Der Tucherpark in München wird zum Zentrum der europäischen KI-Souveränität. Die Deutsche Telekom und Nvidia investieren eine Milliarde Euro und bauen innerhalb von sechs Monaten Europas leistungsfähigste KI-Infrastruktur.
Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom (links), und Jensen Huang, CEO Nvidia, auf der Pressekonferenz am 4. November 2025.
(Bild: Deutsche Telekom AG / Marc Steffen Unger)
Deutsche Telekom und Nvidia wollen gemeinsam im Münchener Tucherpark ein Rechenzentrum der Superlative bauen. Mit einer Investition von über einer Milliarde Euro soll innerhalb von sechs Monaten eine der leistungsstärksten KI-Infrastrukturen Europas entstehen. Die AI Factory soll ab dem ersten Quartal 2026 in vollem Umfang operativ sein. Damit wird München zum Zentrum der europäischen KI-Souveränität. Der Bau wird die KI-Rechenleistung in Deutschland auf einen Schlag um etwa 50 Prozent erhöhen.
Baumaßnahmen und technische Infrastruktur
Der Ausbau erfolgt durch die vollständige Renovierung eines bestehenden Rechenzentrums im Tucherpark, Schwabing-Freimann. Umsetzungspartner ist Polarise. Die neue Anlage wird mit bis zu 10.000 Nvidia Blackwell-GPUs ausgestattet. Das sind die derzeit leistungsfähigsten KI-Chips des Herstellers. Diese werden in über 1.000 Nvidia DGX B200-Systemen und RTX PRO Servern installiert, verteilt auf etwa 290 Racks.
Die logistische Herausforderung ist erheblich: Nvidia dürfte bis zum Start im Januar rund 150 Lkw-Ladungen an GPUs nach München transportieren. Der technische Aufwand ist entsprechend: 75 km Glasfaser wurden verlegt, um die Infrastruktur zu verbinden. Die Netzwerkanbindung erfolgt über vier 400-Gigabit-pro-Sekunde-Glasfaserleitungen (4 x 400 GBit/s), unterstützt durch 350 Switches.
Das Rechenzentrum wird teilweise unter die Erde verlagert, davon sind drei bis vier Stockwerke unter der Erdoberfläche. Das spart Platz und optimiert die Kühlung. Diese erfolgt durch Wasserkühlung.
Technische Spezifikationen im Überblick
Die technischen Spezifikationen der Münchner KI-Fabrik:
GPU-Rechenleistung: 0,5 Exaflop (500 Billiarden Gleitkommaoperationen pro Sekunde)
Arbeitspeicher: 0,95 Petabyte
Speicherkapazität: 20 Petabyte (HPC SSDs)
Hardware: 10.000 Blackwell GPUs, über 1.000 DGX B200-Systeme, RTX Pro Server in 290 Racks
Netzwerk: 4 x 400 Gbit/s Glasfaser-Anbindung, 350 Switches, 75 km verlegte Glasfaser
Energieverbrauch: 12 MW
Energiequelle: 100 Prozent erneuerbare Energie-Kühlung: Wasserkühlung
Baustruktur: 3 bis 4 Stockwerke unter der Erde
Das Herzstück der Industrial AI Cloud kombiniert Deutsche Telekoms Infrastruktur und Betrieb mit der AI Enterprise Software und Omniverse von Nvidia für digitale Zwillinge. Die Plattform ist darauf ausgelegt, Modelltraining und Inferenz, Generierung synthetischer Daten, Fabriksimulation und Predictive Maintenance zu unterstützen. Zusätzlich werden Robotik-Plattformen wie Isaac von NVIDIA integriert. SAP fungiert als strategischer Partner für die Integration in Unternehmensabläufe.
Architektur für Datensouveränität
Das Rechenzentrum ist bewusst als souveräne Infrastruktur konzipiert. Alle Daten verbleiben in deutschen und europäischen Rechenzentren und unterliegen deutschem sowie EU-Recht. Diese architektonische Entscheidung ist zentral für die Akzeptanz durch Industrie, Behörden und regulatorische Institutionen.
„Wir müssen hier in Deutschland einen Stack aufbauen, der unserer Industrie ermöglicht, an dieser nächsten Generation der Industrialisierung teilzunehmen“, erklärte Tim Höttges, CEO der Deutsche Telekom, bei der Berliner Präsentation des Projekts.
Über die genauen Details der Partnerschaft zwischen Telekom und Nvidia, wie zur Finanzierung und zum operativen Modell, schwiegen sowohl Höttges als auch Nvidia-CEO Jensen Huang. Es war lediglich zu hören, dass die Partnerschaft einen Wert von über einer Milliarde Euro habe.
Huang verdeutlichte die strategische Bedeutung des Rechenzentrums: „Diese Computer sind die modernen Versionen von Fabriken. Das sind Fabriken, genau wie Autofabriken und alle Industriefabriken Deutschlands. Das sind Fabriken der Intelligenz.“ Huang prognostiziert eine fundamentale Veränderung der Industrielandschaft: „In Zukunft wird in der Industrie 4.0 mit KI jedes Fertigungsunternehmen zwei Fabriken haben: die Fabrik für das Auto und die Fabrik für die KI, die das Auto antreibt.“
Anwendungen und Industriepartner
Das Rechenzentrum zielt auf spezifische Fertigungsanwendungen ab. Dazu gehören KI-getriebene Simulationen und digitale Zwillinge zur Beschleunigung der Fahrzeugentwicklung sowie Modelltraining auf Produktionsdaten unter strikten Datenresidenz-Kontrollen. Für europäische Engineering-Teams bietet die Kombination aus lokaler Infrastruktur, High-End-GPU-Kapazität und Digital-Twin-Tools das Potenzial, Iterationszyklen für Prozessoptimierung, Robotik-Validierung und Sicherheitstests erheblich zu verkürzen.
Als strategische Partner fungieren neben SAP auch etablierte Industrieunternehmen wie Siemens sowie Automotive-OEMs. Bei den Präsentationen demonstrierten Robotik-Firmen wie Agile Robots und Wandelbots ihre Anwendungen auf der neuen Infrastruktur. Weitere Nutzer sind beispielsweise die Deutsche Bank und innovative Tech-Unternehmen.
Stand: 08.12.2025
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Bedeutung für den Standort Deutschland
Die Initiative ist Teil der Strategie „Made 4 Germany" und markiert eine der größten Einzelinvestitionen in KI-Infrastruktur in Europa. Der frühe Kundenzugang und erste Verträge werden ab Anfang 2026 erwartet, wodurch europäische Engineering-Teams Pilot-Deployments mit klaren Vorlaufzeiten planen können.
Führende Politiker und Ministerien in Bayern sowie auf Bundesebene sehen das Projekt als bedeutenden Schritt für Technologiekompetenz und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Das Rechenzentrum im Münchener Tucherpark wird damit zum Symbol für Europas Unabhängigkeit in der KI-Infrastruktur und zur Grundlage für die industrielle Transformation Made in Germany. (heh)