Umfrage Deutsche Industrie sieht den Data Act als Chance

Von Automobil Industrie 5 min Lesedauer

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Entgegen sehr kritischer Äußerungen von Branchenverbänden identifizieren rund zwei Drittel der Industrieplayer in Deutschland den Data Act nicht mehr als Risiko. Stattdessen scheint das positive Potenzial zu überwiegen, wie eine Befragung von Hewlett Packard Enterprise ergab.

Noch letztes Jahr wurde der geplante Data Act von der Industrie angegriffen und kritisiert. Jetzt scheint sich die Stimmung umzuschlagen, wie eine Umfrage von Hewlett Packard Enterprise offenbart.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Noch letztes Jahr wurde der geplante Data Act von der Industrie angegriffen und kritisiert. Jetzt scheint sich die Stimmung umzuschlagen, wie eine Umfrage von Hewlett Packard Enterprise offenbart.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Bereits 43 Prozent der Befragten haben begonnen, sich auf das Gesetz vorzubereiten, das im September 2025 greift. Allerdings hat die Industrie noch viel Arbeit vor sich, um die damit verbundenen Chancen zu nutzen und existierende Risiken zu minimieren. Das zumindest gehört zu den zentralen Ergebnissen einer von Hewlett Packard Enterprise (HPE) beauftragten und vom Marktforschungs-Unternehmen Yougov vor Kurzem durchgeführten Umfrage unter 400 deutschen Führungskräften. Klar sei, dass die Industrie das Potenzial der Verordnung erkannt hätten.

Das Ziel des Data Act ist es bekanntlich, die Datenwirtschaft in Europa zu beflügeln, indem Hersteller von vernetzten Produkten und verbundener Dienste dazu verpflichtet werden, die durch die Nutzung ihrer Produkte respektive Dienste in der EU generierten Daten den Nutzern auf Wunsch zur Verfügung zu stellen. Die Nutzer – Privatpersonen, Firmen oder Behörden – dürfen diese Daten auch an Dritte weitergeben, die sie mit der Verwertung dieser Daten beauftragen. Damit werden große Mengen an Produktdaten für die Datenwirtschaft verfügbar, die bisher nur von den Herstellern kontrolliert wurden, wie es weiter heißt.

Gefahr für Betriebsgeheimnisse befürchtet

Die Europäische Kommission schätzt zum Beispiel, dass das neue Datengesetz bis 2028 zu einem zusätzlichen EU-Bruttoinlandsprodukt von rund 270 Milliarden Euro führen wird und außerdem zu Einsparungen von 10 bis 20 Prozent in den Sektoren Verkehr, Gebäude und Industrie, was durch die Echtzeitanalyse von Daten geschieht. Branchenverbände und CEOs von großen Unternehmen kritisierten das Vorhaben letztes Jahr noch scharf. Die Verpflichtung zum Datenteilen sei insbesondere eine Gefahr für die Betriebsgeheimnisse und damit der Wettbewerbsvorteile europäischer Hersteller. Damit drohe der Data Act das Gegenteil von dem zu erreichen, was er beabsichtige.

Ganz anders sieht es mit der aktuellen Stimmung in vielen Unternehmen in Deutschland jetzt aus. Denn laut Umfrage sagen zwei Drittel (67 Prozent), dass sie den Data Act eher positiv beurteilen. Die meisten Befragten (59 Prozent) sehen dabei das Potenzial, mit den Produktdaten ihre Abläufe zu optimieren und zu automatisieren. Bisher standen zum Beispiel Produktionsleitern die Nutzungsdaten ihrer Produktionsmaschinen oft nur im Rahmen der Dienste des jeweiligen Herstellers zur Verfügung, wie HPE sagt. Künftig könnten sie aber Maschinendaten von mehreren Herstellern frei miteinander vernetzen und damit ganze Produktionsprozesse optimieren. Das klappe etwa mittels eines digitalen Zwillings der Produktion. Auch ein sogenanntes Closed Loop Manufacturing kann damit umgesetzt werden.

Datenqualität und -menge hemmen den Einsatz von KI

Das am zweithäufigsten (39 Prozent) genannte Einsatzgebiet für gesammelte Produktdaten ist das Training von Systemen der künstlichen Intelligenz (KI). Die große Mehrheit der Befragten sieht aber aktuell im Mangel an Daten in ausreichender Quantität, Qualität und Vielfalt eine der größten Barrieren für den erfolgreichen Einsatz von KI (46 Prozent Zustimmung, 45 Prozent teilweise Zustimmung). Entsprechend große Erwartungen habe man in die Erschließung der neuen Datenquellen durch den Data Act. Weitere häufig genannte Einsatzfälle betreffen die Optimierung der Zusammenarbeit in der Lieferkette (39 Prozent) und den Aufbau neuer, datengetriebener Geschäftsmodelle (33 Prozent).

