegen beim Frontantrieb
Prof. Hans Georg Engel, Entwicklungsleiter der NGCC (New Generation Compact Cars)-Fahrzeugarchitektur bei der Daimler AG, über die Entwicklung der neuen A-Klasse, Bauteil-Synergien und kommende Derivate des Premium-Kompakten.
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Sind Sie bei der Entwicklung der neuen Frontantriebs-Modelle neue Wege gegangen?
Ja, insbesondere beim digitalen Entwicklungsprozess. Es wird mehrere Derivate der Kompaktwagen-Architektur geben; neben A- und B-Klasse ein viertüriges Coupé, ein Crossover-SUV und mindestens ein weiteres Modell. Die Kaskade neuer Varianten hat dazu geführt, dass wir nicht mehr für jedes Modell Entwicklungsfahrzeuge gebaut haben – das hätten wir in dieser Zeit auch gar nicht leisten können. Das erste Modell war die B-Klasse, und wir haben dort mit Prototypen für viele Komponenten die Komplettabsicherung durchgeführt. Für die folgenden Modelle, beispielsweise für die A-Klasse, sind wir sofort in die Serienwerkzeuge gegangen.
Wie darf man sich das zeitlich vorstellen?
Die Testfahrzeuge wurden etwa sechs Monate vor Serienanlauf gebaut. Wir haben sie natürlich getarnt. Aber wir haben das gesamte Prototypenstadium rein digital abgewickelt. Voraussetzung ist allerdings, dass man frühzeitig bedenkt, was an Derivaten kommen wird. Unsere Architektur ist im Prinzip für alle Aufbauvarianten gerüstet, die man sich vorstellen kann.
Können Sie diesen weitgehend digitalen Entwicklungsprozess künftig auch für das erste Modell einer neuen Fahrzeugarchitektur umsetzen?
Ich glaube nicht, dass das realistisch ist. Es könnte funktionieren, wenn man eine bestehende Plattform weiter entwickelt, wie es bei der Konkurrenz bisweilen vorkommt. Bei einem so großen Schritt wie unseren neuen Kompaktmodellen ist das beim ersten Modell vermutlich nicht möglich.
Sie haben die ersten Testfahrten in Dodge-Caliber-Modellen unternommen.
Richtig, aber das waren lediglich Aggregateträger, die sich vom Maßkonzept angeboten haben. Es gibt da keinerlei Gleichteile.
Sie sind mit den neuen Modellen vom bisherigen Sandwich-Konzept abgekehrt. Haben Sie diese Entscheidung nochmals überdacht, als das Thema Elektro-Auto an Fahrt aufgenommen hat?
Das war gar nicht notwendig, denn wir haben die Gene des Vorgängers auf das neue Modell übertragen. Die Architektur ist prinzipiell vorbereitet für alle möglichen Batteriekonzepte. Allerdings funktioniert das nur bei den Modellen, die über eine entsprechende Sitzhöhe verfügen. Bei der B-Klasse zum Beispiel ja, bei der A-Klasse nicht.
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