Wenig überrascht, dass bei den größten Herausforderungen durch den Data Act das Herausfiltern beziehungsweise der Schutz von vertraulichen und personenbezogenen Daten bei der Datenbereitstellung an erster Stelle (41 Prozent) – gefolgt von Rechtsunsicherheiten (38 Prozent) – steht. Auch fürchten die deutschen Unternehmen, dass die Herausgabe der Nutzungsdaten ihrer Produkte ein Reverse Engineering ermöglichen könnte (36 Prozent). Um die Chancen des Data Act zu nutzen und seine Risiken zu minimieren, brauchen die Unternehmen also Kompetenzen in Bereichen wie Datenstrategie, Daten Governance, Datensicherheit und Datentechnologie (etwa Daten-Plattformen und KI). HPE hat die relevanten Fähigkeiten in einem Datenreifegrad-Modell abgebildet, dessen Kriterien dazu dienen, die Fähigkeit eines Unternehmens zu bewerten, mit Daten effektiv Wertschöpfung zu betreiben, wie angemerkt wird. Einige dieser Kriterien habe man auch in der aktuellen Umfrage abgefragt.

Deutsche Unternehmen könnten besser dastehen

Das HPE-Modell umfasst fünf Reifegradstufen, wobei eins (genannt „Daten-Anarchie“) die niedrigste und fünf (genannt „Daten-Ökonomie“) die höchste ist. Im Schnitt erreichten die befragten Unternehmen einen Datenreifegrad von 2,6 – sie befinden sich damit auf der Stufe „Daten Reporting“, auf der Daten vor allem dazu genutzt werden, rückblickend und periodisch den Erfolg von Geschäftsaktivitäten zu bewerten (etwa Absatzzahlen oder Kundenzufriedenheit). Auf diesem Level seien die Unternehmen aber noch weit von der höchsten Stufe entfernt, auf der interne und externe Daten strategisch und effektiv für die Wertschöpfung verwertet werden (etwa in Form datenbasierter Produkte und Dienstleistungen).

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So sagen etwa nur je sechs Prozent der Befragten, dass ihre Datenstrategie ein Kernbestandteil ihrer Unternehmensstrategie ist und dass datengetriebene Produkte und Dienstleistungen für ihr Geschäftsmodell strategische Bedeutung haben. Etwas besser sieht es bei den operativen Datendisziplinen aus. So haben rund 20 Prozent eine unternehmensweite Daten-Governance. Ebenfalls 20 Prozent nutzen Daten, um mittels vorausschauenden oder Trendanalysen ihre Prozesse zu optimieren und zu automatisieren. Und 63 Prozent setzen irgendeine Art von KI oder maschinellem Lernen ein.

Mehr Wettbewerb im Cloud-Markt

Der Data Act will außerdem den Wettbewerb im Cloud-Markt stärken und den Unternehmen mehr Freiheit geben, die am besten passenden Plattformen für ihre Datenstrategie auszuwählen und zu kombinieren, wie HPE weitere ausführt. Dazu werden die Cloud-Anbieter verpflichtet, ihren Kunden den Wechsel auf andere Cloud-Plattformen zu erleichtern und nach einer Übergangsfrist auch auf Wechselentgelte (insbesondere Datenextraktionsentgelte) zu verzichten. Auch umfasst der Data Act Maßnahmen, um die Interoperabilität von Cloud-Plattformen zu verbessern.

Laut HPE-Umfrage wird dieser Teil des Data Act zu einer erhöhten Wechselbereitschaft und mehr Vielfalt in den Cloud-Umgebungen führen. Nur für 16 Prozent der Befragten wird der Data Act kein Anlass für Veränderungen ihrer Cloud-Strategie sein. Der größte Teil der Führungskräfte (46 Prozent) gibt an, dass sich ihr Unternehmen in Richtung einer hybriden Cloud-Strategie entwickeln wird – also zu einer Kombination mehrerer Cloud-Plattformen mit der eigenen IT-Umgebung. Ungefähr die gleiche Anzahl wird mehr Daten und Anwendungen in die Cloud verlagern (36 Prozent) und Daten und Anwendungen in die eigene IT-Umgebung zurückholen (31 Prozent).

HPE-Hybrid-Cloud-Plattform Greenlake macht frei

Diese Entwicklung decke sich mit der Strategie von HPE, die darauf abziele, Usern zu helfen, den Wert aller ihrer Daten zu erschließen, was unabhängig davon passiere, wo diese erzeugt und gespeichert würden. Die Hybrid-Cloud-Plattform HPE Greenlake lässt etwa die Freiheit, die passenden Plattformen für Daten und Anwendungen zu wählen – mit einem einheitlichen Betriebsmodell über Standorte, Rechenzentren und Clouds hinweg. Software-Tools wie zum Beispiel HPE Ezmeral Unified Analytics und HPE Ezmeral Data Fabric erlauben dabei einen einheitlichen Datenzugriff in hybriden Multi-Cloud-Umgebungen. Sie umfassen ein Ökosystem von Werkzeugen und Modellen für Datenanalyse und KI. So könne man Datenbestände kontrollieren, die Datenlieferkette industrialisieren und diese produktiv für die Wertschöpfung einsetzen.

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Auf der Hannover Messe 2024 zeigt HPE in Halle 15 deshalb Beispiele für eine datengetriebene Wertschöpfung in der Industrie. Dazu gehört beispielsweise ein Projekt mit BMW, bei dem die Daten von elektrischen Testfahrzeugen auf der ganzen Welt über verteilte Mikrorechenzentren, der Daten-Plattform HPE Ezmeral und HPE GreenLake gesammelt und analysiert werden, um die Markteinführung neuer elektrischer Fahrzeugmodelle zu beschleunigen, wie es abschließend heißt.

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